Was Sie zu Hause für die Artenvielfalt tun können

In der Schweiz verschwinden Tiere und Pflanzen. Diese 6 Dinge kann jeder tun: in der Wohnung, im Garten oder auf dem Balkon.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf Chemie verzichten

Gift wegzulassen, ist etwas vom Wirkungsvollsten, was Hobbygärtner für die Artenvielfalt tun können. Denn viele Gifte töten unspezifisch; ausserdem dosieren Hobbygärtner die Produkte oft zu hoch. Die Umstellung braucht am Anfang zwar etwas Nerven. Wer beispielsweise Pestizide weglässt, muss im Frühjahr mit mehr Schädlingen leben. Mit der Zeit stellt sich aber ein natürliches Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen ein.

Wenn es gar nicht anders geht, sollte man zu biologischen Pestiziden greifen oder noch besser: Nützlinge kaufen. Unkraut lässt sich im Zaum halten, wenn man es jung entfernt. Dort, wo Unkraut am meisten stört, nämlich in Ritzen und Fugen, haben Herbizide ohnehin nichts verloren: Auf befestigten Flächen dürfen sie nicht angewendet werden. Eine effektive Methode ist stattdessen ein Gas-Bunsenbrenner. Auch Dünger ist im Hausgarten meist unnötig. Wer unbedingt einen englischen Rasen möchte, für den hat Pro-Natura-Geschäftsführer Andreas Hasler einen effektiven Tipp: Möglichst häufig mähen und das Schnittgut liegen lassen.


Nisthilfen anbringen

Wer genügend Platz hat, der kann ein Vogelhaus oder eine Fledermausbox aufhängen. Ein Plätzchen für ein Wildbienenhaus findet sich auch auf jedem Balkon. Allerdings sollte man zweierlei beachten: Wählen Sie ein Produkt, das verschiedenen Insekten Unterschlupf beitet. Und: Die Tierchen brauchen Futter, sonst ist die Nisthilfe eher kontraproduktiv. Paradoxerweise finden Wildbienen gerade auf dem Land vielerorts kaum mehr Futter, während städtische Landschaften häufig genügend Nahrung bieten.

Gibt es keine naturbelassenen Flächen in unmittelbarer Nähe zur Nisthilfe, tun es zur Not auch ein paar Balkonkistchen mit Wildblumen. Wer ganz mutig ist, kann sich an ein Hornissennest wagen. Die grösste Schweizer Wespenart ist gefährdet. Die Tiere sind, anders als ihr Ruf es besagt, nicht aggressiv, und sie fressen gern ihre jene Wespen, die uns im Spätsommer nerven. Allerdings: Nisthilfen bergen ein gewisses Frustpotenzial. Denn nicht in allen siedeln sich die erhofften Bewohner an. .


Wildblumen pflanzen

Eine sehr effektive Massnahme: Jeder Blumentrog, jeder Quadratmeter mit Wildblumen dient der Artenvielfalt. Gerade in Töpfen sind Wildblumen einfach zu kultivieren. Lassen Sie dabei verblühte Samenstände bis im nächsten Frühling stehen, sie bieten den Vögeln Nahrung. Eine Blumenwiese anzulegen, gibt hingegen erst einmal viel Arbeit und braucht auch etwas Geduld. Denn vor dem Säen muss die alte Bepflanzung weg. Wer einfach eine Samenmischung in den Rasen streut, wird keinen grossen Erfolg haben. Rasen wächst so dicht, dass sich Wildblumen kaum durchsetzen können.

Bis eine Blumenwiese schön aussieht, braucht es mindestens zwei Jahre. Langfristig erspart sie aber Arbeit, sie muss seltener gemäht werden und trotzt auch Trockenheit und Hitze. Was ebenfalls viel bringt: Einheimische Sträucher wie Kornelkirsche und Schwarzdorn pflanzen. Sie bieten über hundert Tierarten Nahrung und Schutz - während etwa die Forsythie keinem einzigen Tier etwas nützt. Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie wirklich Wildsorten wählen und nicht Weiterzüchtungen. Bei Büschen und Hecken gilt: Der Nutzen steigt dabei überproportional zur Zahl der Pflanzen. Das gilt umso mehr, wenn man unterschiedliche Pflanzenarten wählt.


Unterschlupf bauen

Es braucht nicht viel, um für Kleintiere einen Unterschlupf zu bauen. Zweige und Äste etwa kann man, statt sie zu entsorgen, in einer ungenutzten Ecke aufschichten. Solche Haufen müssen nicht riesig sein, um vielen Lebewesen Wohnraum zu bieten. Auch Laubhaufen werden im Winter gern besiedelt.

Ideal ist zudem ein kleiner Haufen aus grossen Feldsteinen an einem gut besonnten Ort im Garten: Er dient Reptilien als Versteck und als Wärme-Tankstelle. Was hübsch aussieht und ebenfalls als Unterschlupf dienen kann: Ein halb eingegrabener Tonkrug. Wer nur schon etwas Unordnung zulässt und nicht jede Ritze verstopft, tut viel für Kleintiere.


Fallen vermeiden

Ebenfalls eine sehr effektive, einfache und oft unterschätzte Massnahme: Entschärfen Sie Fallen wie grosse Glasflächen und Lichtschächte. Fenster sind oft tödlich für Vögel, vor allem dann, wenn sie einen Durchblick durchs Haus bieten. Besonders heikel sind Eckfenster. Abhilfe schaffen Vorhänge oder spezielle Streifenfolien. Auch Kleber mit Raubvogel-Silhouetten können helfen, aber nur, wenn der Abstand zwischen den einzelnen Klebern nicht mehr als 15 bis 20 Zentimeter beträgt.

Lichtschächte können vor allem für Kleintiere wie Molche, Kröten und Frösche tödlich sein: Die Tiere fallen hinein und können über die senkrechten Betonwände nicht mehr herausklettern. Weil sich Amphibien in kleinste Ritzen verkriechen, wenn sie zu vertrocknen drohen, bleibt das oft unbemerkt. Lichtschacht-Gitter sollten deshalb mit einem feinen Drahtnetz gesichert werden. Wo das nicht möglich ist, kann man auch eine Aufstiegshilfe montieren: Ein rauhes, schräg gestelltes Brett erfüllt seinen Zweck bereits.


Vögel füttern

Kann man, muss man aber nicht, denn zu den Futterhäuschen kommen hauptsächlich jene Vogelarten, die wenig gefährdet sind und die normalerweise gut durch den Winter kommen. Für die Artenvielfalt bringt das Füttern daher nicht besonders viel, sagt Pro-Natura-Geschäftsführer Andreas Hasler. Aber es macht schlicht und einfach Spass, die Vögel zu beobachten, und gerade Kindern kann ein Vogelhäuschen im Garten durchaus die Natur näherbringen.


Erstellt: 08.05.2019, 08:27 Uhr

Artikel zum Thema

Der Mensch verdrängt eine Million Tier- und Pflanzenarten

Erstmals seit 14 Jahren legen Experten eine globale Bestandsaufnahme der Artenvielfalt vor. Mehr...

Zürichs Fünf-Punkte-Plan gegen das Artensterben

Der Zustand der Natur in Zürich ist besorgniserregend. Was der Kanton jetzt dagegen unternimmt. Mehr...

Artensterben in der Schweiz: «Das kommt uns teuer zu stehen»

Interview Unsere Lebensqualität hängt von der Natur und ihrer Vielfalt ab. Was wir tun können, um sie zu erhalten, sagt Markus Fischer vom Weltbiodiversitätsrat. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...