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Leserbriefe «Das Magazin»Lob, Kritik, Denkanstösse

Hier finden Sie die aktuellen Leserzuschriften zu den Artikeln und Kolumnen in «Das Magazin». Zuschriften bitte an leserbriefe@dasmagazin.ch. Die Leserbriefe müssen mit vollständigem Namen und Adresse versehen sein. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften zu kürzen. Über die getroffene Auswahl der Veröffentlichungen können wir keine Korrespondenz führen. Danke für Ihr Verständnis.

N° 43 – 24. Oktober 2020

Die Klimaschande von Visp

von Christoph Lenz |

Bananenrepublik … Lonza und der Bund hielten das Lachgasproblem unter Verschluss. Ich staune stets von Neuem wie viele solcher Verstösse/Ungereimtheiten in kurzer Zeit aufgedeckt werden (Postautoskandal, Tierskandal in Hefenhausen, 20 Ärzte arbeiten weiter, obwohl sie Berufsverbot haben, Schweizer Bauern verwenden mehr giftige Pestizide als der Rest in Europa und und und. Die Liste liesse sich beliebig verlängern.

Leider läuft viel falsch in diesem schönen Land, vieles von unserem guten Image ist Fassade. Vieles im Bereich Umwelt, Gerechtigkeit und Menschenwürde wird dem Mammon geopfert, meist zugunsten von einigen wenigen. Zum Glück haben wir (noch) starke und unabhängige Medien (Lügenpresse ?). Vielleicht braucht es eine Konzernverantwortungsinitiative nicht nur fürs Ausland.Stefan Wälti, 8806 Bäch

Lonza, Beispiel für Konzernverantwortung?

Der Artikel von Christoph Lenz zeigt beispielhaft auf, wie Konzerne ticken. Hier Lonza, die in der Fabrik D29 in Visp den Nahrungsmittelzusatz Niacin produziert. Dabei entsteht als Abfallprodukt Lachgas mit einem Treibhauseffekt von 600'000 Tonnen CO₂ und Jahr, damit die klimaschädlichste Fabrik der Schweiz. Lonza, als 6-Milliarden-Konzern, will den Katalysator, der den Ausstoss um 98 % verringern würde und 12 Millionen kostet, der Allgemeinheit aufbürden. Auch die Emissionszertifikate will sie nicht zahlen, weil Lachgas in der Luftreinhalte-Verordnung noch nicht enthalten ist. Wo keine gesetzliche Verpflichtung ist, ist der Schutz der Umwelt nicht einzuhalten. Einer der Gründe, warum wir am 29. Nov. über die Konzernverantwortungsinitiative abstimmen.

Lesen Sie den Artikel im TAM, und stimmen Sie am 29. Nov. Ja zur KVI.

Klaus Güntensperger, 8047 Zürich

Was in den USA auf dem Spiel steht

von Philipp Loser | Link zum Artikel

Guten Tag, Herr Loser

Ich habe Sie gerade am Anfang Ihrer «Magazin»-Karriere für ein verspätetes Nachtreten in Sachen «Bankenbashing» kritisiert. Im Allgemeinen sind mir Ihre Artikel etwas zu linkslastig.

Ihren Artikel zu den US-Präsidentschaftswahlen kann ich aber nur loben. BRAVO! Diese Wahl ist nicht nur für Amerika, sondern für die ganze Welt von grosser Bedeutung. WERTE sind jetzt gefragt, und der absolut unfähige Präsident muss zwingend ersetzt werden.

Dass dieser Egomane immer noch viele Unterstützer hat, liegt auch im Bildungswesen der USA.

Freundliche Grüsse

Marco Bernardis, 3084 Wabern

Waidmanns Unheil

von Linus Reichlin |


Ganz herzlichen Dank für Reichlins «Waidmanns Unheil»! Lehrreich, spannend, viel zum Grinsen. Wir sind gern Besucher von Linus’ Kirrung!

Jaap Achterberg

Linus Reichlin hat nicht die geringste Ahnung über die Zusammenhänge in der Natur! Erschreckend, dass Sie so einen Artikel überhaupt publizieren! Mindestens Sie müssten es doch besser wissen, oder?

Das Erste, das ich lernte, als ich begann, Stunden und Tage im Wald herumzustreifen, war, dass er für die Tiere ein fast leerer Teller ist.

Wildtiere sind in guten Zeiten ein wenig und in schlechten sehr hungrig, einen Überfluss an Nahrung erleben sie fast nie.

Und so geht es weiter. Von oben bis unten nur haarsträubende Aussagen.

Freundliche GrüsseLukas Marti, 7206 Igis

N° 42 – 17. Oktober 2020

Recht und Rechtsüberholen

von Viviane Ehrensberger | Link zum Artikel

3-mal Hoch für den Artikel «Rechtsüberholen». Ich bin gegen Rechtsüberholen,

Aber 100-mal mehr gegen phallokratische, sterile und arrogante Juristen und Beamte, die man regelmässig auf die Strasse stellen sollte.

Gratuliere

Kaj Klaue

Guten Tag, Viviane und Xenia, ich bin dem «Magazin» dankbar, dass es diesen Artikel gedruckt hat, und gratulieren Ihnen beiden zum Mut.

Xenia ist stark und beeindruckt mich sehr, ich wünsche ihr diese Kraft, die sie schon in diesem ewigen Juristenschlamassel hatte und den Mut nicht verloren hat. Euch beiden alles Gute und weiter so, wir brauchen starke Frauen wie Ihr das seid.

Beste GrüsseNic Egger

Sehr interessanter, fesselnder Beitrag. Die Beamtenwillkür ist schwer zu ertragen. Zum Glück hat's Xenia geschafft!Thomas Gisiger

Sehr geehrte Viviane Ehrensberger

Ganz herzlichen Dank für Ihren Artikel im «Magazin». Mit grossem Interesse habe ich die Geschichte Ihrer Freundin Xenia gelesen. Es hat mich berührt, wie klug, sachlich und einfühlsam Sie diesen herausfordernden Abschnitt im Leben von Xenia beschrieben haben, und ich habe grosse Achtung vor Xenia und freue mich über ihre Kraft und ihren Willen, diese ungeheuerliche Situation gut zu überstehen.

Der Redaktion des» Magazins» danke ich für diese Geschichte.

Freundliche GrüsseMaria Schmucki

Guten Tag, Frau Ehrensberger

Kompliment! Was für eine spannende, faszinierende, traurige Geschichte im «Magazin» ! Klasse geschrieben!

Hab soeben diese Reportage verschlungen. Solche Beiträge aus der Rubrik «aus dem Leben» sind fantastisch und geben mir und wohl vielen Lesern Einblick in die vielfältige, auch absurde Welt.

Während dem Lesen habe ich mehrmals gedacht: «Sag es doch» - «Ja, das war ein Fehler, ich habe rechts überholt und bin zu nahe aufgefahren. Es tut mir leid und wird nicht mehr vorkommen.» Das hätte ihr sicher x-tausend Franken und Nerven gespart. Als Leser fühlt man dennoch mit und ärgert sich über die Justiz.

Bitte mehr von diesen Geschichten!

Beste Grüsse und ein schönes Wochenende

Manuel Fischer

Editorial / Liberale Eliten

Es brauchte bei mir Überwindung, meine Meinung zu diesem Thema an Sie zu richten. Erst nach der Lektüre von Michael Sandels Interview wurde mir klar, ich muss das tun. Obwohl ich weiss, Finn Canonica wird es wohl nicht zu Gesicht bekommen. Die liberalen Eliten massen sich, wie Sandel schreibt, einiges an. Dabei geht vergessen, eine bessere oder höhere Bildung in den erwähnten Sparten schafft nicht automatisch bessere Menschen. Alle Charaktereigenschaften des Homo sapiens blieben nach dem Studium erhalten.

An dem Beispiel der „Xenia“ ( Link zum Artikel ) wird es besonders deutlich. Unter dem Titel „Verkehrssicherheit“ hat sich etwas Beispielloses entwickelt. Polizei, Untersuchungsbehörden, Staatsanwälte, Richter, Vollzugsbehörden usw. treiben hier ein unbegreifliches Spiel. Hier kann in den erwähnten Sparten jeder sein Unwesen treiben. Wie kann man sich diese Anhäufung von Geldstrafen, Bussen, Entscheidegebühr bis hin zu den Anwaltskosten anders erklären? Wohl nur dadurch, dass hier, natürlich streng nach Gesetz, gewisse Charaktereigenschaften zum Vorschein kommen und ausgelebt werden können. Nur komisch, in meinem Privatleben ist mir so ein Individiuum noch nicht begegnet.
Ein Versuch: Die Menge an «studiertem Humankapital», das in der Privatwirtschaft nicht gebraucht werden kann, muss irgendwie «verwendet» werden. Der Staat ist die geeignete Institution dafür. Da können ja schon Politiker ihr Ego voll zur Geltung bringen. Also tun es die oben erwähnten in gleichem Masse auch, ungestraft! Zum Vergleich: Das Vergehen der Xenia und das Verschleudern von Volksvermögen von Politikern und Staatsbetrieben. Wo ist da der Staatsanwalt? Unterschwellige Wut, Verachtung, bis hin zu den Verschwörungen in den sozialen Medien, das hat alles, in letzter Zeit vermehrt, mit dem Treiben der «Eliten» zu tun.

Herr Canonica, packen Sie es an, es wird Zeit!
Mit freundlichen Grüssen

Erich Armoneit

Warum sind diese Männer so attraktiv?

Ich habe soeben den Artikel «Warum sind diese Männer so attraktiv?» gelesen – nachdem ich das vorherige Interview mit Michael Sandel gelesen hatte. Das Männerbild, das Sarah Pines in ihrem Artikel entwirft, kann nur jemand geschrieben haben, der erstens in Amerika lebt und zweitens in ebenjener Elite- und Akademikerblase lebt, die Sandel in seinem Interview beschreibt. Jedenfalls hat dieses Männerbild sicher nichts mit der realen Welt hier in der Schweiz zu tun. Dafür ist es wohltuend, dass Sandel, obwohl Amerikaner und in Harvard lehrend, offenbar über den – amerikanischen – Tellerrand hinaussehen kann und für uns alle interessierten Menschen Gedanken und Anregungen äussert.

