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Streit um KabarettistinLiteraturfestival lädt Lisa Eckhart erneut ein - die lehnt ab

Eine Lesung der Österreicherin in Hamburg war vergangene Woche abgesagt worden.

Autorin und Kabarettistin Lisa Eckhart.
Autorin und Kabarettistin Lisa Eckhart.
Foto: Keystone

Doppelte Kehrtwende in Hamburg: Nach der Absage an Lisa Eckhart hat das Literaturfestival Harbourfront die österreichische Kabarettistin erneut eingeladen. «Wir würden uns freuen, wenn Frau Eckhart die Einladung annimmt», sagte Festivalleiter Nikolaus Hansen am Montag - ohne Glück: Die Kabarettistin und der Zsolnay-Verlag haben die Einladung abgelehnt.

Bei allem Verständnis für den Vorstoss des Festivals - nun sei es zu spät, sagte Zsolnay-Verlagsleiter Herbert Ohrlinger in Wien. «Aufgabe eines Verlags ist auch, seine Autoren und Autorinnen zu schützen.» Das Hin und Her der vergangenen Wochen sei an der 27-Jährigen nicht spurlos vorbeigegangen. «Sie steht unter enormem Druck», so Ohrlinger.

Der Vorgang ist in Summe zumindest ein wenig grotesk. Eckhart war eine der geladenen Teilnehmerinnen im Wettbewerb um den Klaus-Michael Kühne-Preis. Am 14. September hätte sie mit anderen im Nochtspeicher aus ihrem Debütroman «Omama» lesen sollen. Dann war ihr ihr Auftritt von Seiten der Veranstalter abgesagt worden. Der «Spiegel» zitierte aus internen Mails, in denen von Sicherheitsbedenken die Rede ist. «Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird», hiess es darin unter anderem.

Offenbar hatte man wohl Sorge, linke Aktivisten könnten den Auftritt stören oder sogar sprengen. Wie konkret mögliche Drohungen in diese Richtung waren, blieb allerdings unklar. Kritiker werfen Eckhart vor, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen.

Die Präsidentin des Autorenverbands PEN, Regula Venske, hatte die Ausladung der Kabarettistin am Montag schliesslich kritisiert. «Wie viele andere (...) bin ich ob der Ausladung Lisa Eckharts bestürzt. Das kann und darf nicht die Ultima Ratio in dieser Angelegenheit sein!», heisst es in einem offenen Brief an die Festivalleitung sowie an den Nochtspeicher. «Ob die Gewalt von rechten oder linken Extremisten, von religiösen Eiferern oder Psychopathen angedroht wird: Wir dürfen uns ihr nicht in vorauseilendem Gehorsam beugen», schreibt Venske weiter.

An Künstlerinnen und Künstler gerichtet, die sich angeblich geweigert hatten, mit Eckhart aufzutreten, meinte Venske: «Wer mit einem Kollegen, einer Kollegin nicht auftreten will, muss selbst zu Hause bleiben und kann nicht dem Veranstalter vorschreiben, mit wem er oder sie zu lesen bereit ist oder wer weiter im Rennen bleiben darf.» Gerade am Umgang mit «trivialeren» Kunsterzeugnissen zeige sich, wie es um Demokratie und Meinungsfreiheit steht. (red)

3 Kommentare
    Stefan Bachmann

    Ich mag Lisa Eckhardts Art nicht und muss bei ihren Witzen nicht lachen - aber ihre Antworten im Interview von A. Tobler sind für eine 27-Jährige unfassbar intelligent.