So bringen Sie Ihre Balkonpflanzen durch den Winter

Einheimische Gewächse haben eine clevere Strategie gegen die Kälte. Die anderen brauchen bis Winterende Ihre Hilfe.

Damit der Frost keine Chance hat: Pflanzen brauchen Kälteschutz. Foto: iStock

Damit der Frost keine Chance hat: Pflanzen brauchen Kälteschutz. Foto: iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf ihn ist immer Verlass: Irgendwann kommt der Frost und lässt im Garten bezaubernde Gebilde an Samenständen, Herbstfrüchten und den letzten Blüten entstehen. Doch für empfindliche Pflanzen bringt der Frost oft auch den Tod.

Ob Bäume und Sträucher die Kälte des Winters überstehen oder nicht, hängt davon ab, wie gut sie sich anpassen können. Eine fostresistente Pflanze weiss lange bevor es kalt wird, dass sie sich auf die eisige Jahreszeit vorbereiten muss. Sie misst die Tageslänge, ‹kennt› damit das Datum und die Wahrscheinlichkeit, dass es Frost gibt.

Der Zellsaft verdickt

Bereits Anfang September beginnt die Pflanze mit den Vorbereitungen: Sie verlangsamt ihr Wachstum. Bäume bilden am Blattstielansatz eine Trennschicht, die das Abwerfen der Blätter ermöglicht. Und im Innern der Pflanze laufen die Schutzvorrichtungen auf Hochtouren. Denn das Zellinnere darf auf keinen Fall gefrieren. Frostharte Pflanzen schaffen es, Wasser aus den Zellen in die Zwischenbereiche zu pumpen. Wenn es dort gefriert, schadet es der Zelle selber nicht.

Die Eiskristalle wachsen in den Zwischenräumen, entziehen der Zelle laufend Wasser und trocknen diese gewissermassen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zelle gefriert, wird somit kleiner und die Frosttoleranz der Pflanze steigt stetig an. Der Zellsaft verdickt, bleibt aber ungefroren. Damit die lebenswichtigen Eiweisse und Membranen im Inneren der Zelle im dicken Saft nicht verkleben, lagert die Pflanze in den Zellen verschiedene Stoffe ab, die dies verhindern.

Mit Vlies umwickelt an einer windgeschützten Wand: Der Winter kann kommen. Foto: Peter Himmelhuber (Zoonar)

Mit all diesen Anpassungen trotzen die Pflanzen der Kälte. Für immergrüne fremdländische Gartengehölze wie Rhododendren und Kirschlorbeer ist der Winter trotzdem eine besondere Herausforderung: Anders als sommergrüne Pflanzen müssen sie nicht nur Knospen und Zweige durch den Winter bringen, sondern das ganze Blattwerk. Fällt das Thermometer unter minus 25 Grad kommen diese Pflanzen an ihre Grenzen und sterben ab, weil dann die Eisbildung auch das Innere der Zellen erfasst.

Besonders kälteempfindliche Exoten und einjährige Pflanzen, die keine Strategien gegen das Gefrieren kennen, trifft der erste Frost völlig unvorbereitet. Ihre Zellen frieren manchmal bereits bei 1 bis 2 Minusgraden durch, platzen auf, die Zellflüsigkeit tritt aus, die Pflanze stirbt. Einige Pflanzen, darunter auch mehrere mediterrane Gehölze wie Lorbeer, Oleander oder Olivenbaum, kommen mit ein paar Minusgraden zurecht. In unseren Breitengraden brauchen sie dennoch einen geeigneten Winterschutz, um die kalte Jahreszeit schadlos zu überstehen.

So bringen Sie Ihre Pflanzen durch den Winter

Pflanzen im Garten

Je nach Mikroklima im Garten brauchen die Pflanzen mehr oder weniger Schutz. Eine Pflanze an einem windgeschützten Platz, wo sie vielleicht noch von der Wärmeabstrahlung einer Mauer profitiert, braucht viel weniger, im besten Fall sogar keinen Winterschutz. An einer exponierten Stelle hingegen werden kälteempfindliche Pflanzen den Winter nicht unbeschadet überstehen. Kleinere Gehölze, etwa Rosmarin, Thymian oder Salbei, lassen sich gut mit Tannästen schützen: Zuerst Laub oder Stroh rund um den Stock legen, danach rundherum Äste in die Erde stecken und diese anschliessen oben mit Kokosschnur zusammen binden. Auch junge Feigenbäume oder frisch gesetzte Kiwis können so eingepackt werden.

Pflanzen im Topf

Das Hauptproblem bei Topfpflanzen im Winter ist, dass die Erde im Topf gefriert, Dadurch kann die Pflanze kein Wasser mehr aufnehmen und vertrocknet.

Mit Laub die Erde und die Zwischenräume der Pflanze bedecken und anschliessend mit gut isolierendem Material einpacken, zum Beispiel mit Plastiknoppenfolie oder Kokosmatte. Plastikfolie kann zusätzlich mit Jute umwickelt werden. Das ist optisch schöner und isoliert ebenfalls. Jute allein isoliert zu wenig. Den Topf nicht nur rundum, sondern auch unten einpacken und den ganzen Winter über auf ein Stück Styropor stellen. Auch mit diesem Kälteschutz kann der Topf zwischendurch einfrieren, jedoch nur über kurze Zeit und die Pflanze kann zwischendurch wieder Wasser aufnehmen.

Bei Palmen werden die Blätter oben zusammengebunden und mit Laub gefüllt, so dass das Herz gut isoliert ist. Anschliessend wird um das Palmherz ein Vlies gewickelt. Diese Methode empfiehlt sich auch bei empfindlichen Stammrosen.

Topfpflanzen müssen auch im Winter gegossen werden, jedoch nie bei Minustemperaturen, da dann die Wurzeln kein Wasser aufnehmen können. Die meisten Pflanzen, die den Winter nicht überstehen, hatten nämlich nicht zu kalt, sondern zu wenig Wasser und sind vertrocknet.

Erstellt: 30.10.2019, 20:30 Uhr

Artikel zum Thema

Die neue Vielfalt des Hanf-Geschäfts

#12 Persönliche Pflanzen, Limoncello-Geschmack und Livecam: Ein CBD-Produzent erzählt, wie man sich auf dem Markt behaupten kann. Mehr...

Bäcker wollen Brot ohne Pestizide

Die allermeisten Getreidebauern schützen ihre Pflanzen mit Unkrautvertilgern. Doch jetzt stellen erste auf eine naturnahe Produktion um. Mehr...

Diese Pflanzen helfen der Haut

Sie beruhigen oder wirken antibakteriell: So lindern pflanzliche Heilmittel Wunden, Entzündungen oder Hautkrankheiten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss So wichtig ist Vitamin D

Mamablog «Trennungen werden noch immer tabuisiert»

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Fliegende Körner: Ein Bauer erntet Reis auf einem Feld in Nepal. (15. November 2019) A farmer harvests rice on a field in Lalitpur, Nepal November 15, 2019.
(Bild: Navesh Chitrakar ) Mehr...