Zum Hauptinhalt springen

Blumen am Hochhaus

Sind unsere Hauswände bald mit Gras überwachsen? Eine Schweizer Erfindung soll dem senkrechten Garten zum Durchbruch verhelfen.

Mitten im Einkaufsgetümmel von Paris. Links und rechts sperren Shoppingmalls ihr Maul auf, Parfümduft weht durch die Gassen, es ist heiss zwischen den Mauern. Plötzlich bleibt der Blick an einem grünen Viereck kleben: Über dem Eingang eines Herrenausstatters wachsen Pflanzen aus der Wand, Moose, Farne, Begonien, es sieht aus, als ob jemand ein Stück Dschungel auf die Mauer geklebt hätte. Immer wieder bleiben Leute stehen und starren verwundert zu den Büscheln hoch. Die Augen fressen sich satt am Grün, und jeder, der mit Müh und Not seine Zimmerpflanzen am Leben erhält, versteht sofort: Das ist eine Gärtner-Meisterleistung. Eine kleine Protzerei mit Blumen.

«Green Wall» heisst die Erfindung, des Franzosen Patrick Blanc: eine Wand, die lückenlos mit Gräsern und Blumen bepflanzt ist und dem eingepackten Gebäude eine archaische Geborgenheit verleiht. Blanc, der aussieht wie ein Gartenzwerg in Rockerklamotten, tüftelt seit den 80er-Jahren wie ein Besessener an seinen Wandgärten. Er zeigte, dass mit der Hilfe von Pflanzen protzige Orte sympathischer und hässliche schöner werden. Stararchitekten wie Herzog & de Meuron oder Jean Nouvel haben bereits mit ihm zusammengearbeitet und ihre Prestigebauten mit Green Walls ausgestattet – ein spektakuläres Beispiel ist das Madrider Museum Caixa Forum von Jacques Herzog und Pierre de Meuron, wo Rost- und Urwaldwände aufeinander treffen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.