Mit freundlichen Grüssen

Heiner Staub, 3758 Latterbach

Gewissensprüfung

von Philipp Loser | Link zum Artikel

Philipp Loser schreibt: «Es geht um die Rolle der Schweiz in der Welt und darum, wie man den Kollateralschaden des eigenen Wohlstands reparieren kann (niemand wird einfach so reich).»

Nun, im Allgemeinen wird man reich, wenn man Dinge anbieten kann, die für andere wichtig oder wertvoll sind. So hat etwa eine Zahnärztin eher Chancen, reich zu werden, als ein erfolgloser Schriftsteller. Allerdings, wenn der Schriftsteller einige Bestseller schreibt, kann er ebenfalls reich werden. Dies hat er allerdings nicht nur sich selbst zu verdanken, sondern auch günstigen Umständen. Daraus ergeben sich die Möglichkeit und eventuell sogar eine moralische Verpflichtung, weniger Glücklichen zu helfen.

Ähnlich ist es mit der «Rolle der Schweiz in der Welt». Auch sie hatte Glück und ist daher auch zu Hilfe verpflichtet (und nicht nur weil sie Kollateralschäden verursachte). Sie ist nicht «einfach so reich» geworden, aber im Wesentlichen (also abgesehen von Ausnahmen) auch nicht durch Verursachen von Kollateralschäden. Diese Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil die Zukunftsprobleme der Menschheit nur gemeinsam gelöst werden können. Aus der Annahme, dass die Schweiz zu einem überwiegenden Teil für selbige Probleme verantwortlich ist, wird ihr eine einseitige Verantwortung übertragen, die nicht einlösbar ist. Notwendig ist, dass Lösungen gefunden werden, die auch realisierbar sind, und das ist nur möglich, wenn die Verantwortung ausreichend breit geteilt wird. Dabei ist die Schweiz durchaus gefordert, andere Länder – falls nötig – dabei zu unterstützen, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, dass die lokalen Eliten nicht mit dem Hinweis auf historische Schuld europäischer Länder von ihrer Verantwortung entbunden werden.

Mit freundlichen Grüssen Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach

Wie die globale Akademikerklasse die Arbeitenden verraten hat

von Jan Christoph Wiechmann | Link zum Artikel


Der Harvard Philosoph Michael Sander hat ja so recht. Er ist mir total sympathisch.
Wie lange schon finde ich, dass Verkäuferinnen/ Pflegerinnen oder Chauffeure die politischen Sitzungen mit gestalten müssten!!!
Die Eltern , ehemalige Arbeiter, die ihre Kinder in die Gymnasien und Universitäten geschickt haben, haben das aus rein finanziellen Überlegungen gemacht. Früher aber gab es eine Arbeiterpartei, und vielmals waren die Eltern politisch tätig. Nun sind es ihre Nachkommen, aber alle studiert!!

Effektiv wird ein Verkäufer von McDonald’s, eine Coiffeuse oder Pflegeassistentin als nicht sehr intelligent und gebildet eingegliedert. Aber ein Werbemanager, Bankdirektor oder Arzt wird gesellschaftlich viel mehr akzeptiert, und man hört ihnen ausserdem sehr fest zu.


Ich höre öfters das Tessiner Radio, das immer über gewisse Themen moderiert mit relativen Professoren.
Es werden dabei Argumente diskutiert, die jeder sogenannte nicht Gebildete begreift und zu denen er eine intelligente Meinung hätte. Aber diese nicht Studierten werden nie eingeladen.
Irgendwo gibt es drei Typen von Menschen: die, die einfach bestimmen, weil gebildet; die, die einfach nichts zu sagen haben, und die, die man gar nicht erst konsideriert.
Unsere moderne Zeit lässt Menschen ohne Bildung keine Chance. Wichtig ist nicht, empathisch zu sein, sondern viel Geld zu verdienen und womöglich einen Professorentitel zu besitzen.
Trauriges Jahrhundert!
FG
Susanns Geser, 2504 Biel

Das sind ganz hervorragende Antworten von Professor Sandel. Das ist genau der springende Punkt, und darin krankt die (akademisierte) Linke: die Überhebung über die Arbeiterschaft und die einfachen Angestellten; diese fühlen sich dann herabgesetzt in ihrem Selbstverständnis.

André Gerber

Im heutigen «Magazin» im durchaus lesenswerten Interview mit dem Harvard-Professor Michael Sanders beklagen Sie die hohe Akademikerdichte, die heute in den Parlamenten vorherrscht, und bemühen für diese These ausgerechnet den Deutschen Bundestag!

Im Jahre 1949 habe dort der Akademikeranteil 45 % betragen und liege heute bereits bei mehr als 80 %. Bei diesem Vergleich bleibt der Umstand völlig unberücksichtigt, dass der Anteil ehemaliger NSDAP-Mitglieder sich im Deutschen Bundestag 1949 um die 70 % bewegt haben dürfte und heute 0 % beträgt.
Da nehme ich für meinen Teil den leicht gestiegenen Anteil Akademiker gerne in Kauf!

Mit freundlichen Grüssen

Stanislav Koutek, 5430 Wettingen

Mit grossem Interesse habe ich das Interview von Jan Christoph Wiechmann mit Michael J. Sandel gelesen.

Ich bin ein grosser Fan vom «Magazin», Sie haben wirklich grossartige Journalisten. Besonders toll finde ich, dass sie vielfältige Themen aufgreifen und somit die ganze Schweizer Bevölkerung ansprechen. Mir ist bewusst, dass wahrscheinlich trotzdem eher die gut Gebildeten das «Magazin» lesen, weswegen es wohl gerechtfertigt ist, die Leser mit «Wir liberalen Eliten….» anzusprechen, wie im «Magazin» von letztem Samstag.

Ich gehöre nicht zur Elite und kann mich trotzdem fast immer sehr gut mit den beschriebenen Themen identifizieren. Das wurde mir besonders bewusst, als ich das eher neue Wochenend-Magazin der NZZ gelesen habe, fast jeder Artikel sprach nur sehr gut Verdienende und deren Sorgen an. Ich fühlte mich wider Willen ausgeschlossen und wurde ob der zum Teil arroganten Aussagen wütend.

Also, weiter so, aber ich mache mir auch keine Sorgen, dass Sie sich der NZZ annähern oder so und freue mich schon auf diesen Samstag.

Ich bedanke mich schon im Voraus für Ihre Antwort und grüsse Sie freundlich

Fabienne Albrecht

Ich war noch niemals in … Ebertswil ZH

von Max Küng | Link zum Artikel

Lieber Herr Max Küng

Besten Dank für Ihren interessanten Artikel über die Kappeler Kriege und den Milchsuppenstein. Dieser steht übrigens nicht auf Ebertswiler Boden, sondern genau auf der Kantonsgrenze von Zürich und Zug. Von den verschiedenen Verbrechen der letzten Jahre in diesem Gebiet habe ich noch nie etwas gehört oder gelesen – auch im «Tagi» nicht.

Und noch etwas: Das „Chäsmues“ heisst bei uns „Chässuppe“ und entspricht dem Rezept der „Schwyzer Chässuppe“. Dieses Gericht geniessen wir nach alter Tradition immer am Aschenmittwoch zusammen mit einem Glas Most oder trockenem Weisswein.

Mit einem „Guete“ beim Geniessen der Zuger Chässuppe – kann auch in Zürich sein – und freundlichen Grüssen aus dem Zugerland.

Herbert F. Scheurer, 6340 Baar

Lieber Herr Küng

Das Erste,, was ich im Tagimagi lese, ist Ihre Kolumne. Es ist fast immer amüsant, und ich mag Ihren Humor. Bin auch aus dem Baselland.
Meine Frage zur Kappeler Milchsuppe: Was haben die Leute mit den vielen Eiweissen gemacht?

Landschäftlichi Griessli
Christa Schwyzer

N° 41 – 10. Oktober 2020

Strom von den Sternen

von Ben Moore

Astrophysiker Ben Moore berichtet von der Möglichkeit eines technischen Durchbruchs: Ab 2035 könnte «eine Methode zur billigen, sauberen und praktisch unbegrenzten Energiegewinnung – die Kernfusion» verfügbar sein. Diese positive Aussicht darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass technische Erfolge bei weitem nicht ausreichen, die grossen Menschheitsprobleme zu lösen.

Im 2016 bei BoD (Book on Demand) erschienenen Buch mit dem Titel «Die Technik reicht nicht.» versuche ich folgendermassen zu erklären, warum das so ist: «Mal angenommen, die Erde wäre zehnmal kleiner, wäre dann die Menschheit längst untergegangen? Oder umgekehrt, wäre ihr eine gute Zukunft gesichert, wenn unser Planet zehnmal grösser, zehnmal reicher wäre? Geht man diesen Fragen nach, wird man finden, dass Grösse und Reichtum der Erde nicht entscheidend sind für die Überlebensfähigkeit der Menschheit. Daraus ergibt sich aber auch, dass der technische Fortschritt nicht reicht, diese Überlebensfähigkeit zu sichern. Denn die übliche Leistung der Technik besteht darin, immer mehr Nötiges und Unnötiges verfügbar zu machen und dadurch gleichsam die Erde grösser zu machen, was – wie gesagt – nicht entscheidend ist. Vermutlich wäre eine kleinere, übersichtlichere Erde sogar günstiger für die Überlebensfähigkeit der Menschheit.

Was für den technischen Fortschritt gilt, gilt leider auch für die sich dank dem technischen Fortschritt ergebenden Möglichkeiten wie Entwicklungshilfe, soziale Netze, Reagieren auf die Klimaerwärmung, etc. Auch diese Dinge können die Erde zwar gleichsam grösser machen, aber das reicht nicht, der Menschheit ein langfristiges, gutes Fortbestehen zu sichern. Die Technik kann allerdings Zeit gewinnen, um zusätzliche Kreativitätspotenziale zu nutzen für die wichtigste Aufgabe der Menschheit, nämlich sich selbst Grenzen zu setzen.»

