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Weltraumtourismus kann das Klima beeinflussen

Raketen hinterlassen Russ, der einfallendes Sonnenlicht auffängt. Dadurch könnte sich die Erdoberfläche abkühlen und die Zirkulation der Luft verändern.

Mit kommerziellen Raumflügen ins Weltall soll 2012 ein neuer Tourismuszweig erschlossen werden: Raumschiff «Discovery».
Mit kommerziellen Raumflügen ins Weltall soll 2012 ein neuer Tourismuszweig erschlossen werden: Raumschiff «Discovery».
Keystone

Der britische Milliardär Richard Branson will bereits 2012 die ersten kommerziellen Raumflüge ins Weltall anbieten. Vor wenigen Wochen hat er im US-Staat New Mexico die Startbahn seines privaten Weltraumbahnhofs Spaceport America eröffnet. Bereits sollen zahlungskräftige Weltraumtouristen Schlange stehen.

Aber auch Wissenschaftler haben ihre Arbeit aufgenommen und erste Untersuchungen durchgeführt, um abzuschätzen, was der Weltraumtourismus für das Klima bedeuten könnte. Ihr Befund: Die Raketenabgase privater Raumschiffe drohen zu einem merklichen Faktor für den Klimawandel zu werden.

Dabei ist der Russ das Hauptproblem, nicht das Kohlendioxid, schreiben Forscher von der Aerospace Corporation im kalifornischen El Segundo in den «Geophysical Research Letters»: «Raketen sind oberhalb von 22 Kilometern die einzige direkte Quelle von Substanzen, die der Mensch produziert», sagt Martin Ross, der am Bericht mitgearbeitet hat. «Daher ist es wichtig, zu verstehen, wie ihre Abgase die Atmosphäre beeinflussen. Die Forscher gehen für ihre Analyse davon aus, dass sich in den nächsten zehn Jahren ein schnell wachsender Markt für Weltraumtourismus entwickeln wird und untersuchten daher die Folgen von angenommenen 1000 Raketenstarts pro Jahr. «Die Reaktion des Klimasystems auf diese relativ geringe Menge schwarzen Kohlenstoffs ist überraschend», berichtet Koautor Michael Mills vom US-Zentrum für Atmosphärenforschung in Boulder.

Raketenruss bleibt jahrelang

Selbst wenn die Raketen wie angenommen nur von Nordamerika aus starten, sind die Folgen global. Während Russ aus Kohlekraftwerken oder Flugzeugen innerhalb von Tagen oder Wochen wieder aus der Atmosphäre verschwinde, sammle sich der Raketenruss in einer Höhe von 40 Kilometern an und bleibe dort für Jahre. Diese Russschicht absorbiere einfallendes Sonnenlicht, sodass sich darunterliegende Bereiche der Erdoberfläche um bis zu 0,7 Grad Celsius abkühlen könnten. Gleichzeitig erwärmt sich jedoch die Atmosphäre, und das ändere die Luftzirkulation weltweit. So könnte sich die Antarktis durch den Weltraumtourismus um bis zu 0,8 Grad erwärmen, schreiben die Forscher, die mit einem Computermodell der Atmosphäre die Folgen der Raketenabgase untersucht haben.

Die dafür zugrundegelegten Raketenemissionen, basierend auf Raketenchemie und Atmosphärenphysik, müssten jedoch durch direkte Messungen der Raketenabgase untermauert werden, schränken die Autoren ein. Auch das Ausmass des Weltraumtourismus könnten sie bloss schätzen. «Unsere Annahmen sind im Einklang mit den Businessplänen für kommerzielle suborbitale Raumflüge im Jahr 2020, und möglicherweise treten sie nicht ein», sagt Ross.

Doch die Ergebnisse hätten auch eine Bedeutung für die globale Flotte von Orbitalraketen, obwohl diese zehnmal weniger Russ freisetzten als bei der Weltraumtourismus-Untersuchung angenommen wurde . Die Klimafolgenbewertung von suborbitalen und orbitalen Raketen, so die Forscher, müsse künftig die Emissionen von schwarzem Kohlenstoff einbeziehen.

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