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Bürgerkrieg in JemenLeise Hoffnung: Saudiarabien bietet umgehende Waffenruhe an

Seit mehr als sechs Jahren tobt im bitterarmen Jemen ein blutiger Bürgerkrieg. Nun legt Riad einen Friedensplan für den Konflikt vor.

Ein Mann schaufelt Gräber in Jemen: Im Krieg auf der Arabischen Halbinsel leidet vor allem die Zivilbevölkerung.
Ein Mann schaufelt Gräber in Jemen: Im Krieg auf der Arabischen Halbinsel leidet vor allem die Zivilbevölkerung.
Foto: Yahya Arhab (Keystone/Archiv)

Saudiarabien hat eine sofortige Waffenruhe als Teil einer neuen Friedensinitiative für das Bürgerkriegsland Jemen vorgeschlagen. Die Waffenruhe könnte in Kraft treten, sobald die jemenitischen Huthi-Rebellen ihr zustimmten, sagte der saudische Aussenminister Faisal bin Farhan al-Saud am Montag in Riad.

Überwacht werden solle sie von den Vereinten Nationen. Ziel der Initiative seien Gespräche über eine umfassende politische Lösung für den Konflikt, erklärte Faisal bin Farhan weiter. «Ich rufe Jemens Regierung und die Huthis auf, die Initiative zu akzeptieren.» Die Huthis reagierten ablehnend. Saudiarabien müsse seine Aggression stoppen sowie die Blockade beenden und Ideen vorbringen, die bereits früher diskutiert worden seien, sagte Rebellen-Sprecher Muhammad Abdul Salam dem Huthi-treuen Sender Masira. Jede Initiative, die die humanitäre Frage unbeachtet lasse, sei nicht ernst gemeint.

In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel tobt seit mehr als sechs Jahren ein Bürgerkrieg. Die Huthis bekämpfen die international anerkannte Regierung des bitterarmen Landes. Die Rebellen kontrollieren grosse Teile des Jemens, darunter die Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien unterstützt die Regierungsanhänger unter anderem mit Luftangriffen. Das sunnitische Königreich sieht in den Huthis einen engen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran.

Auch der Flughafen in der Hauptstadt Sanaa soll Faisal bin Farhan zufolge wieder geöffnet werden. Die Huthis hätten die Chance, das Blutvergiessen im Jemen zu beenden und die humanitäre Lage, unter der die Jemeniten litten, zu verbessern, sagte der Aussenminister.

Die grösste humanitäre Krise

Alle internationalen diplomatischen Bemühungen ist es bislang nicht gelungen, den langjährigen Konflikt zu beenden. Mehrere Gesprächsrunden brachten kaum Erfolge. Vereinbarungen eines Ende 2018 in Stockholm vereinbarten Abkommens wurden nur teilweise umgesetzt.

Bei den saudischen Luftangriffen sind in der Vergangenheit mehrfach viele Zivilisten getötet worden, weswegen international immer wieder scharfe Kritik an dem Militäreinsatz laut wurde. Zugleich gelang es dem Königreich und seinen jemenitischen Verbündeten nicht, die Huthis zurückzudrängen. In den vergangenen Wochen rückten die Rebellen in der ölreichen Provinz Marib weiter vor. Es kam zu heftigen Kämpfen.

Saudiarabiens Aussenminister Faisal bin Farhan al-Saud kündigt in Riad die Friedensinitiative für den Jemen an.
Saudiarabiens Aussenminister Faisal bin Farhan al-Saud kündigt in Riad die Friedensinitiative für den Jemen an.
Foto: Saudi Press Agency/DPA/Keystone (22. März 2021)

Der Bürgerkrieg hat in dem ohnehin armen Land nach UNO-Angaben die grösste humanitäre Krise der Welt ausgelöst. Die Vereinten Nationen befürchten eine grosse Hungersnot, die Hunderttausende Menschen töten könnte. Mehr als 20 Millionen Menschen sind nach Schätzung der UNO auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das sind rund zwei Drittel der Bevölkerung. (Lesen Sie unseren Kommentar: Eine Schande).

Bidens neue Politik

Die Huthis haben in den vergangenen Monaten immer wieder auch Ziele in Saudiarabien angegriffen, zuletzt eine Ölraffinerie in der Hauptstadt Riad. Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden und einer neuen amerikanischen Nahostpolitik stieg ebenfalls der Druck auf das Königshaus in Riad. Biden kündigte an, keine Kampfhandlungen im Jemen mehr zu unterstützen. Er entzog damit dem saudiarabischen Militärbündnis wichtige logistische und Geheimdienst-Hilfe. (Lesen Sie dazu: Unter Trump ein Premium-Partner, unter Biden ein Paria).

Zugleich veröffentlichten die USA einen bisher unter Verschluss gehaltenen Bericht zu dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi. Daraus geht hervor, dass der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman nach Einschätzung der US-Geheimdienste die Operation zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis genehmigt hatte. Das Königshaus wies den Bericht zurück. Der Kronprinz gilt als treibende Kraft der Jemen-Operation.

SDA/fal

1 Kommentar
    Alfred Frei

    Nachdem sie jahrelang der Hauptkriegstreiber waren und mit ihrer Blockade auch Hauptverantwortliche der humanitären Katastrophe im Yemen kommt nun plötzlich eine 'Friedensinitiative', nachdem Trump und seine Unterstützung weg sind. Da versucht wohl eher jemand, zu retten, was noch zu retten ist, bevor ihnen die Felle entgültig wegschwimmen.