Sonnenbräute und Trockenkünstler

Plätze im Garten, die in der vollen Sonne liegen, sind meist extrem trocken. Gut zu wissen, welche Kräuter, Stauden und Gräser ausgesprochene Sonnenanbeter sind. 

Die Artischocke ist eine trockenheitsresistente essbare Staude mit hohem Zierwert. Foto: Alamy

Die Artischocke ist eine trockenheitsresistente essbare Staude mit hohem Zierwert. Foto: Alamy

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Weit und breit kein schattenspendender Baum: Viele Balkone, Terrassen oder Gärten sind im Sommer den ganzen Tag der unbarmherzig vom Himmel knallenden Sonne ausgesetzt. Zum Glück gibt es Pflanzen, die genau dies mögen – und auch Bodentrockenheit ertragen. Der Klimaveränderung wegen werden solche Pflanzen künftig immer wichtiger. Es wird jedenfalls in verschiedenen Bereichen fleissig geforscht und getestet. So sind etwa Reissorten, die nicht im stehenden Wasser kultiviert werden müssen, ein grosses Thema. Oder auch Bäume, die der Überhitzung in den Städten standhalten und so das urbane Klima bei hochsommerlichen Temperaturen etwas erträglicher machen.

Vielen trockenheitsverträglichen Pflanzen sieht man ihre uneingeschränkte Sonnenliebe schon nur aufgrund äusserer Merkmale an: Weisse Härchen auf den Blättern zum Beispiel, bekannt vom Gewürz-Salbei, ledrige, nadelige Blätter wie beim Rosmarin oder die hartlaubigen, mit einer glänzenden Wachsschicht überzogenen Blätter des Gewürz-Lorbeers reduzieren die Wasserverdunstung über die Blätter. Fleischige, verdickte Organe (Blätter, Spross, Stamm) weisen auf ein Wasserspeichervermögen hin, auch Sukkulenz genannt. Viele Kakteen, die in äusserst wasserarmen Gegenden beheimatet sind, sichern sich ihre Existenz durch Sukkulenz. Einer der eindrücklichsten Überlebenskünstler ist der aus dem afrikanischen Kontinent stammende Baobab, auch Affenbrotbaum genannt. Er vermag in seinem monumentalen Stamm Tausende von Litern Wasser zu speichern und dient darum – neben all seinen anderen gesundheitsfördernden Eigenschaften – auch als Flüssigkeitsquelle für Mensch und Tier. In unseren Breitengraden eignen sich folgende Pflanzen für sonnige, trockene Standorte:

Kräuter: Der in der Küche – vermutlich aufgrund seiner bitteren Note – noch eher unbekannte Ysop (Hyssopus officinalis) blüht wunderschön blau und ist eine vorzügliche Bienenweide. Weit verbreitete Kräuter wie Thymian, Oregano, Bohnenkraut und Lavendel brauchen alle ebenfalls nicht viel Wasser und kommen mit einer mageren Erde klar. Diese Kräuter können neben der Küche auch andere Dienste erfüllen, mit Ausnahme des Oregano eignen sie sich ebenso für eine Beeteinfassung, wofür bislang vielerorts oft Buchs verwendet wurde. Da dieser aber zunehmend vom Buchsbaumzünsler aufgefressen wird, sind verholzende Kräuter, die einen Formschnitt vertragen, eine formidable Alternative  – zumal sie durch ihren Duft erst noch Lästlinge, die den Pflanzen im Beet auf den Leib rücken wollen, abschrecken.

Des Klima­wandels wegen werden solche Pflanzen künftig immer wichtiger.

Stauden: Eine der schönsten Stauden, rosa oder weiss blühend, ist die Präriekerze (Gaura lindheimeri in Sorten), wunderbar in der Kombination mit Ziergräsern. Der Lerchensporn (Centranthus ruber in Sorten), ein unverwüstlicher Klassiker mit weissen oder pink Blüten, ist ein dankbarer Begleiter. Eine essbare Staude, die aber auch einen hohen Zierwert aufweist, ist die Artischocke. Werden die Blütenknospen, die meist auf dem Teller landen, stehen gelassen, so winkt als Belohnung eine violette Blüte, die äusserst süss duftet und sehr lange hält. Die fast skulptural wachsende distelartige Pflanze braucht Platz und im Winter etwas Schutz, damit sie mehrjährig bleibt. Etwas weniger bekannt ist das Knollen-Brandkraut (Phlomis tuberosa), dessen Knollen gekocht essbar sind. Die eher ungewöhnliche Blütenform, etagenweise in lilarosa Quirlen, bringt Abwechslung in eine Staudenpflanzung.

Fällt es nach der Blüte nicht der Schere zum Opfer, so kann das Brandkraut als Winterschmuck auftrumpfen. Als Begleitpflanzen eignen sich zwei Wolfsmilchgewächse, die Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites) und die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Aber Achtung: Die Milch im Pflanzeninnern ist phototoxisch, kommt der Saft auf die Haut, dann kann die Kombination mit Licht zu argen Verbrennungen führen. Für eine Blüte im Herbst sorgen die gelb blühende Goldhaar-Aster (Aster linosyris) oder die Fetthenne. Von Letzterer, die einen tollen Winterschmuck abgibt und deren Blätter sukkulent sind, gibt es viele Sorten, eine besonders schöne ist die Sedum Telephium-Hybride «Matrona». Etwas niedriger wachsende Stauden, die den Boden bedecken, sind der Chinesische Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides), der lange blau blüht und im Herbst eine hübsche rötliche Blattfärbung bekommt, sowie die zierliche, weiss blühende und duftende Sand-Nelke (Dianthus arenarius).

Ziergräser: Auch im Gräserreich gibt es Arten, die viel Sonne und wenig Wasser ertragen. Das einheimische Zittergras (Briza media) beglückt zur Blütezeit mit herzförmigen Ährchen, die im Wind hin und her wiegen, eben zittern. Das zarte Federgras (Stipa tenuissima) erinnert an Haare, so fein sind das Laub und der Blütenstand. Beides sind eher niedrig wachsende Gräser und eignen sich als Begleitstauden.

Erstellt: 29.07.2018, 17:30 Uhr

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