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Flaute wegen CoronaLeere Säle, keine Blockbuster – in vielen Kinos bleibt es dunkel

Wegen steigender Infektionszahlen, des Sommerwetters und der bevorstehenden Ferien sind viele Säle leer. Manche Kinos bleiben daher ganz oder an einzelnen Tagen geschlossen, um Kosten zu sparen.

Ein Mann bringt in einem Kino in Zürich Abstandsmarkierungen an. Die Besucher bleiben vielerorts jedoch aus.
Ein Mann bringt in einem Kino in Zürich Abstandsmarkierungen an. Die Besucher bleiben vielerorts jedoch aus.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Die Corona-Krise und die anlaufende Ferienzeit machen den Schweizer Kinobetreibern einen Strich durch die Rechnung: Viele Kinosäle sind praktisch leer. Der Betreiber Pathé zieht daraus Konsequenzen: Am Donnerstag blieben die Türen des Kinos in Zürich-Dietlikon geschlossen. «Wir haben letzte Woche gesehen, dass die Nachfrage stark zurückgegangen ist, und uns kurzfristig entschlossen, an umsatzschwachen Tagen Personal und Betriebskosten zu sparen», sagt eine Sprecherin des Kinobetreibers.

Am Wochenende öffnet das Kino seine Pforten wieder. Je nach Entwicklung der Nachfrage erwäge Pathé, während der Ferienzeit auch andere Standorte in der Schweiz an umsatzschwachen Wochentagen vorübergehend zu schliessen.

«Ich habe mit Kinobetreibern gesprochen, die haben drei Vorstellungen am Tag und zwei Besucher.»

ProCinema-Generalsekretär René Gerber

Das Beispiel ist kein Einzelfall: Schweizweit sind seit dem Ende des Lockdown nach Angaben des Schweizerischen Verbands für Kino und Filmverleih ProCinema noch 22 Prozent aller Kinos geschlossen. Das betrifft vor allem das Tessin und Teile der französischen Schweiz, während in der Deutschschweiz nur zwölf Prozent noch geschlossen sind, erklärt ProCinema-Generalsekretär René Gerber. «Ich habe mit Kinobetreibern gesprochen, die haben drei Vorstellungen am Tag und zwei Besucher», schildert er die Situation. Indem sie gleich ganz geschlossen halten, wollten viele Kinobetreiber ihre Kosten senken. Denn dann könnten sie weiterhin Kurzarbeitsentschädigung für ihr Personal erhalten.

Fussballspiel statt Kinofilm

Die Kette Kitag, die Standorte in Basel, Bern, Biel, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich betreibt, plant keine ausserordentlichen Schliessungen, erklärt eine Sprecherin. Um während der Sommerflaute Gäste anzulocken, zeigt Kitag nicht nur Kinofilme, sondern auch Sportevents wie ausgewählte Partien der Schweizer Fussballliga oder der Raiffeisen Super League.

Von jenen Kinos, die grundsätzlich geöffnet sind, folgen Gerber zufolge einige dem Beispiel von Pathé und erwägen, tageweise keine Vorstellungen anzubieten und vor allem am Wochenende zu öffnen. Denn während unmittelbar nach dem Lockdown noch viele Menschen in die Kinos geströmt waren, sei die Nachfrage nach den ersten beiden Wochen stark zurückgegangen, sagt Gerber. Grund dafür ist auch das Ausbleiben grosser Blockbuster, die sonst als Zuschauermagneten die Säle füllen. Und auch das hat mit Corona zu tun, wie Gerber erläutert.

Kino-Blockbuster starten wegen Corona später

Denn anders als in der Schweiz seien im Ausland noch viele Kinos geschlossen – etwa in den USA oder Teilen Deutschlands. «Kino ist international. Die grossen Filme werden nur gestartet, wenn die meisten Kinos auch geöffnet sind», sagt der ProCinema-Generalsekretär. Einige wichtige Kassenschlager laufen nicht wie geplant im Juli, sondern erst im August an – wie etwa der Spionagefilm «Tenet» oder der Actionfilm «Mulan» über eine chinesische Kriegerin.

Viele Kinobetreiber erwarten, dass sich die Situation mit der Rückkehr grosser Blockbuster im August entspannt. Davon geht auch Pathé aus. Die Planspiele, einzelne Standorte tageweise zu schliessen, gelten nur für die Ferienzeit, betont die Pathé-Sprecherin.

Darüber hinaus dürften auch die zuletzt wieder gestiegenen Ansteckungszahlen potenzielle Kinogänger abschrecken. Einer repräsentativen Umfrage der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten zufolge seien derzeit 75 Prozent der Leute zurückhaltend, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, sagt Gerber. Das gelte auch für die Kinos.

Corona bringt Kinos in Finanznöte

Die Corona-Krise reisst ein grosses Loch in die Finanzen vieler Kinobetreiber: Im abgelaufenen ersten Halbjahr brach der Umsatz im Jahresvergleich um gut 55 Prozent ein. Das entspricht laut Gerber einem Rückgang von 52 Millionen Franken. Grund dafür war mitunter der komplette Betriebsstillstand während des Lockdown. Doch auch seit der Wiederöffnung läuft das Geschäft nicht gut: In den vergangenen vier Wochen sei der Umsatz im Jahresvergleich um 70 bis 80 Prozent geschrumpft, erläutert Gerber.

Dabei ist die Lage der Kinobranche ohnedies angespannt. Sie kämpft seit langem mit rückläufigen Besucherzahlen. Die knapp 270 Kinos in der Schweiz verkauften im vergangenen Jahr 12,5 Millionen Eintritte. Jeder Einwohner war damit durchschnittlich 1,5-mal im Kino. Das ist deutlich weniger als noch vor rund zwanzig Jahren, wie aus der Schweizer Film- und Kinostatistik hervorgeht. Im Jahr 2000 waren die Einwohner der Schweiz durchschnittlich 2,2-mal pro Jahr im Kino.

Es sei daher nicht ausgeschlossen, dass das eine oder andere Kino wegen der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten gerate, sagt Gerber. Für die Branche sei deshalb ein Gesetz über einen Mieterlass oder eine Reduktion teilweise durch den Vermieter wichtig. «Einige haben Lösungen zur Miete gefunden, aber viele hoffen auf das Gesetz, auch wenn das noch Wochen dauern wird», sagt Gerber.

3 Kommentare
    M.Berjón

    Nichts ersetzt das Kino, vorallem IMAX!

    Super Bild, toller Sound, Popcorn, einfach magisch. Verstehe die Leute nicht die das mit Netflix & Co. vergleichen..