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Ein guter Schallschutz kann den Hausfrieden sichern

Wir Menschen haben ein feines Gehör – wenn man jeden Tag vom Nachbarn zu viel auf die Ohren bekommt, sorgt der Lärm bald für Krach im Haus.

Wer nach einem hektischen Tag nach Hause kommt, sehnt sich nach wohlverdienter Stille. Doch wenn des Nachbars Geburtstagsparty mit dröhnender Musik das ganze Haus nervt, ist die gute Laune dahin. «Studien haben gezeigt, dass der Nachbarschaftsfrieden im Haus besser ist, wenn die Bewohner nicht gleich jedes Geräusch hören», erläutert Lubos Krajci, Leiter Bauakustik bei der Forschungsinstitution Empa in Dübendorf. Die Problematik verschärft sich zusehends. Zum einen wohnen in den Agglomerationen immer mehr Menschen auf engem Raum, zum anderen genügen viele ältere Häuser den Anforderungen nicht mehr. Der Bauexperte Rolf Truninger von der Firma Qualicasa sagt: «Wenn nach einer Sanierung die Gebäudehülle dicht ist und noch gute Schallschutzfenster eingebaut sind, wird der Schall im Innern des Hauses umso besser hörbar.»

Eine verbindliche Norm

Im Jahr 2006 hat der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) die Norm SIA 181 zum Thema Schallschutz neu herausgegeben. Die Norm unterscheidet zwischen Mindestanforderungen, wie sie etwa im Mietwohnungsbau zwingend zu beachten sind, und den erhöhten Anforderungen; für alle Doppel- und Reihenhäuser sowie bei Stockwerkeigentum sind die erhöhten Anforderungen einzuhalten. Die SIA-Norm ist verbindlich, und bei jedem Baugesuch für einen Neubau oder bei einer wesentlichen Sanierung muss der Architekt einen Nachweis über den Schallschutz erbringen.

Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei der Konstruktion von Decken und Wänden zu: Die Decke sollte möglichst massiv sein, über einen «schwimmenden» Unterlagsboden und eine vollflächig verlegte Trittschalldämmung verfügen. Um die Schallübertragung zu vermeiden, sind folgende Punkte wichtig: ein zweischaliges Mauerwerk mit einer durchgehenden elastischen Trennung (z.B. Mineralfaser- oder elastifizierte Polystyrolplatten), Stellstreifen bei den Wandanschlüssen und Wandlager unterhalb des Mauerwerks. «Ein solcher Aufbau schränkt die Möglichkeiten der Schallübertragung ein», erläutert Krajci.

Auch wenn es auf den Plänen tiptop aussieht, ist dennoch sehr sorgfältig auf eine korrekte Ausführung zu achten, wie der Empa-Experte betont: «Sofern etwas Mörtel oder zerbrochene Ziegelsteine liegen bleiben, stellt dies eine Schallbrücke dar.» Wenn aus statischen oder anderen Gründen keine durchgehende Trennung im Mauerwerk vom Keller bis zum Dach möglich ist, muss der Architekt andere Massnahmen ergreifen, um die Schallschutzanforderungen in die Tat umzusetzen.

Im dümmsten Fall erweisen sich auch Wohnungskäufer einen Bärendienst, wenn sie mit allerhand Extras den Schallschutz gefährden: Nicht selten nimmt beim nachträglichen Verlegen von Elektroleitungen die Trittschalldämmung im Boden Schaden. Oder zwei Nachbarn lassen auf gleicher Höhe die Wand aufspitzen, um eine separate Steckdose anzubringen; so ist es gut möglich, dass der alltägliche «Wohnlärm» genau hier übertragen wird. Als besonders heikel gilt die Umsetzung eines guten Schallschutzes bei Altbauten und Sanierungen. Von Fall zu Fall muss entschieden werden, welche Verbesserungen an Wänden und Decken überhaupt mit vernünftigen Kosten möglich sind. Wichtig ist, die Planer und Handwerker darauf zu sensibilisieren. Denn schon kleine Unachtsamkeiten bei der Montage von Sanitärleitungen genügen, und der Schallschutz lässt zu wünschen übrig. Der Auftraggeber muss grosse Sorgfalt und eine entsprechende Umsetzung wie entkoppelte Montage von Leitungen verlangen.

Wohnungskäufer und Bauherren können sich letztlich nicht um all die technischen Details kümmern. Sie müssen aber wissen, dass zum Beispiel die Lärmschutzverordnung an Fenster zwingende Anforderungen stellt, die einzuhalten sind. Entscheidend ist schliesslich auch, dass das gewünschte Level an Schallschutz beim Bau klar vereinbart wird. Die erwähnte SIA-Norm sieht sogar ausdrücklich vor, dass die Vertragspartner beim Bau die gewünschten Anforderungen vertraglich festhalten. Damit hat der Wohnungskäufer auch mehr in der Hand, als wenn es im Verkaufsprospekt bloss vage heisst, es werde «ein guter Schallschutz» versprochen.

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