Eines dieser Kreativitätspotenziale könnte darin bestehen, die griechisch/römische Götterwelt als Diskussionsforum für die Behandlung der ungelösten Menschheitsprobleme zu nutzen. Vielleicht liegt es ja an der technischen Inkompetenz der im Buch auftretenden Götter, dass sie nicht die Kernfusion als Lösung vorschlagen. Trotzdem kann sich ein technischer Vorschlag durchsetzen: «Für einfache Probleme genügt normaler Verstand. Für Schwierigeres braucht man <Werkzeug>. Schliesslich, für besonders komplexe Aufgaben, braucht man eine <Technologie>.» Die Götter beginnen also am Ende der Diskussion, eine solche Technologie zu skizzieren. Sie soll nach folgendem Leitmotiv strukturiert werden: «Die Menschheit muss sich der Realität anpassen, um zu überleben» Für das Klarkommen mit jedem der fünf Schlüsselworte im Motiv (Menschheit, müssen, Realität, anpassen, überleben) wird jeweils eine Methode vorgeschlagen, als Grundausstattung der neuen Technologie. Für den Erfolg einer Technologie spricht übrigens zusätzlich, dass sie vorurteilslos und emotionslos ist, dass es kaum Personenkult gibt, dass sie eine Struktur hat und dass es Erfahrungen mit dem erfolgreichen Umgang mit Technologie gibt.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach

Sehr geehrter Herr Moore

Ihr oben erwähnter Artikel im «Magazin» vom 10. Oktober hat mich irritiert. Weshalb erklären Sie den Lesern nicht, dass wir die ganze Energie von unserem Stern gratis beziehen könnten, wenn wir nur mal endlich diese Milliarden Forschungsgelder in die Forschung und Weiterentwicklung der Solarenergie investieren würden? Finden Sie wirklich die Entwicklung eines sinnlosen Monsters von Fusionsreaktor gut?

Ich bin immer sehr gespannt auf Ihre höchst interessanten Artikel im «Magazin», welche ich immer zuerst lese. Auch Ihr Buch «Elefanten im All» hat mich begeistert, danke.

Freundliche Grüsse

Heinz Müller, 7523 Madulain

Aufgeflogen

von Denise Hruby | Link zum Artikel

Besten Dank für diesen ausgezeichneten Artikel. Es ist einfach unglaublich, was für ein abartiges Wesen der Mensch ist. Und ich vermute schon lange, dass Behörden in vielen Fällen so gut wie gar nichts taugen. Gerne hätte ich jedoch erfahren, was mit den wahren Leidtragenden dieses Verbrechens geschieht: Werden die Tiere wieder dort ausgewildert, wo sie gefangen und entführt wurden? Oder fristen sie weiterhin ein Leben im Käfig, halt statt bei Zahnärzten bei Behörden oder in Zoos?

Ich hoffe sehr, dass sich ein/e Dokumentarfilmer/in der Geschichte annimmt und zur weiteren Verbreitung beiträgt, um den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen. Gerade Organisationen wie die Stiftung für das Tier im Recht schmückt sich ja gerne damit, das Tierrecht verschärfen zu wollen, aber wenn man dann sieht, mit was für Strafen solche Täter davonkommen, sind sich wohl auch diese nur Selbstzweck.

Wer weiss, vielleicht löst sich das Problem "Tierschutz" auch von alleine, und irgendeine Pandemie tilgt den Menschen endgültig vom Angesicht der Erde.

Freundliche Grüsse
Charlotte Felder

Ich war noch niemals inRaron VS

von Max Küng | Link zum Artikel

Guten Tag, Herr Küng

Hoffentlich wird an Ihrem Grab einmal ein Ihnen nicht genehmer Politiker stehen und Sie werden dann das Kunststück vollbringen müssen, sich im engen Sarg drehen zu müssen.

Aber nun zu den Tatsachen, die Ihnen über Kohls Besuch zum Grab Rilkes nicht bekannt sind.

Der Kanzler schnaufte nicht den Berg zu Rilke hinauf. Er wurde im Pinzgauer hinaufchauffiert. Beim Aussteigen aus dem Pinzgauer, das Gras war leicht mit Schnee bedeckt, legte sich der Kanzler vornüber im Zeitlupentempo hin. Und das vor der Fanfare aus St German. Die Musikerinnen und Musiker hatten sich winden müssen, um nicht loszuprusten. Die Kanzlergattin trug man aus dem Pinzgauer, um ihr mit ihren Sommerschuhen das Schicksal des werten Gatten zu ersparen.

Auf dem Friedhof war noch ein anderer Prominenter, aber das können Sie ja nicht wissen. Peter von Roten, der das Begräbnis Rilkes als Kind erlebte, wollte sich das Schauspiel nicht entgehen lassen.


Freundlicher Gruss
Jan Kansy, Zeuge von Kohls Fall
8032 Zürich

N° 40 – 3. Oktober 2020

Diktatur des Kompromisses

von Philipp Loser | Link zum Artikel

Lieber Philipp Loser

Diktatoren verschiedenster Couleur sind neuerdings wieder in aller Munde. Zu Unrecht vergessen werden dabei «Klimadiktatoren», welche schon seit mehr als 13 Milliarden Jahre existieren. Es sind dies Naturgesetze, welche die Entwicklung des Universums und damit auch unseres Planeten beschreiben. Völker und viele begabte Menschen, welche diese Gesetze ausnutzten (lange Zeit nur so ungefähr der Spur nach, seit ca. 400 Jahren hat man zunehmend gelernt, sie exakt anzuwenden), haben unsere Zivilisation mit all ihren Annehmlichkeiten aufgebaut.

Die zukünftige Entwicklung der Erde bis ins Jahr 2100 wurde in vielen verschiedenen Szenarien ziemlich genau berechnet. Sie hängt zum ersten Mal in der Geschichte stark von den Einflüssen durch die Menschheit ab, z.B. ihrer globalen jährlichen Emission von CO2 in die Atmosphäre.

Wir können das Klima steuern, aber die Naturgesetze diktieren uns quantitativ die notwendigen Massnahmen und ihren zeitlichen Ablauf. Ihre Aussage ist eindeutig: Am besten lassen wir den Kohlenstoff (Kohle, Erdöl, Erdgas) im Erdboden, wo er seit ca. 300 Millionen Jahre ruht, und realisieren das, je schneller desto besser.

Die Jugendlichen als Meistbetroffene haben all dies seit Längerem gemerkt und sind zu Recht (natürlich nicht im gesetzlichen Sinn) ungeduldig über zu wenige und zu kleine Schritte der Politik in die notwendige Richtung. Dazu kommt, dass die Hälfte der Stimmberechtigten über 53-jährig ist und die langfristigen Konsequenzen ihrer abgegebenen Stimme nicht selber tragen muss.

Leidtragend sind aber die nachfolgenden Generationen, die mit zunehmend schlechten Umweltbedingungen, sinkendem sozialem Zusammenhalt und chaotischen Verhältnissen fertig werden müssen. Die Geschichte lehrt uns, dass dann auch in Demokratien jeweils der Ruf nach einer Diktatur besonders laut wird …Geben wir auch den späteren Generationen eine Chance auf eine langfristig nachhaltige Zukunft - und zwar jetzt!

Hansjörg Keller, 3125 Toffen

Wie nur kommt Herr Loser darauf, dass das von den Klimaaktivisten geforderte «neue Verständnis von Demokratie» mit wenig Fantasie als Absage an unsere direkte Demokratie verstanden werden muss? Hat er die Corona-Monate verschlafen? Sie haben uns vor Augen geführt, dass es in der Schweiz durchaus Situationen gibt, in denen die Problemlösung nicht auf demokratische Entscheidungsprozesse warten kann. Die Frage ist: Wird das Klima darauf warten?

Bei ihren Forderungen stützt sich die Klimabewegung auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Szenarien von Fachleuten. Und sie berufen sich auf die offensichtliche Tatsache, dass mit der Schweiz noch viele andere Länder ihre Klimaziele niemals erreichen werden. Ihre daraus abgeleiteten Forderungen vertreten sie mit viel Herz. Ist das verwerflich?

Und: die Schweiz hat nicht nur eine Diktatur des Kompromisses, sie hat auch eine Diktatur der Wiederwahl. Wie viele Kompromisse schliessen Politiker*innen mit ihren Überzeugungen, ihrem Gewissen und ihrem Herzen, um wiedergewählt zu werden? Und die Diktatur des Geldes? Keine Ahnung! Die notwendigen Angaben liegen im Stockfinsteren.

Marc Dinichert-Staub (seit über 10 Jahren pensioniert), 3250 Lyss

Guten Tag, Herr Loser

Ich schätze Ihre Kolumnen, die ich immer interessant und meistens auf den Punkt finde .

Zu ihrer Kolumne vom 3.10. habe ich aber einige Vorbehalte. Sie tun m. E. der streikenden Klimajugend unrecht, wenn Sie ihr unterstellen, sie wolle die direkte Demokratie abschaffen. Sie schliessen das aus den im Text zitierten Aussagen der Bewegung: "Unsere scheinbare Demokratie hat Instrumente, die für die Lösung der Klimakrise nicht geeignet sind. Wir brauchen ein neues Verständnis von Demokratie, welches die Interessen aller von der Klimakrise betroffenen Personen einbezieht." Nicht besonders elegant formuliert und auch eher verschwommen, unklar, was damit genau gemeint ist. Aber gerade deswegen scheint es mir unstatthaft, einen bestimmten Sinn hineinzuinterpretieren, wie Sie das tun. Man kann in guten Treuen die Art und Weise, wie die schweizerische direkte Demokratie funktioniert, hinterfragen. Denken wir z.B. an die Beeinflussung von Abstimmungskampagnen durch finanzkräftige Wirtschaftsinteressen (s. Kampagne zur Konzernverantwortungsinitiative), an den absoluten Mangel an Transparenz bei der Parteien- und Kampagnenfinanzierung, an die Zusammensetzung des Ständerats und an das Ständemehr, die beide den kleinen und oft reaktionären Kantonen eine überproportionale Macht geben. Und denken wir an den Einfluss starker und finanzkräftiger Lobbys auf die Politik, ihre Einflussnahme auf Exekutive und Legislative vor allem auf Bundesebene, die eine griffige Gesetzgebung zur Lösung der existenziellen Probleme (Klimakrise, Finanzblase, Geldwäscherei usw.) verhindert. Und welche Interessen eine solche Politik bedient, ist dann wohl auch klar.

