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Zahlen aus 14 StädtenLeichter Rückgang der Sozialhilfefälle in der Schweiz

In den erfassten 14 Städten lebt gut ein Viertel der Bezügerinnen und Bezüger von Sozialhilfe landesweit.

Armut hat viele Gesichter: Eine ältere Frau beim Lesen. (Symbolbild)
Armut hat viele Gesichter: Eine ältere Frau beim Lesen. (Symbolbild)
Foto: Christof Schürpf (Keystone)

Die Zahl der Sozialhilfefälle ist 2019 in 14 Schweizer Städten gegenüber dem Vorjahr leicht um 1,2 Prozent gesunken. Dieser Trend dürfte sich 2020 nicht fortsetzen, weil sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt wegen der Covid-19-Pandemie eintrübt.

Sinkende Sozialhilfequoten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung registrierten im vergangenen Jahr neun der 14 untersuchten Städte, wie die Städteinitiative Sozialpolitik am Dienstag mitteilte. In zwei Städten blieben die Zahlen stabil und in dreien stieg sie. In den erfassten 14 Städten lebt gut ein Viertel der Bezügerinnen und Bezüger von Sozialhilfe landesweit.

Sinkende Fallzahlen hatten vor allem Städte mit einem bisher hohen Sozialhilferisiko. Es sind das etwa Basel, Biel, Lausanne und Winterthur. Dem gegenüber wiesen Städte mit einem geringen Risiko wie Uster oder Schaffhausen Anstiege auf.

Rasche Ablösung aus der Sozialhilfe

Die Sozialhilfe ist als vorübergehende Unterstützung in Notsituationen gedacht. So erhielten rund 13 Prozent aller Fälle eine einmalige Unterstützung. Ein Drittel war weniger als sechs Monate auf die Sozialhilfe angewiesen. Nach 14 Monaten war die Hälfte aller neuen Fälle abgeschlossen. Dabei nahm die durchschnittliche Dauer des Bezugs nicht zu, sie betrug 13,8 Monate.

Dabei unterschieden sich die einzelnen Bezugsgruppen: Alleinerziehende bezogen 20,5 Monate Hilfe, solche ohne Berufsausbildung 17,8 Monate.

Wenn eher eine Flucht als eine Arbeitsmigration als Einwanderungsgrund vorlag, stieg die Bezugsdauer ebenfalls. So waren Menschen aus Afrika und Asien im Schnitt 24,2 respektive 20,2 Monate auf Sozialhilfe angewiesen.

Bei ihnen lagen meist auch keine anderen Ansprüche wie etwa eine IV-Rente vor. So kam zum Ausstieg aus der Sozialhilfe nur der Arbeitsmarkt in Frage, wo aber vielfach Ausbildungs- oder Sprachdefizite den Einstieg behinderten.

Ein Fünftel Langzeitbezüger

Ein gutes Fünftel der Bezügerinnen und Bezüger ist sehr viel länger auf die Hilfe angewiesen als früher. Zwischen 2018 und 2019 stieg der Anteil der seit mehr als drei Jahren Sozialhilfe beziehenden Menschen von 21,8 auf 22,7 Prozent. 2016 waren es noch 19,8 Prozent gewesen.

Diese Fälle erhöhten die durchschnittliche Bezugsdauer. Zu ihnen gehören Kranke, Menschen ohne Berufsbildung, Personen mit Migrationshintergrund aus Asien oder Afrika und Paare oder Singles mit Kinderbetreuungspflichten. Die meisten von ihnen gehörten der Altersgruppe zwischen 46 und 55 Jahren an.

Sozioökonomische Unterschiede

An den aktuellen Kennzahlen für die Sozialhilfe sind die Städte Basel, Bern, Biel, Chur, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Schlieren, Uster, Wädenswil, Winterthur, Zug und Zürich beteiligt. Sie unterscheiden sich wesentlich voneinander und auch die Sozialhilfe entwickelt sich unterschiedlich.

Das Armutsrisiko hängt von der Wirtschaftsstruktur, der Bevölkerungszusammensetzung und der Verfügbarkeit von anderen, der Sozialhilfe vorgelagerten Leistungen (z.B. Wohnhilfe, Familienunterstützung) ab.

Die Städteinitiative Sozialpolitik ist eine Sektion des Schweizerischen Städteverbands und vertritt die sozialpolitischen Interessen von rund 60 Schweizer Städten aus allen Regionen. Sie führt seit 20 Jahren einen Städtevergleich zur Sozialhilfe durch.

SDA

7 Kommentare
    Werner M.

    Eigentlich müsste es jedem langsam dämmern, dass der gegenwärtige Arbeitsmarkt einfach keine Vollbeschäftigung mehr garantieren kann. Das ist ein strukturelles Problem und nur bedingt das Versagen einzelner Individuen. Wie viele Jahre mag es wohl noch dauern, bis darüber einmal breit und lösungsorientiert diskutiert wird?