Wie Sie Ihre Pflanzen richtig giessen

Wie viel Wasser ist zu viel? Wer diese Regeln beachtet, wird bald einen erspriesslichen Garten haben.

Nicht nach dem Giesskannenprinzip: Richtig giessen will gelernt sein.

Nicht nach dem Giesskannenprinzip: Richtig giessen will gelernt sein.

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Im Garten ist das Giesskannenprinzip, also überall ein paar Tropfen Wasser verteilen, wenig empfehlenswert. Richtig giessen, entweder mit der Giesskanne mit Brause oder mit dem Schlauch mit Giesskopf, heisst: Gezielt einzelne Pflanzen mit Wasser versorgen, welches nicht nur die oberen Millimeter des Bodens benetzt, sondern mindestens 10 Zentimeter ins Erdreich eindringt.

Es gilt: Lieber nur ab und zu tüchtig wässern als oft oberflächlich und flächig. Dies braucht etwas Zeit, aber dafür eben nicht jeden Tag. Von dieser Regel ausgenommen sind frische Saaten, frisch Gepflanztes oder Gewächse mit geringer Wurzeltiefe, etwa Salate, die wollen regelmässige Wassergaben, bis sie eingewachsen sind.

Morgens ist die beste Zeit zum Giessen, da können die Pflanzen tagsüber abtrocknen und sind so weniger anfällig für Pilzkrankheiten, Pilze bevorzugen in der Regel ein feuchtes Milieu. Abends giessen geht auch, ist jedoch etwas schnecken- und pilzfreundlicher. Egal ob morgens oder abends: Die meisten Pflanzen mögen keine Dusche von oben, die Blätter und insbesondere die Blüten sollten möglichst trocken bleiben, also möglichst bodennah im Wurzelbereich giessen.

Dies gilt vor allem für Tomaten, die ja auch oft vor Regen geschützt angebaut werden, da nasse Blätter Schadpilze geradezu einladen. Zu vermeiden ist das Giessen in der Mittagshitze, dieses Wasser kann die Pflanze kaum verwerten, da sie in einer Art Status quo verharrt und so das meiste Wasser ungenutzt in der Luft verdunstet.

Es darf gegeizt werden

Viele Gärtner giessen zu viel beziehungsweise zu häufig. Herrschen nicht gerade eine regenlose Woche lang Temperaturen von über 30° Grad, weist ein humoser Boden in der Regel – abgesehen von den schnell austrocknenden obersten Millimetern – genügend Feuchte auf. Es darf ruhig etwas gegeizt werden mit dem Wasser, so sind die Pflanzen angehalten, ihre Wurzeln ein wenig tiefer in den Boden zu strecken, um zu Wasser zu gelangen. Folglich trocknen sie weniger schnell aus, wenn mal der Regen – oder ferienbedingt das Giessen – ausfällt.

Etwas anders verhält es sich bei sandigen Böden. Sie weisen eine geringe Wasserspeicherkapazität auf und trocknen schneller aus als humose Böden. Am besten wachsen dort trockenheitsverträgliche Pflanzen, zum Beispiel Grasnelke (Armeria maritima), Astlose Graslilie (Anthericum liliago) oder Goldhaaraster (Aster lynosyris). Oder man trägt zur Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit Humus ein. Ansonsten ist halt doch häufigeres Giessen angezeigt.

Es gibt auch Möglichkeiten, den einen oder anderen Giessgang einzusparen. Eine alte Gartenweisheit besagt: «Einmal gehackt ist dreimal gegossen.» Durch oberflächliches Hacken des Bodens werden die Verdunstungskanäle, die sich mit der Zeit im unberührten Boden bilden, zerstört, dadurch kann weniger Wasser aus dem Boden entweichen. Eine effektive Variante, die sowohl der Fitness zuträglich ist als auch Wasser spart.

Regenwasser enthält weniger Kalk als jenes aus der Leitung, was den Pflanzen zugutekommt.

Zudem wird im Biogarten das Thema Mulch grossgeschrieben. Mulchen heisst Folgendes: Rund um die Pflanzen und Saaten, also überall dort, wo noch nichts wächst, wird eine dünne Schicht von organischem Material ausgebracht. Dies kann im Handel erhältliches gehäckseltes Schilf sein, aber frischer oder getrockneter Rasenschnitt tuts auch. Diese Mulchschicht verringert ebenfalls die Wasserverdunstung und schützt nebenher noch die Bodenlebewesen.

Idealerweise ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt der Boden bereits flächig überwachsen, hoffentlich nicht mit ungeliebtem Beikraut, sondern mit dem Gewünschten, dann erübrigt sich das Mulchen. Mit Ausnahme von Moorbeeten mit Rhododendren ist die Verwendung von Rindenmulch eher nicht empfehlenswert. Der Grund: Dieser besteht oft aus Nadelgehölzen, die den Boden längerfristig sauer machen im Sinne einer pH-Wert-Senkung. Ist der Platz und eine Regenrinne vorhanden, ist das Sammeln von Regenwasser eine Möglichkeit, Wasser zu sparen, überdies enthält dieses Wasser weniger Kalk als jenes aus der Leitung, was wiederum den Pflanzen zugutekommt.

Etwas anders verhält es sich bei Pflanzen in Töpfen: Hier ist der Wurzel- und Erdraum beschränkt, und deshalb brauchen diese etwas mehr Wasser als im offenen Boden. Wichtig ist, dass die Wurzeln der Kübelpflanzen nie lange im Wasser stehen, nach dem Giessen oder starken Regengüssen sollten wenn möglich die Unterteller geleert werden. Grundsätzlich gilt: Je grösser das Gefäss, desto weniger droht Austrocknung und desto höher ist die Überlebenschance bei Ferienabwesenheit.

Was tun in den Ferien?

Apropos Ferien: Um diese zu überbrücken, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für ein verlängertes Wochenende reichen Tonkegel, die, zuvor in Wasser eingelegt, in eine PET-Flasche passen. Die Flaschen werden kopfüber in die Töpfe gesteckt und geben so kontinuierlich kleine Wassermengen ab.

Bei längeren Abwesenheiten können Gärtner automatische Bewässerungen installieren. Neben den althergebrachten, die einen Wasserhahn in der Nähe erfordern, gibt es mittlerweile auch solarbetriebene Pumpen, welche ohne Wasserhahn auskommen. Diese zu installieren, erfordert ein gewisses Know-how, eine Beratung in einem Fachgeschäft ist daher von Vorteil.

Aber Achtung: Solche Bewässerungssysteme können störanfällig sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, bittet jemanden, ab und zu die Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Wer der Technik gar nicht vertraut, ist gut beraten, bei Ferienabwesenheit das Giessen der Balkon- oder Terrassenpflanzen in die Hände von Nachbarinnen oder Freunden zu geben.

Erstellt: 24.06.2018, 17:48 Uhr

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