Das Klimajugend-Bashing scheint mir auch aus einem andern Grund deplatziert. Wenn ich mich an die eigene Jugendzeit erinnere, an die 68er-Jahre, haben wir auch mehr mit dem Herzen politisiert als mit dem Kopf. Und gegen vieles rebelliert und dabei auch manchmal über das Ziel hinausgeschossen. Ich meine, wir sollten der Klimajugend vielmehr dankbar sein, dass sie politisch denkt und sich engagiert, auch einiges wagt und riskiert. Dass dabei auch Fehler begangen werden, ist unvermeidlich. Die Unterstützung des Referendums gegen das CO2-Gesetz ist tatsächlich ein unverzeihlicher taktischer Fehler. Aber auch diesen Fehler darf man nicht einfach der ganzen Bewegung anhaften, nach meinem Informationsstand handelt es sich dabei um eine kleine, fundamentalistische Gruppe vor allem in der Westschweiz, die auch damals mithalf, die AHV-Vorlage zu bodigen.

Mit freundlichen Grüssen

Konrad Matter
Jahrgang 1943

«Es fällt schwer, Ausländern gegenüber meine Regierung zu kritisieren»

von Jan Christoph Wiechmann | Link zum Artikel

Ich muss gestehen, dass ich heutige Journalisten einfach nicht mehr verstehe. Da erhält man die Chance, mit einer ehemaligen US-Aussenministerin ein Interview zu führen, und fragt nichts.

Jedenfalls nichts Belangreiches. Sie hat die NATO in ihren ersten klar völkerrechtswidrigen Angriffskrieg geführt, und diesen Krieg verniedlicht sie als «Kosovokrise», und der Interviewer sagt nichts dazu. Die NATO hat in diesem Krieg Uranmunition verschossen, die heute noch Opfer fordert (https://www.infosperber.ch/Politik/Abgereichertes-Uran-Uranmunition-NATO-Todesstaub-Krebs), aber auch das interessiert den Interviewer offenbar nicht.

Er befragt sie auch nicht zu ihrer Rolle am Tod Hunderttausender irakischer Kinder https://www.youtube.com/watch?v=FbIX1CP9qr4).

Und natürlich befragt er sie auch nicht zu ihrer Ansicht zu den Menschen, die die USA jedes Jahr per Drohne ermorden, inklusive «Kollateralschäden».

Ganz zu schweigen vom bisher grössten Verbrechen des 21. Jahrhunderts, dem Irakkrieg. Was war Albrights Meinung zu Bushs unfassbarem Bruch aller völker- und menschenrechtlichen Standards? Okay, damals war sie nicht mehr direkt beteiligt, aber sie hatte doch bestimmt ebenso eine dedizierte Meinung wie zu Chinas heutiger Politik, oder nicht? Wir erfahren es nicht, denn den Interviewer interessiert es nicht.
Stattdessen befragt er sie zur angeblichen Nawalny-Vergiftung, wo sie sich über den ach so bösen Putin auslassen darf, der gleichzeitig so dämlich und unfähig ist, dass er seine Opfer mit einem zu schwach wirksamen Gift traktiert, das eine eindeutige Spur zu ihm zurück legt.

Nein, diese Gegenüberstellung ist kein Whataboutismus, sondern simple Logik: Der Einfluss einer amerikanischen Politikerin auf amerikanische Verbrechen ist um vieles grösser als der auf russische Verbrechen.

Also wäre es doch auch nur logisch, sie zu amerikanischen Verbrechen zu befragen. Journalisten aus dem 20. Jahrhundert hätten das mit Sicherheit auch getan. Warum haben heutige Journalisten keine kritische Distanz mehr zu westlichen Politikern (mal abgesehen von Trump, wo die Distanz ebenso ins Absurde übersteigert wird wie bei «guten» Politikern die Nähe)? Das würde mich wirklich interessieren.

Etwas ratlose GrüsseStefan Werner

Guten Tag zusammen

Kompliment für den «Tagi» und das stets interessante «Magazin».

Das ausgezeichnete Interview mit Madeleine Albright ist vor ein paar
Wochen auch im «Stern» erschienen. Ich finde, das hätte man erwähnen können.

Freundliche Grüsse

Franz Billia, 9500 Wil

Guten Tag, Jan Christoph Wiechmann

Ich liebe solche Beiträge. Kurz, bündig mit Tiefgang. Frau Albright bringt es auf den Punkt. Eine tolle und starke Frau. Herzlichen Dank für dieses spannende Interview.

Freundlicher Gruss

Andreas Stricker

Der Mann, der sich versteckte

von Dirk Gieselmann

Bild «Letzte Landschaft» und Text stimmen nicht überein.. ! «Wir sehen darauf die Berge über Sils Maria...»
In der Bildlegende richtig Morteratschgletscher und Bernina mit Biancograt. Von Sils Maria aus kann man diese Berge nicht sehen, da muss man schon 20 km nach Pontresina reisen und dort ins Tal des Morteratsch-Gletschers gehen.
Entweder hat Andrea Robbi dieses Bild aus der Phantasie gemalt, oder er ist nochmals da hingegangen.

Kennen Sie als Autor die Gegend? Oder ist das aus Distanz entstanden?
Freundliche Schweizer Berggrüsse

Christian Zingg

Das leere Haus in Biel

von Ronja Fankhauser

Ronja Fankhauser thematisiert anhand von zwei Situationen einen dramatischen Zielkonflikt zwischen Menschenrechten. Eine der beschriebenen Situationen ist im Titel angedeutet. Da steht ein grosses Haus mit vielen Zimmern seit langer Zeit leer. Die andere Situation ist die eines Asylanten, der zurückmuss «ins kahle Sechserzimmer des Asylzentrums … ohne Privatsphäre.» Es geht bei dieser Gegenüberstellung einerseits um das Menschenrecht auf Eigentum und andererseits um die Menschenrechte auf Lebensunterhalt (Nahrung, Wohnen, Medizin, Asyl etc.).

Innerhalb eines wohlhabenden Staatswesens gibt es im Allgemeinen eine befriedigende Grenzziehung beim Interpretieren dieser Rechte. Etwa in folgenden zwei Situationen: Es ist genug Geld da, damit sich die Gemeinden Schwimmbäder leisten können und so Schwimmunterricht für Jugendliche ermöglichen können, was dazu beiträgt, dass weniger Jugendliche beim Baden in Seen und Flüssen ertrinken. Es ist aber auch genug Geld da, um Bootsflüchtlinge vorm Ertrinken zu retten und ihnen ein langfristiges gutes Überleben zu ermöglichen. Doch auch bei dieser Gegenüberstellung geht es um den Zielkonflikt zwischen dem Menschrecht auf Eigentum (und der Möglichkeit, damit Situationen zu verbessern) einerseits und dem Menschenrecht auf Lebensunterhalt andererseits. Die Behandlung des genannten Zielkonflikts hängt auch davon ab, wie viele Mittel vorhanden sind.

Fankhauser macht es sich zu leicht, wenn sie die alleinige Verantwortung für die (wegen zu hoher Bevölkerungszunahme) wachsenden negativen Folgen des Zielkonflikts Europäern zuschiebt: «Grenzlinien ….von Europäern auf Landkarten gestohlener Kontinente gezogen.» Oder wenn sie auf den vergeudeten Überfluss verweist. Sie denkt «an all die unbewohnten Gebäude … an alles, was wir verschwenden, Essen, Kleider, Wasser.» Es wäre schön, wenn Europa (etwa durch langfristig gesicherte ausreichende Mittel) in der Lage wäre, die volle Verantwortung für die genannten negativen Folgen zu übernehmen, und dadurch das Problem gelöst wäre. Dem ist aber nicht so, denn die tieferen Ursachen liegen auf dem Gebiet der Demografie. Fankhauser schreibt: «… aber ich war noch nie gut mit Zahlen. Wo liegt der Fehler?»

Der Fehler liegt darin, dass man die mathematischen Fakten links liegen lässt. Es gibt da eine fundamentale Tatsache: Die Menschheit hat dann, aber auch nur dann eine gute Zukunft, wenn auf lange Sicht jeder Mensch im Durchschnitt nur zwei Kinder hat. Wenn die durchschnittliche Geburtenrate langfristig grösser als 2 ist, bewirkt das, dass die Menschheit ihre Kopfzahl immer wieder verdoppelt (wie sie es in den letzten hundert Jahren zweimal getan hat). Der genannte Durchschnitt darf sich dabei nicht nur global auf die Menschheit beziehen, sondern muss sich auf jede Religion und Nation beziehen. Den hinter dieser Forderung stehenden Mechanismus kann man an einem Rechenbeispiel demonstrieren: Angenommen, von 1000 Menschen haben 900 Menschen die Geburtenrate 1 (Halbieren pro Generation) und 100 Menschen die Geburtenrate 4 (Verdoppeln pro Generation), dann gibt es – trotz anfänglicher Abnahme - nach 10 Generation ca. 100 000 Menschen (denn 10-mal Verdoppeln ergibt den Faktor 1024). Natürlich ist diese mathematische Übung eine Vereinfachung. Man könnte sie durch viele ähnliche, konkretere Beispiele ergänzen, die alle in dieselbe Richtung gehen. Trotzdem, das Beispiel gibt eine Antwort darauf, woher unsere wesentlichen Probleme kommen und was unabdingbar ist, der Menschheit eine gute Zukunft zu sichern.

Was das leere Haus betrifft, so gehört es vielleicht einer Pensionskasse, die Menschen (darunter auch kinderlosen) einen guten Lebensabend sichert. Damit wird ein Beitrag zur Reduktion des demografischen Problems der Menschheit geleistet. Viele Kinder zu haben, ist dadurch nicht nötig für eine gesicherte Altersvorsorge.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach

Ich war noch niemals in … Solothurn

von Max Küng

Sehr geehrter Herr Küng

Sie waren gerade das erste Mal in Solothurn – und das, obwohl die Stadt dieses Jahr bereits 2000 Jahre alt ist! Bereits die Römer hatten ihren Weg nach Solothurn gefunden, und 1797 sogar Napoléon, der spätere Kaiser Frankreichs! In Eile – wie Sie – soll dieser zwar nur ein Glas in der schönen Barockstadt vis-à-vis der anschaulichen St. Ursen-Kathedrale getrunken haben. Aber das spricht ja auch sehr für das gute Solothurner Wasser, welches auf direktem Wege bis zu dem von Ihnen besuchten Uferpark Attisholz fliesst.

