Sechs Tipps für Schnittblumen

Rosen aus Afrika, Schnittgrün aus Asien: Oft kommt in Blumensträussen die halbe Welt zusammen. Weite Wege für eine Woche bei uns in einer Vase. Das geht auch anders: Sechs Tipps.

Blumen machen einfach Freude – und bei liebevoller Pflege kommen sie ganz ohne Chemie aus. Foto: Georgianna Lane (GPW, Getty Images)

Blumen machen einfach Freude – und bei liebevoller Pflege kommen sie ganz ohne Chemie aus. Foto: Georgianna Lane (GPW, Getty Images)

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Sobald draussen nichts mehr blüht, wird die Lust auf Schnittblumen grösser. Wir kaufen Sträusse oder lassen sie uns schenken (wobei es sich lohnt, das Konzept «er schenkt ihr Blumen» auch mal umzudrehen: Ich habe beobachtet, dass Männer genauso Freude an Schnittblumen haben – sie bekommen sie einfach viel zu selten).

Wenn ich Blumensträusse sehe, kann ich allerdings gar nicht anders, als sie geistig auseinanderzupflücken und nach Herkunft zu sortieren. Da kommt oft die halbe Welt zusammen: Rosen vom südamerikanischen oder afrikanischen Kontinent, Schnittgrün aus Asien – das sind weite Wege für etwas, das hier gerade mal eine Woche lang in einer Vase steht. Und die Produktionsbedingungen für Mensch und Umwelt sind auch nicht gerade das, was man als ideal bezeichnet.

Aber es geht auch anders. Hier ein paar Tipps, bitte sehr:

1. Fragen Sie!

Im Unterschied zu Lebensmitteln sind Blumen – ausser bei Grossverteilern – selten mit einer Herkunftsangabe gekennzeichnet. Erkundigen Sie sich deshalb im Geschäft, woher die Ware kommt, und wenn die Antwort «aus dem Grosshandel» lautet, bohren Sie ungeniert nach. Es sollte heute selbstverständlich sein, dass man auch im Detailhandel über die Herkunft und die Produktionsweise Auskunft geben kann.

2. Fast alles vor der Haustür

Das hätten Sie jetzt nicht gedacht, aber: Bis auf wenige Wintermonate können Sie auf inländische Schnittblumen zurückgreifen, die im ungeheizten Gewächshaus oder im Freiland kultiviert werden. Wenn Sie sich etwas Zeit nehmen und erst noch etwas für Ihr Gemüt tun wollen, besuchen Sie ein Blumenfeld zum Selberschneiden: Bereits ab März gibt es die ersten Narzissen, dann folgen Tulpen und Pfingstrosen und später ein ganzes Blumenmeer, bis die Saison im Herbst mit Dahlien und Chrysanthemen zu Ende geht. Zudem gibt es auf Blumenfeldern wunderbare Trouvaillen zu entdecken – Pflanzen, die den Weg ins Blumengeschäft gar nie finden würden, weil sie etwas klein, krumm oder skurril gewachsen sind.

3. Ein Hoch auf Bioblumen

Es gibt hierzulande erst ein paar wenige, unermüdliche Chrampfer und Tüftlerinnen, die sich an die Bioproduktion von Schnittblumen herangewagt haben. Das hat zwei Gründe: Es erfordert grosses Know-how, ohne konventionelle Pflanzenschutzmittel Schnittblumen von makelloser Qualität zu produzieren und gleichzeitig preislich mit dem Grosshandel mithalten zu können. Ein Pionierbetrieb ist die Biogärtnerei Zimmermann aus Horw, die seit Ende der Neunzigerjahre Coop beliefert. Alle reinen Sonnenblumensträusse, die der Grossverteiler dieses Jahr verkaufte, waren bio und stammten aus der Schweiz!

4. Verlängerung der Halbwertszeit

Blumen brauchen Hingabe: Wechseln Sie das Wasser regelmässig, putzen Sie die Vase, und schneiden Sie die Stiele mit einem sehr scharfen Messer tendenziell schräg an. Blumen mögen zudem keine Heizungen und kein direktes Sonnenlicht, sie lieben es kühl. Bei liebevoller Pflege erübrigt sich das dubiose weisse Pülverli, denn es ist – Pardon! – nur unnütze Chemie.

5. Ein Wunder namens Amaryllis

Wenn Sie Blumen für Ihr Glück so brauchen wie ich, können Sie in den kargen Wintermonaten auch auf Schnittblumen aus Mittelitalien ausweichen. Dort gibt es günstige Mikroklimata, die eine ganzjährige Produktion ohne beheizte Gewächshäuser erlauben. Eine feine Alternative sind gerade im November gewisse Bioblumenzwiebeln: Die wachsen schnell und tragen imposante Blüten. Dann gibt es spezielle Vasen, um darin Hyazinthen oder Amaryllis zu kultivieren – Letztere kann sogar einfach auf den Stubentisch gelegt werden: Wenn Zwiebel und Wurzeln gelegentlich mit etwas Wasser besprüht werden, wächst der Stiel horizontal und schliesslich die Blüte in wunderbar knalligen Farben. Die Amaryllis kann das, weil ihre Zwiebel riesig ist und ein Speicherorgan, das alle nötigen Nährstoffe in sich trägt; sie braucht deshalb nichts als Wasser. Und dann kann ich hier noch einen Trend vermelden: Wer gar nicht unbedingt frisches Grün braucht, greift zu Trockenblumensträussen, die sind momentan der letzte Schrei.

6. Ab in den Wald

Und schliesslich empfiehlt sich ein Spaziergang im Wald. Solange Sie keine geschützten Pflanzen pflücken – wie zum Beispiel die Stechpalme – und nicht radikal alles abzwacken, was Ihnen begegnet, dürfen Sie ruhig mal ein Hagebuttenzweigli abschneiden, die halten sich sehr lange in einer Vase.

Einer meiner Lieblinge, die man ganz ohne schlechtes Gewissen aus dem Wald abstauben kann, weil es sie im Überfluss gibt, ist der Samenstand der Waldrebe, Clematis vitalba, auch bekannt als «Nielä» zum Rauchen. Der Samenstand sieht aus wie feinfädige weisse Wölkchen und versetzt einen sofort in einen herbstlichen Tagtraum.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2017, 18:03 Uhr

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