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Formel 1: Spannung in der WM?Lewis Hamilton kommt mit einer Schramme davon

Der Brite verliert wegen einer Strafe den Sieg in Russland – und hat Glück, dass er nicht bald ein Rennen aussetzen muss. Sieger Bottas rückt näher.

Gerät er auf dem Weg zum siebten WM-Titel tatsächlich noch in Bedrängnis? Lewis Hamilton darf sich nicht mehr viele Aussetzer leisten, will er den Rekord von Michael Schumacher einstellen.
Gerät er auf dem Weg zum siebten WM-Titel tatsächlich noch in Bedrängnis? Lewis Hamilton darf sich nicht mehr viele Aussetzer leisten, will er den Rekord von Michael Schumacher einstellen.
Foto: Keystone

Lewis Hamilton und die Regeln: Sie haben es nicht so miteinander. In Monza war es die Boxeneinfahrt, die dem Popstar der Formel 1 zum Verhängnis wurde: Sie war gesperrt, der Brite holte trotzdem neue Reifen und wurde mit 10 Sekunden bestraft.

Nun, in Sotschi, wurde ihm die Boxenausfahrt zum Verhängnis. Dort hatte der Brite vor dem Start zum Grand Prix von Russland seinen Mercedes parkiert, um dann mit Vollgas loszurasen. Startübung eben. Nichts Ungewöhnliches. Nur sollte das ein Pilot nicht an einer Stelle tun, die von der Rennkommission nicht dafür vorgesehen ist. Hamilton tat es dennoch. Und weil der Dauerweltmeister das Ganze auch noch wiederholte, wurde er früh in diesem Rennen mit einer zweifachen 5-Sekunden-Strafe belegt, die er bei seinem Reifenwechsel absass.

Hamilton verlor den Sieg an seinen Mercedes-Rivalen Valtteri Bottas und wurde noch hinter Max Verstappen im Red Bull Dritter (hier im Ticker zum Nachlesen). Wofür er die Strafen erhalten hatte, wusste er erst nichter fand es schlicht «lächerlich».

Hamilton: Kein Drama

Hinterher war Hamilton dann ungewohnt wortkarg. Man solle daraus jetzt nicht das grosse Drama machen, fand er, «es macht ja keinen Unterschied mehr, ich nehme die Punkte mit, die ich gekriegt habe». 15 sind das eben nur, während Bottas Russland mit 26 verlässt, weil sich der Finne auch noch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde gesichert hat.

Ein Drama braucht Hamilton daraus tatsächlich nicht zu machen, er führt noch mit 44 Punkten Vorsprung – und kommt auch sonst mit einer Schramme davon. Denn: Der Brite sammelt nicht nur WM-Punkte wie kein anderer im Feld, sondern auch Strafpunkte. Doch nachdem die Kommissare erst zwei zusätzliche Strafpunkte für Hamiltons Starttrainings in Russland vergeben hatten, teilten sie Stunden nach dem Grand Prix mit, den Briten nun doch nicht auf diese Art zu bestrafen. Der Grund: Hamilton habe vom Team die Anweisung bekommen, die Starts so zu üben. Stattdessen wurde Mercedes mit 25’000 Euro gebüsst. Damit hat Hamilton weiter 8 statt 10 Strafpunkte – bei 12 muss er einen Grand Prix aussetzen.

Dennoch könnte es noch einmal spannend werden in einer Saison, die bei sieben ausstehenden Rennen bereits entschieden schien. Hamilton, plötzlich bedrängt, nachdem er lange so ungetrübte Aussichten gehabt hatte auf den wichtigsten Rekord seines Sports? Den siebten WM-Titel will sich der Mercedes-Überfahrer sichern und damit gleichziehen mit Michael Schumacher.

Bottas war erst einmal das Wichtigste, das F-Wort an seine Kritiker zu richten.

Das hätte Hamilton an der Küste des Schwarzen Meers auch gerne in einer anderen Rekordliste getan, doch die Strafen vermiesten ihm den 91. Triumph. Hamilton muss sich mindestens bis zum Rennen auf dem Nürburgring in zwei Wochen gedulden, um bei dieser Fabelmarke auf Augenhöhe mit Schumacher zu kommen. Vielleicht studieren er und seine Ingenieure das Reglement diesmal etwas genauer.

Bottas jedenfalls, Sieger in Russland schon 2017, als er Hamilton beim Start düpiert hatte und von Platz 3 nach ganz vorne geschossen war, hat den Kampf um die WM noch nicht aufgegeben. Doch erst einmal war für den Finnen das Wichtigste, nach der Zieleinfahrt ein Wort loszuwerden, das ihm schon lange auf der Zunge gelegen haben dürfte: das F-Wort – gedacht für seine Kritiker. Später dann, ganz besonnen, sagte der 31-Jährige: «Es gilt jetzt, dieses Momentum zu bewahren und weiter Punkte gegen Lewis zu holen. Ich gebe nicht auf.»

Bottas holt sich den Sieg in Sotschi.
Video: SRF

Das Kunststück, vom dritten Rang nach vorne zu kommen, gelang dem Finnen diesmal zwar nicht, weil Hamilton zu souverän verteidigte. Zum Sieg reichte es dennoch. Auch, weil er Max Verstappen im Red Bull auf der langen Gerade bis zur ersten Kurve hinter sich gelassen hatte. Der Niederländer musste anschliessend den Notausgang nehmen, ein zackiger Rechts-Links-Knick, angezeigt durch Styropor-Tafeln in der Auslaufzone. Er meisterte das Hindernis problemlos. Hinter ihm aber krachte Carlos Sainz im McLaren ebendort in die Streckenbegrenzung, schleuderte zurück auf die Pisteund wurde Lance Stroll im Racing Point von Ferrari-Pilot Charles Leclerc unsanft in die Wand bugsiert. Der Safety-Car kam zum Einsatz.

Räikkönens Rekord

Und Leclerc, danach ohne Aussetzer, vollführte in der Folge fast schon Wundersames am Lenkrad seines Ferrari SF1000. Er steuerte sein rotes Gefährt auf Rang 6. Das sorgt bei der niedergeschlagenen Scuderia in dieser Saison bereits für Glücksgefühle. Wie man mit dem lahmenden Auto auch fahren kann, zeigte derweil Sebastian Vettel. Immer wieder sah er sich im Sandwich zwischen den Piloten von Alfa Romeo im hinteren Mittelfeld. Er kämpfte auch gegen die Fahrer von Haas, einem weiteren Ferrari-Kundenteam. Die Fahrzeuge mit dem schwächsten Antrieb: vereint. Weit hinten. Rang 13 gab es für den vierfachen Weltmeister, noch hinter Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo und Kevin Magnussen im Haas, knapp vor Kimi Räikkönen, Giovinazzis Teamkollege beim Schweizer Alfa-Romeo-Team.

Der Deutsche dürfte ebenso wenig Lust gehabt haben, sein Jubiläum von 250 Starts zu feiern wie Räikkönen seinen 323. Grand Prix. Der 40-jährige Finne schloss damit zu Rekordhalter Rubens Barrichello auf. Doch es jubelten andere, es war am Schwarzen Meer nicht der Tag der drei Weltmeister im Feld der Formel 1.