Wer anders als Napoléon kein Wasser mag, bekommt in Solothurn ein Öufi-Bier oder einen Absinthe – für Letzteren brauchen Sie also nicht mehr extra in den Jura zu fahren. Wer Hunger verspürt, verköstigt sich herrlich in der Pittaria, in der Akropolis, in der Grünen Ecke oder in dem von Ihrer Kollegin empfohlenen Baseltor. Aber auch das berühmt-berüchtigte Kreuz ist nicht zu verachten, wo Sie gleich noch eine gehörige Portion (Stammtisch-)Kultur – Stichwort Solothurner Filmtage & Literaturtage et al. – zu Ihrem Essen erhalten. Wer es lieber «natürlicher» hat, entspannt sommerüber auf dem «Aaremürli», erholt sich auf einem Spaziergang in der malerischen Verenaschlucht oder unternimmt eine kleine Wanderung auf den Solothurner Hausberg, den Weissenstein, mit herrlicher Aussicht über das ganze Mittelland. Nicht verpassen darf man zudem samstags den Solothurner Märet, zweifellos einer der schönsten Märkte der Schweiz. Vielleicht, aber nicht nur, weil hier ein bisschen jeder jeden kennt.

Sie sehen, Solothurn hat noch viel mehr zu bieten als nur Umsteigemöglichkeit in den Neuenburger Jura zu sein (oder – wie vergangenen Freitag – als neuer Verkehrsknotenpunkt nach Bern zu dienen, wenn zwischen Zürich über Olten bis Neuchâtel in Richtung Bern wegen einer Fahrleitungsstörung ebendort gerade gar nichts mehr läuft). Solothurn ist weltoffen, und gleichzeitig eine Welt für sich. Anders gesagt eine Stadt, die man gesehen haben und just lieben muss. Ich hoffe also sehr, dass Sie noch einmal den Weg nach Solothurn finden – aber bitte warten Sie nicht noch einmal Dutzende Jahre (und schon gar keine 2000) damit zu!

Herzlich,

Franziska Leuenberger

Aber, aber Herr Küng

Über Solothurn gibt es Schöneres und Interessanteres zu berichten als über die Abwasserklärbecken im Attisholz!
Das war kein guter Ratschlag Ihrer Freundin!
Gruss
H. M. Stuber

N° 39 – 26. September 2020

Der letzte Kampf

von Christof Gertsch & Mikael Krogerus | Link zum Artikel

Ausgezeichneter, ungeschminkter Text übers Boxen. Beantwortet auch, warum Frauen aus allen Schichten auf Boxen stehen. Nur - Muhammad Ali war der Grösste.
Danke
W. Kleinbub

Bester Hemingway-Stil, besten Dank!Cornelia Boehler, 8124 Maur

Ist die Maske links?

von Philipp Loser | Link zum Artikel

Liebe Redaktion
Lieber Philipp Loser

Das Unterscheiden von links und rechts ist viel weniger interessant, als viele Menschen noch immer glauben.
Wahr und unwahr, vernünftig oder unvernünftig, menschenfreundlich oder nicht, mehrheitsfähig oder nicht, das wären Kategorien, die langsam im Denken Einzug halten dürften, damit wir gemeinsam in eine Zukunft gehen können, die Perspektiven gibt, statt Ängste zu schüren, und Eigenverantwortung fördert, statt Verordnungen zu zelebrieren.

Was uns der Autor mit dem Artikel sagen will, erschliesst sich mir nicht wirklich. Was sich mir aber erschliesst, ist, dass auch Philipp Loser, wie ganz viele für Leitmedien tätige Menschen, dem üblichen Narrativ erliegt und dieses weiterträgt, dass nur komische Leute aus den Kategorien Impfgegner, Ökofundis, Esoterikerinnen, Rechtsextreme, Anarchistinnen und Verschw… (dieses Wort wird hoffentlich Unwort des Jahres) Coronaskeptiker sind.

Da gibt es zwei Dinge zu korrigieren, und es wäre wunderschön, wenn die Zunft der Journalist*innen da auch langsam etwas genauer arbeiten würde.
Die Skeptiker sind erstens zum grössten Teil «Massnahmenskeptiker»‘ und nicht «Coronaskeptiker», und zweitens gibt es unter den nachfragenden, rebellierenden, kritischen Bürgern auffallend viele selbstständig Erwerbende und Unternehmer (die Künstler trauen sich anscheinend nicht), denen der Lohn nicht monatlich in den Schoss gelegt wird und auf denen Verantwortung für Arbeitsplätze lastet.
Als Unternehmer und Gastgeber führe ich viele Gespräche mit Menschen, die in keine der oben genannten Kategorien passen, aber trotzdem langsam skeptisch werden, wenn sie es nicht schon sind.
Es sind sehr viele vernunftbegabte Leute dabei, die gut ausgebildet und gut informiert sind und sich keinen Reim auf die Geschehnisse und die Entscheidungen der Politik machen können und die auch nicht auf Demonstrationen erscheinen.

Freundliche Grüsse
Daniel Bosshard, 2503 Biel

Guten Tag, Herr Loser

Ich lese regelmässig im «Magazin» die Doppelseite mit Ihrem Artikel und kann mich immer wieder mit Aussagen von Ihnen identifizieren.

Dabei ist mir im letzten Artikel: «Ist die Maske links?» aber ein Satz aufgestossen – hat es in der Schweiz unter den Corona-Skeptikern von allen etwas: Anarchistinnen, Verschwörungstheoretiker, Impfgegnerinnen, Ökofundis, Esoterikerinnen und Rechtsextreme.

Ich informiere mich als weltoffener Bürger nicht nur in den offiziellen Medien wie TA, SRF, BAG, RIK, WHO … sondern auch, wie Sie als Journalist, hoffe ich, bei anderen Informanten. Dabei fällt mir auf, dass ich in oben genannten Institutionen offenere Informationen und mit Quellangaben finde, im Gegensatz zu zZ nichts aussagenden Zahlen, wieviel Infizierte/100‘000 im Moment gezählt werden mit einem ebenso wenig aussagekräftigen Test von BAG, RIK und WHO.

Damit zähle ich mich nicht als ein Zugehöriger einer der oben genannten Gruppen, sondern als allen in einigem verwandt.

Wenn Sie und andere Medien diese Gruppen immer wieder verunglimpfend in einen Topf werfen, verkennen Sie wohl eine beträchtliche Anzahl von Personen, die die offiziellen manipulierenden Informationen und Zahlen hinterfragen, was ich von Ihnen als freien Journalisten auch erwarte, da ich Sie sonst als in diesem Thema als «gekauft» erachte.

Freundlich grüsst

Mathias Nyffenegger

Ich war noch niemals in … Roggwil TG

von Max Küng |

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Max Küng

Gratulation zur so wundervoll gelungenen Überleitung von den Briefen zu den Ausflugstipps mit bestmöglicher erster Wahl. Wir können es kaum erwarten, die 72 Pools besichtigen zu gehen, und freuen uns auf viele weitere amüsante Texte.

Freundliche Grüsse
Familie Schneider
Liestal

Sehr geehrter Herr Küng
Nach der Lektüre dieses amüsanten Artikels weiss ich nun auch, wie es in Roggwil TG etwa aussieht. Wenn Sie übrigens ein Kratzen im Hals haben, empfehle ich Molkenkonzentrat - ebenfalls von A. Vogel. Ich habe es in ein Nasentropfenfläschchen gefüllt und tropfe mir bei Bedarf eine Pipette voll möglichst weit hinten in den Rachen auf der ganzen Breite des Gaumens (Weiterverteilung mit Zunge und geeigneter Atem- und Schlucktechnik). Wenn man empfindliche Zähne hat, sollte man darauf achten, dass sie nicht zu viel davon abbekommen. Molkenkonzentrat ist überhaupt ein natürliches Wunddesinfektionsmittel (Milchsäure).

Echinaforce dient ja vor allem zur Anregung des Immunsystems, was gegen Infektionen (wie Corona) schon etwas nützt. Wieso kriegt einen die Erkältung meist am Wochenende oder in den Ferien? Weil man es dann etwas ruhiger hat und auch das Immunsystem heruntergefahren wird. Ständig sollte es aber auch nicht auf Hochtouren laufen.
«Der kleine Doktor» von A. Vogel ist meine Gesundheitsbibel. Alfred Vogel war ja auch ein gläubiger Mensch; leider hat er dabei die Schöpfung wörtlich genommen (sogenannter Kreationismus) und die Evolutionstheorie verdammt.
Mit freundlichen Grüssen
Peter Rinderknecht, 8304 Wallisellen

Lieber Max Küng

Ich war sehr enttäuscht zu lesen, dass Sie Ihre Briefe einstellen - und überrascht, dass Sie sie «bloss» 4 Jahre lang verfasst haben. Ich hatte den Eindruck, sie schon wesentlich länger jede Woche interessiert gelesen zu haben, und fand sie fast ausnahmslos alle lustig oder zumindest zum Schmunzeln. Ich war ein bisschen traurig, sie nun missen zu müssen.

Dafür habe ich mich umso mehr gefreut, dass Ihr neues Projekt, jede Woche einen anderen unbekannten Ort zu besuchen, kein bloss privates ist, sondern in einer neuen Kolumne mündet. Und Sie schreiben darüber ja ebenso humorvoll, wie es Ihre Briefe waren! Somit werde ich nicht auf meinen «wöchentlichen Max Küng» verzichten müssen! Schön - ich freue mich auf viele weitere «Ich war noch niemals in...».

Ich hoffe, dass die besuchten Orte so interessant sind, dass es Ihnen nicht allzu schwer fallen wird, darüber eine humorvolle Kolumne zu schreiben.

Mit frohen Grüssen
Suzanne Oriet, 8309 Nürensdorf

N° 38 – 19. September 2020

Ein Präsident greift die Demokratie an

von Jan Christoph Wiechmann

Bitte teilen Sie Herrn Wiechmann mit, dass ich seinen Artikel über Trump im letzten «Magazin» hervorragend finde und praktisch jedes Wort unterschreiben kann.

