Diese Hecken sollte man verbieten

Die formgeschnittenen Kirschlorbeer-Hecken sind nicht nur langweilig, sondern schädlich für die Umwelt. Es gibt viele Alternativen.

Diese formgeschnittene Hecke überzeugt betreffend Sichtschutz, jedoch weniger punkto Biodiversität. Foto: Getty Images

Diese formgeschnittene Hecke überzeugt betreffend Sichtschutz, jedoch weniger punkto Biodiversität. Foto: Getty Images

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Im Siedlungsraum haben Hecken in erster Linie die Funktion eines Sichtschutzes. Sie vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit, der Intimität. Zusätzlich zum physischen Sichtschutz stecken die Hecken auch das Revier ab: Hier ist mein, drüben dein. Werden beim Pflanzen die gesetzlichen Grenzabstände eingehalten, sollte ein friedliches Nebeneinander möglich sein. Doch allzu oft sorgen Hecken für nachbarschaftlichen Zwist, zum Beispiel dann, wenn ein Strauch oder ein Baum etwas gar wachsfreudig ist und über die Grundstücksgrenze ragt. Deshalb sollte, wer eine Hecke zu pflanzen gedenkt, dem abgrenzenden Grün von Anfang an grosszügig Raum zugestehen.

Unerwünschte Pflanzen

Leider bestehen viele der formgeschnittenen Hecken landauf, landab nach wie vor aus den beiden immergrünen Allerweltsgehölzen Thuja oder Kirsch­lorbeer. «Leider» deshalb, weil ­beide zum einen keine einheimischen Pflanzen und zum anderen von vernichtend geringem ökologischem Wert sind. Über den ästhetischen Wert lässt sich zudem streiten.

Warum der Kirschlorbeer hierzulande nach wie vor im Handel erhältlich ist, ist ein Rätsel.

Der Kirschlorbeer ist darüber hinaus gar ein invasiver Neophyt, will heissen: Er verdrängt die einheimische Flora, breitet sich stark und unkontrolliert aus und verhindert jeglichen Unterwuchs. Das ist sehr gut in Waldstücken nahe von Siedlungs­räumen zu beobachten: Der «Gartenflüchtling» ist da oft anzutreffen, aber eigentlich hat er dort nichts zu suchen.

Warum der Kirschlorbeer nach wie vor im Handel erhältlich ist, ist ein Rätsel. Immerhin wird bei den meisten Verkaufsstellen darauf hingewiesen, dass die Fruchtbildung durch regelmässiges Schneiden vermieden werden sollte, denn die Früchte werden von Vögeln und Füchsen gefressen, ausgeschieden – und so verbreitet sich die eigentlich unerwünschte Pflanze.

Einheimische Alternativen

Es gibt durchaus einige Alternativen zu Thuja und Kirschlorbeer. Wenn es ein immergrünes Gewächs sein muss, so ist insbesondere die einheimische Eibe, ein Nadelgehölz, zu empfehlen. Sie ist sehr schnittverträglich, und die Beeren sind eine wichtige Nahrung für Vögel. Ähnlich wie die Thuja hat sie dunkelgrüne Nadeln und einen dichten Wuchs, dementsprechend kann sie – je nach Nähe zu den Fenstern – einen Innenraum eher abdunkeln.

Eine weitere sehr dekorative Variante ist die Stechpalme. Ebenfalls immergrün ist der Efeu, der jedoch eine Kletterhilfe braucht, um mit seinen Haftwurzeln Halt zu finden. Wenn der Efeu nicht ständig geschnitten wird, entwickelt er eine stattliche Dichte und Breite sowie Blüten, die gerne von Bienen besucht werden. Zudem sind die Fruchtstände nicht nur sehr dekorativ, sondern auch eine gute Nahrungsquelle für Vögel.

Wildhecken sind variantenreicher, brauchen aber mehr Platz. Foto: Getty Images

Von Buchsheckenpflanzungen hingegen ist mittlerweile dringend abzuraten. Seit Jahren wird der Buchs vom Buchsbaumzünsler, einem kaum wirkungsvoll und umweltschonend zu bekämpfenden tierischen Schädling, heimgesucht. Die Pflanzen sind innerhalb von kurzer Zeit kahlgefressen und sterben ab.

Variantenreiche Wildhecken

Etwas variantenreicher lassen sich Hecken mit laubabwerfenden einheimischen Sträuchern gestalten. Was Gartenbesitzer vor dem Pflanzen jedoch beachten müssen: Diese brauchen mehr Platz in der Breite, damit eine richtige Wildhecke wachsen kann. Eine ökologisch wertvolle Mischung, beispielsweise aus Liguster, Weissdorn, der roten Heckenkirsche und dem Schwarzdorn, erfreut nicht nur die Fauna, auch für den Menschen sind Wildhecken eine Augenweide dank ihren verschiedenen Blüten und Fruchtständen.

Ist genügend Platz vorhanden, können diese Kleinsträucher mit grösseren Gehölzen, zum Beispiel dem Wolligen Schneeball, dem Schwarzen Holunder, der Hundsrose oder dem Kreuzdorn, ergänzt werden. Idealerweise kann sich in Bodennähe ein Krautsaum aus Wildpflanzen entwickeln, dieser ist gegenüber monotonen Rasenstreifen viel sinnvoller. Dank einer solchen Wildhecke können Gartenbesitzer auch relativ kleinräumig inmitten von Siedlungen einen Beitrag an die Biodiversität und somit den eigenen Lebensraum leisten.

«Lebendige» Zäune

Eine sozial interessante Möglichkeit ist eine sogenannte Naschhecke, welche nicht an einer stark befahrenen Strasse liegen sollte. So laden verschiedene Beerensträucher (Johannis, Cassis, Brombeere etc.) und bodennah Walderdbeeren Passanten zum Naschen ein. Aus bestimmten Weidenarten lassen sich zudem «lebendige» Zäune gestalten, junge Ruten wachsen prima an und lassen sich nach Lust und Laune biegen und ineinanderflechten. So entsteht mit den Jahren ein grüner Zaun, und wenn die Weiden blühen dürfen, bevor sie zurückgeschnitten werden, so freut das die Bienen ungemein. Weiden sind aber auch als Totholz wunderbares Material für Zäune.

Erstellt: 29.04.2019, 19:36 Uhr

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