Vor zwei Wochen erschien in der «Weltwoche» ein Beitrag über Trump. Der Autor ist der irrtümlichen Meinung, dass «Trumps Wiederwahl das Beste» sei, «was der Welt passieren» könne.
Diesem absoluten Schwachsinn entgegnete ich mit einem Leserbrief, der jedoch nicht publiziert wurde.

Freundliche Grüsse
Rolf Bechter, 8967 Widen

Ich war noch niemals in Oberwil-Lieli

von Max Küng

Schön, dass Max Küng Oberwil-Lieli besucht hat. Bloss sind ihm beim flüchtigen Augenschein einige Dinge entgangen. Es gab nicht nur den Gemeindeammann Glarner, sondern auch eine IG Solidarität, die Glarners Anmassung der Deutungshoheit über das Dorf beendete. An der Urne unterlagen die eine Aufnahme von Flüchtlingen Befürwortenden zwar knapp, aber Glarner ist nicht mehr Dorfkönig, und heute leben Flüchtlinge im Dorf. Es gibt nicht nur 72 Outdoor-Swimmingpools, eine Güggeli-Beiz und eine feine Bäckerei Huber, sondern mit dem Bio-Birchhof von Roger Gündel auch einen Permakultur-Pionierbetrieb für nachhaltige Landwirtschaft; auch mit Lehrstellen für Flüchtlinge. Max Küng darf gerne mit seinem Rennrad dort mal hinradeln – zwecks nachhaltig lehrreicher Entschleunigung.
Martin Uebelhart, 8966 Oberwil-Lieli

Lob der Völlerei

von Christian Seiler

Lieber Christian Seiler

Mit Interesse und Vergnügen lese ich Ihre wöchentliche Kolumne. Und nun dieser Ausrutscher! Da schreiben Sie von zauberhaften Momenten und Euphorie – und was ist der Gipfel des Genusses: eine Lachsforelle! Eine Fischart, die nur im Comestibles-Handel existiert und somit ein Zuchtprodukt ist.

Ich erspare mir, die schädlichen Stoffe in solchen Massentierprodukten aufzuzählen, und bedaure, dass Sie den Unterschied zu einem frischen, wild gewachsenen Fisch nicht zu würdigen wissen. In der Regel handelt es sich bei den angebotenen «Lachsforellen» um Zucht-Regenbogenforellen, die mit Karotin-Futterzusätzen grossgezogen werden, damit sie ein rötliches oder oranges Fleisch erhalten.

Beste GrüsseHansjörg Dietiker, Schmerikon

Lob der Völlerei / Rumfordsuppe

von Christian Seiler / Thomas Widmer

Ich finde es köstlich (wenn man so sagen kann), dass man im selben «Magazin» das «Lob der Völlerei» von Christian Seiler liest (geniesse ich immer zuerst) und auf Seite 6 «Rumfordsuppe» zum Thema Hunger.
Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und fragte mich, ob die Herrn Seiler und Widmer das abgesprochen haben:

Freundliche GrüsseIrène Frei, Bern

Meine «Twin Peaks»-Therapie

von Julia Kohli

Grüezi, Frau Kohli

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Ihre sprachliche Virtualität und genaue Analyse haben mich beeindruckt und mich bewogen, Ihr neues Buch zu bestellen.

Eine kleine Anmerkung (oder eine leise Kritik) habe ich aber. Als Schriftstellerin sind Worte Ihre Welt. Um so mehr hat mich etwas irritiert: Ich habe festgestellt, dass auch Sie (in vorauseilender Political Correctness) eine leider weitverbreitete Unsitte übernommen haben. Die Bezeichnung Teenager gibt es nicht in weiblicher Form. Genau so wenig wie die von «Hardcore-Feministinnen» oft benutzte Bezeichnung Gästin. Teenagerin und Gästin sind schlicht und einfach falsch. Selbst mir als alte 68er-Feministin geht diese Anpassung zu weit…

Als alte Frau bedaure ich, dass immer weniger auf ein korrektes Deutsch Wert gelegt wird. Viele Unsitten werden irgendwann zur Norm, nur weil viele Journalistinnen und Journalisten sie benutzen. Ich bin gespannt auf Ihr Buch!

Freundliche Grüsse Ruth Fries

Grosses Lob für «Das Magazin»

Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Macherinnen und Macher des «Magazins»

Seit Monaten möchte ich Ihnen mein Lob schicken – heute hat es endlich geklappt.
Vielen Dank für das Produzieren Ihrer Publikation, ich finde diese einen wöchentlichen Genuss.
Vor allem auch die immer wiederkehrenden Kolumnen sind erstklassig, namentlich von:
Krogerus & Tschäppeler (wann gibt es endlich ein Buch?)
Ben Moore im (Schlag-)Abtausch mit Niklaus Peter, Philipp Loser, Katja Früh, Hans Ulrich Obrist und das gesamte Journal der Gegenwart, die Reime von Gsella und die Polemik von Küng.

Bitte immer genug Honorar bereithalten, sodass keiner abspringt!
Viele Grüsse!
Theo Gschwind, 8006 Zürich

N° 37 – 12. September 2020

«Tschingg»

von Thomas Widmer

Lieber Thomas Widmer

Als ich den Titel Ihrer Kolumne las, musste ich ehrlich gesagt eine ziemliche Wut unterdrücken. Gleich zuerst: Das T-Wort ist nicht «selbstironisch», es ist mindestens so despektierlich wie das N-Wort.

Ich begrüsse es, dass Sie den Gebrauch dieses Unwortes thematisieren, aber im Gebrauch des T-Wortes zeigt sich ganz klar, wie viele sich zwar vordergründig offen und vorurteilslos geben, aber im Herzen die alten Rassisten geblieben sind. Sie machen sich keine Gedanken über Mitmenschen, die so betitelt werden. Sie sind höchstens anderen gegenüber weltoffen und vorurteilslos, was würde sonst der Nachbar von einem denken.

Es kann sein, dass die jungen Buonvicinis (okay, so jung sind sie in der Zwischenzeit auch nicht mehr) in einer Umgebung aufwachsen durften, in der man als Südländer a priori nicht gleich beschimpft wurde. Das ist aber keine Entschuldigung, das T-Wort zu banalisieren.

Ein Riesenwehklagen rauscht durch den Blätterwald, wenn ein Geschäft sich auf die Schokolade der Mauren beruft, aber kein Hahn kräht danach, dass es hipp sein soll, das T-Wort zu benutzen; ein Wort, das benutzt wurde, um zu zeigen, dass man als Mensch nichts wert war.

Ich kann Ihnen versichern, zur Zeit meiner Eltern und auch in meiner Jugend wurde das T-Wort nie «ironisch» oder gar «banal» gebraucht wurde, sondern mit der gleichen Herabsetzung, wie man das N-Wort benutzte. Es soll keiner kommen, «so schlimm wird es nicht gewesen sein». Es war so schlimm, speziell für die Leute um mich, die nicht so gut Züritütsch konnten, um es in gleicher Münz zurückzuzahlen.

Danke fürs Lesen.

Luigi Rotta

Wir nannten ihn Granit

von Hannes Grassegger

Guten Tag, der Grassegger

Nun ist tatsächlich eine Woche seit Ihrem Bericht, der mir so sehr Eindruck machte, vergangen - eigentlich wollte ich Ihnen sogleich antworten, dann kam halt einiges dazwischen.

Nun ist es also Sonntagabend, 20.9. geworden und ich will Ihnen nun wirklich ein paar Worte schreiben. Ich bin eine 84-jährige «Ur-Schweizerin» mit einem ganz weiten und offenen Sinn für Menschen aus andern Ländern und Kulturen. Dankbar halte ich fest, dass ich in einem warmherzigen und offenen Elternhaus aufgewachsen bin. Es gab nichts «Fremdes», das nicht auch zu uns passte und uns bereicherte. Aus diesem Grund finde ich Ihren Begriff eines «Netzwerkstaates» sehr interessant.

Sie erwähnen die vielen SVP-Initiativen, die immer auf Ausgrenzung und Abwehr basierten, ich weiss gar nicht mehr, wie viele es waren, mich daran zu erinnern beschämt mich.

Wie schön ist der durchdachte Name für Ihren kleinen Sohn GRANIT! Ich wünsche ihm ein ganz gutes Leben, den liebevollen Boden bereiten Sie und Ihre Frau ihm, das lese ich aus Ihrem Bericht.

Ihnen wünsche ich immer wieder Begegnungen, die Ihnen und Ihrer Familie zeigen, was wirkliche warme Heimat sein kann.

In diesem Sinn grüsse ich Sie herzlich
Christine Berger, 3550 Langnau

An Hannes Grassegger
Ihr Artikel «Wir nannten ihn Granit» gehört zum Berührendsten, was ich über Integration und Menschsein gelesen habe. Ich danke Ihnen dafür und wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein gutes und mutiges Leben!
Freundliche Grüsse
Helena Heuberger, 8912 Obfelden

Wie bleibe ich gelassen in Zeiten von Corona?

von Lukas Studer

Gerne möchte ich mich bei Herrn Lukas Studer für den Text im «Magazin» bedanken! Dieser Text hat mich gerade sehr berührt und einige Knoten gelöst!
Herzlichen Dank!
Mit freundlichen Grüssen

Regina Haussener

DANKE, Lukas Studer, für Ihren hochaktuellen, herausragenden Beitrag. Er kommt wirklich zur rechten Zeit! Mehr GELASSENHEIT und Nachdenken über unsere so neue Lebenssituation würde uns allen guttun...

MERCI auch dem «Magazin" für diese Veröffentlichung.
Beste Grüsse

Elfriede Nussbaum

Lieber Lukas Studer

Herzlichen Dank für diesen tollen Artikel über die Stoiker. Das ist der spirituellste Artikel, den ich je im «Magazin» gelesen habe. Spiritualität ist eben sehr alltagstauglich und gar nicht abgehoben und hat wenig bis gar nichts mit der viel geschmähten Esoterik tu tun, aber offenbar viel mit der Philosophie der Stoiker.

Alle Menschen sind tief innen miteinander verbunden, und der Tod ist nicht unser Feind. Solche Gedanken können mir anfänglich sehr fremd erscheinen. Aber mich damit anzufreunden und sie auf ihren Gehalt zu überprüfen, kann eben auch zu mehr Gelassenheit führen und Mitgefühl.

Herzlichen Dank fürs Lesen!
William Möritz, 8055 Zürich

Die drei Gesetze der Softwareentwicklung

von Mikael Krogerus & Roman Tschäppeler

Die Autoren stellen drei – mir bisher unbekannte - Gesetze der Softwareentwicklung vor. Sie passen gut zu einer – nicht seltenen - Situation, in der es dem Management darum geht, zu zeigen wie innovativ man ist, wofür dann einfach mal ein paar Millionen für Projekte ausgegeben werden.

Was dabei oftmals rauskam, zeigt ein Bericht (1990) der Beraterfirma Diebold International über Software-Regierungsaufträge der USA. Dabei wird gefragt: Was ist aus den Softwareprodukten geworden? Die Antwort war nicht gerade berauschend:

  • bezahlt, nicht eingesetzt 29 %

  • Produkt geliefert, funktioniert nicht 47 %

  • reengineered, eingesetzt 3 %

  • benutzt wie entwickelt 2 %

  • reengineered, nicht eingesetzt 19 %

Demnach wurden nur 5% der Produkte eingesetzt, und davon liefen nur 2% auf Anhieb.

Das ist nicht unbedingt die Schuld des Projektleiters. Ihm wurden meist zu viele Mitarbeiter zugeteilt, und dann stand er vor der Alternative, entweder es allen recht zu machen (etwa die Mitarbeiter bei guter Laune zu halten), dann hatte er keine Zeit, genügend speditiv am Projekt zu arbeiten. Oder er kümmerte sich vor allem ums Projekt und zeigte damit, dass er keine Führungsqualität hatte. Im ersten Fall hatte er dies (auch wenn sein Projekt nicht erfolgreich war) gezeigt und stand bereit fürs nächste Projekt oder für höhere Aufgaben.

Eine andere Situation gab’s bei Softwareprojekten mit konkreten Zielen, etwa der Unterstützung der Mondlandung. Humphrey’s Law «Menschen wissen nicht, was sie wollen, bevor sie es sehen.» war da zum Glück eher nicht gültig. Genau wie die beiden anderen angeführten Gesetze: «Softwareentwicklung ist unvorhersehbar ….» und «Software ist ein Spiegel der Firma und der Menschen, die sie entwerfen.»

Letzteres Gesetz gilt insbesondere nicht bei der Erfindung von Softwaremethoden. Die Verfügbarkeit von solchen Methoden (Werkzeugen) spielt bei der Softwareentwicklung eine entscheidende Rolle. Beinahe typisch für Werkzeug ist, dass es – wenn die Zeit gekommen ist – praktisch gleichzeitig unabhängig an mehreren Orten entwickelt wird. Das gilt zum Beispiel für die Infinitesimalrechnung (Gottfried Wilhelm Leibnitz und Isaac Newton) oder die Evolutionslehre (Charles Darwin und Alfred Russel Wallace). Im Oktober 1968 veröffentlichte ich in einer deutschen Zeitschrift einen Artikel, in dem eine neue IT-Methode beschrieben wurde. Die gleiche Methode – mit etwas anderem Schwerpunkt – wurde in einem US-Paper von einem Amerikaner (Donald R. Morrison) im genau gleichen Monat publiziert. Conway’s Law «Software ist ein Spiegel der Firma und der Menschen, die sie entwerfen.» trifft also bei der Entwicklung von Werkzeugen eher nicht zu.

Die beschriebene Situation in der Softwareentwicklung ist insofern interessant, weil sie eine Antwort auf die Frage liefert, warum es zwar gelungen ist, auf dem Mond zu landen, aber so schwierig ist, die Voraussetzungen für ein langes, gutes Fortbestehen der Menschheit zu schaffen: Es sind zu viele Meinungen und Interessen, die berücksichtigt werden müssen. Hingegen wird die Notwendigkeit unterschätzt, sich darauf zu einigen, brauchbares Werkzeug zum Überwinden der Hindernisse (Zielkonflikte) einzusetzen. Aber auch hier ist die Zeit reif zu erkennen, dass die nötigen Massnahmen eindeutiger werden und es immer weniger Spielraum für Lösungen gibt, die ein Spiegel der Menschen sind, die sie vorschlagen.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach

Komm! In die Beiz, lieber Gast!

von Christian Gerig

Guten Tag Herr Christian Gerig
Liebe Redaktion von «Das Magazin»

Welch ein toller Bericht der letzten Ausgabe vom «Tagi Magi». Gerade in der aktuellen Lage finde ich es besonders schön, dass es solche Beiträge gibt. Die Lage ist enorm treffend analysiert und der Schluss phänomenal vollendet.

In diesem Sinne – ein herzliches Dankeschön.

Ich sende herzliche Grüsse in die Redaktion.

Pascal Weingartner
Geschäftsleitung Santa Lucia

N° 36 – 5. September 2020

Können Bäume die Welt retten?

von Mathias Plüss

In diesem Artikel wird einseitig, als einziger Vorteil gegen die Klimaerwärmung bei Bäumen, nur die Kohlendioxid-Aufnahme erwähnt. Das ist falsch! Ein Baumblatt kann nur Kohlendioxid aufnehmen dank der Photosynthese. Die Photosynthese kann nur funktionieren dank der über das grüne Chlorophyll aufgenommenen Sonnenlichtenergie, die sich sonst z. B. auf Beton in abstrahlende Wärmeenergie umwandeln würde, die das Klima wahrscheinlich noch mehr aufwärmen würde als die Treibhausgase.

Die Bemerkung, dass die Wälder in Sibirien und Nordkanada mit ihrer dunklen Farbe viel «Wärme» aufnehmen und so die Umgebung aufheizen, ist nun wirklich eine skandalöse Falschinformation! Das dunkle Grün zeigt, dass die Blätter oder Nadeln viel Chlorophyll enthalten und somit viel Sonnenlichtenergie aufnehmen
können, die sich eben so nicht in Wärmeenergie umwandeln kann! Im Gegenteil: Dieser Energieentzug durch das Chlorophyll belässt den Waldboden und die Umgebung eher kühl!

Übrigens: Jeder wolkenlose Hitzetag wärmt das Klima massiv auf, weil eben weltweit zu wenig Grünpflanzen vorhanden sind, die Sonnenlichtenergie aufnehmen können!

Philippe Gerber, 2575 Gerolfingen

Der Mythos der gleichberechtigten Partnerschaft

von Paula Scheidt

Hallo «Tagi Magi»

Im «Tagi Magi» N° 36 hatte es mal wieder einen feministischen Bericht.

Ich denke, ein paar JournalistInnen haben sich ein wenig verrannt in ihren Ansichten, oder sie haben ein ungesundes Framing diesem Thema gegenüber. Eigentlich finde ich es ein wichtiges Thema, wenn aber Ihre
Kolumnistin in einem Interview mit den Jungs von «Jeans for Jesus» ernsthaft fragt, «ob es überhaupt eine positive Männlichkeit gibt», ist diese Frage an Sexismus eigentlich nicht zu überbieten. Stellen Sie sich
mal vor, wenn ein Mann in einem Interview z. B. Steff la Cheffe fragen würde, «ob es überhaupt eine positive Weiblichkeit gibt», da wäre der Aufschrei gross, und es wäre wahrscheinlich sein letztes Interview im
«Tagi Magi» gewesen.

Dieselbe Kolumnistin bringt in einer anderen Kolumne noch den Beweis für die Mechanismen des Patriarchats, indem sie aus einem Buch zitiert und das Beispiel der Auto-Crashdummies aufzeigt, die
177 cm gross sind – und deshalb seien Frauen im Autoverkehr gefährdeter, alles Schuld der Männer. Selber bin ich 191cm gross, meine Mutter 175, meine Partnerin 170 sowie meine Tochter auch. Irgendwie passt dieses
Beispiel somit überhaupt nicht zu dem, was es hergeben sollte. Wenn jetzt noch der Fauxpas mit dem Interview dazukommt, disqualifiziert sich doch eine Person, zu diesem Thema noch Stellung zu beziehen. Item.

Auch im «Tagi Magi» N° 36 war wieder ein Bericht, der die umfassende Unterdrückung der Frau angeht, und dort kommt das Beispiel der Männer, die im Haushalt nicht mehr helfen, da die Frau sowieso die ganze Zeit
rumnörgelt. Es wird dann ein Beispiel zitiert, mit dem Chirurgen und dem Chef des Spitals. Dieser Vergleich hinkt aber gewaltig – oder böse gesagt, er untermauert den Anspruch der Frau, der Chef zu Hause zu sein, was ja in einer egalitären Beziehung nicht der Fall sein sollte. Weil gleichberechtigt mit Chef eher nicht möglich. Mit solchen (manipulativen) Beispielen hilft man der Sache nicht wirklich, oder es geht hier rein nur ums Rechtbehalten, und das mit rhetorischen Tricks.

Deshalb hier, wie ich das sehe. Wie gesagt: In Ihrem Beispiel ist ja die mittelalterliche Meinung unterlegt, dass die Frau der Chef im Haushalt ist. Somit komme ich mit einem ähnlichen, und zwar dass der Mann der Chef
im Auto ist, weil Frauen und Technik... Wenn jetzt der Mann, wenn ausnahmsweise die Frau das Auto fährt, die ganze Zeit hilfreiche Tipps gibt im Stile: Willst du nicht ein Gang höher schalten, du hast nicht in den Rückspiegel geschaut beim Spurwechsel, es ist 80 km/h du kannst noch ne Schippe drauflegen etc., wie das sicherlich öfters passiert, verstehe ich jede Frau, die das nächste Mal den Mann fahren lässt, nur weil sie
diese ganzen netten «hilfreichen» Tipps nicht mehr ertragen mag und sich denkt: Dann fahr doch selber.

Wie gesagt, bin selber zwar ein zufriedener Cis-Mann und deshalb bei diesem Thema eher negativ vorbelastet. Deshalb jetzt ein ganz komisches Beispiel. Schauen Sie doch mal den Film «23», den deutschen, nicht den
amerikanischen. In diesem Film kommt eine menschliche Neigung, nur diese Informationen in ein Weltbild einzuschliessen, die ebensolches auch untermauern. Am Schluss ist der Protagonist dann völlig von der Rolle
und meilenweit von der Realität weg. Es wäre schade, gute JournalistInnen zu verlieren, weil genau dies mit ihnen passiert.

Freundliche Grüsse
Reto Beuret

Liebe Redaktion

Zu diesem Text von Paula Scheidt habe ich eine Anmerkung.

Vieles im Text kann ich unterschreiben. Der Vergleich «maternal gatekeeping» mit dem Chirurgen finde ich deplatziert. In meiner Arbeit als Paarberater erlebe ich oft, dass Frau die Priorität auf das Wie setzt und nicht duldet, dass es in gleicher Qualität anders gemacht wird. Kommt es darauf an, ob ich die Wäsche mit oder ohne «Klammern» aufhänge? Die Möbel mit dem Staubsauger oder «Staublumpen» abgestaubt werden? Solche Diskussionen führen beim Mann dann zum Rückzug, und dies hat nichts mit fehlendem Ehrgeiz zu tun, sondern mit Frust, es zu Hause nie recht machen zu können. Die smarte Partnerin lässt Mann machen und profitiert mit persönlicher Zeit.

André Widmer, 5647 Oberrüti

Dringend gesucht: ein neuer Liberalismus

von Philipp Loser

Hallo, Herr Loser

Sie machen einen guten Eindruck auf mich, intellektuell redlich, gute Absichten, sympathisch. Sie versuchen sehr ausholend, auch ein ehrlicher und guter Linker zu sein. Wenn die Linken sich auf die wirklich Bedürftigen, Schwachen und Armen konzentrieren würden, wäre das wunderbar. Grosse Unterstützung wäre ihnen sicher. Leider ziehen die Linken die Grenzen aus ideologischen Gründen viel weiter. Indem sie mit ihrem imaginären Füllhorn fast alle beglücken wollen, verlieren sie das Augenmass und versagen öfters kläglich. Bestes Beispiel dafür ist der Kommunismus, ein epochales Scheitern.

Ich wünsche mir eine Linke, die nicht vorwiegend auf das System schielt, sondern sich auf die echten sozialen Probleme einer kleinen Minderheit konzentriert. Eine Linke, die die Weitsicht hat, ihre pubertierende Juso an die Brust zu nehmen. Eine Linke, die in Asylbewerbern echte Menschen sieht und nicht einfach potenzielle SP-Mitglieder. Eine Linke, die mit anderen Parteien staatstragend wirkt und nicht je nach Strategie Zusammenhänge bewusst ausblendet. Da könnten Sie, lieber Philipp Loser, einen grossen Beitrag leisten und ein echter Linker werden.

Mit besten Grüssen
Peter Gmür, 8132 Hinteregg

In seinem Beitrag «Dringend gesucht: ein neuer Liberalismus» zitiert Philipp Loser das Buch des deutschen Soziologen Andreas Reckwitz. Es ist interessant festzustellen, wie wirtschaftszentriert solche
Abhandlungen sind und wie wenig die gesellschaftlichen Gegebenheiten bzw. die Hoffnungen der jeweiligen Zeitspanne berücksichtigt werden. Man übersieht leicht, welche grosse Rolle die Ideologien spielen.

Vor und während des Zweiten Weltkrieges war der Nationalstaat das zu verteidigende Stamm- bzw. Grossfamiliengebilde. Nach dem Kriege waren die meisten Menschen noch vom militärischen Drillen geprägt, also die Gehorsamkeit gegenüber einer leitenden Person, aber gleichzeitig gab es eine grosse Hoffnung auf eine rosige Zukunft, und dies geschah unter der Bezeichnung «Regulierungsparadigma»». Impulse kamen dann von der anderen Seite des Atlantiks, und damit auch die neue Mentalität des eigenen Erfolges durch den «American dream», oft unbemerkt durch solche Kinderbücher wie Onkel Dagobert.

Diese neue Ideologie versprach Erfolg und war als Gegenpol zum Kommunismus gedacht. Dies bezeichnete der Autor dann als Dynamisierungsparadigma, es hatte aber auch mit den neuen Hoffnungen zu tun, die die Bewegung um 1968 bei der Jugend gebracht hatte. Sich zu behaupten, sich zu befreien, neue Wege zu suchen, sich von altertümlichen Regeln zu befreien – all dies war der neue Motor, der in der Gesellschaft wirkte und in den Versuch der Deregulierung mündete.

Heute setzt sich eine Ernüchterung durch, und man durchschaut die Fehler, die eine auf Wachstum orientierte Wirtschaft unweigerlich bringt. Vielleicht kann man noch solche Fehler korrigieren, vielleicht auch nicht. Es ist auch zu hoffen, dass das Problem des Bevölkerungswachstums endlich ernsthaft berücksichtigt wird: dies wird eine Änderung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung mit sich bringen, die erst dann eine neue umweltschonende Weltordnung entstehen lassen wird.

Ray Ballisti, 8340 Hinwil

Die Föhre

von Finn Canonica

Grüezi Herr Canonica

«Föhren sind Zwitter», schreiben Sie an prominentem Zeilenanfang, und ich schlucke leer und schüttle den Kopf. Jein wäre da wohl korrekt.

Föhren sind «einhäusige» Pflanzen, das heisst sie besitzen männliche und weibliche Blüten auf derselben Pflanze. Von Zwittern spricht man bei Blütenpflanzen nur, wenn sich die männlichen und weiblichen «Teile» in der gleichen Blüte befinden.

Freundliche Grüsse

Ueli Waltert, 8165 Oberweningen

Wir brauchen Sinnressourcen

von Niklaus Peter

Offensichtlich brauchen wir Sinnressourcen, um Ziele anzustreben. Dies vor allem$, wenn dies Anstrengungen erfordert. Im Zusammenhang mit der Kolumne von Pfarrer Niklaus Peter kommen zwei unterschiedliche Ziele infrage. Einmal das Ziel, dass es allen Menschen möglichst gut geht, und zweitens das Ziel, dass die Menschheit lange, gut fortbestehen kann. Zwischen beiden Zielen gibt’s einen Zielkonflikt. Denn um das zweite, langfristige Ziel zu erreichen, sind Einschränkungen nötig, die das erste eher kurzfristige Ziel tangieren.

Es geht dabei ums Anpassen von Bevölkerungs- und Konsumwachstum an den Umfang der erneuerbaren Ressourcen. Beide Ziele sind wichtig. Angesichts der aktuellen Situation ist es jedoch eher notwendig, dem zweiten Ziel Priorität zu geben, wobei zu überlegen ist, wie das erste Ziel so weit wie möglich erreicht werden kann, ohne das Erreichen des zweiten Ziels zu gefährden.

Genauso wie ein Maler oder Architekt bestrebt ist, gute Arbeit zu leisten, müssten auch Wissenschaftler, Philosophen, aber auch Geistliche bestrebt sein, gute Grundlagen fürs Erreichen der gesetzten Ziele zu schaffen. Religion wäre dabei nicht unbedingt nötig. Aber da die Religionen im Denken vieler Menschen eine wichtige Rolle spielen, haben sie beim beschriebenen Thema eine spezielle Verantwortung. Das gemeinsame Ziel kann und muss auch ein Mittel sein, Gegensätze zwischen den Religionen zu überbrücken. Etwa aufgrund einer Aussage wie: «Der gemeinsame barmherzige Gott will, dass die Menschheit lange, gut fortbesteht.»

Die folgende von Peter zitierte Passage aus dem Buch von Habermas ist diesbezüglich aufschlussreich: «…der Mensch dürfe sich beim Eingriff in genetisches Erbgut nicht an die Stelle des Schöpfers setzen, ohne damit die Würde und Freiheit künftiger Geschöpfe zu gefährden.» Wenn dem so wäre, dürfte der Mensch auch nicht in die Evolution eingreifen, die lange Zeit auf brutale Art und Weise die Entwicklung der Menschheit (aber auch ihre Anpassung und ihr langfristiges Fortbestehen) bewirkt hat. Dies indem die Nicht-Angepassten sich weniger vermehren konnten und so ausstarben. Dabei irritiert der Gedanke, dass eine Menschheit auf Stufe der Alt-Steinzeit (die stärker der Grausamkeit der Evolution ausgesetzt war) möglicherweise bessere langfristige Überlebenschancen hätte als die aktuelle Menschheit.

Mit freundlichen Grüssen,

Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach

Ab in die Wälder! Die Pilze warten!

von Christian Seiler

Im neuesten «Magazin» hat sich wohl ein Fehler in das Gnocchi-Rezept eingeschlichen: Der Wert differenziert um 100 Gramm, verglichen mit dem ursprünglichen Rezept in «Magazin» N° 12/20.

Gruss von einer begeisterten Nachkocherin

Regula Küng

Und das sagt Christian Seiler zu der Differenz in den Rezeptangaben

Ich folge bei diesem Unterschied einer Versuchsreihe, die zuerst vom Autor des Rezepts, Claudio Del Principe, und dann von mir selbst vollzogen wurde. In einer frühen Fassung des Rezepts auf seinem Blog hatte Del Principe für die Gnocchi 250 Gramm Mehl verwendet, sich aber anschliessend auf 150 Gramm hinuntergearbeitet, ein Mass, das er dann auch in seinem Buch «A Casa» veröffentlichte.

Unterschied: Die Gnocchi wurden noch um einen Hauch zarter und fluffiger. Ich hatte mich in meiner Kolumne, die sich allein um die Gnocchi drehte, noch auf das Rezept im Blog bezogen, aber bei späterer Gnocchiproduktion immer etwas weniger Mehl verwendet – inzwischen scheinen mir 150 Gramm das richtige Mass zu sein. Natürlich steigt mit der Reduzierung des Mehls die Gefahr, dass die Gnocchi zerfallen, was man beim Ausrollen allerdings eindeutig spürt - mit der Zugabe von Mehl kann man gegensteuern. Insgesamt fällt die Mehlmenge natürlich auch bei diesem Rezept unter die Mengenangabe qb: quando basta. Es braucht so viel, wie der Teig braucht, um zu halten – und so wenig, dass die Pasta maximal locker und fluffig ist.

N° 35 – 29. August 2020

Waldhausgeschichten

von Sven Michaelsen

Lieber Herr Michaelsen

Zu Ihrem in «Das Magazin» veröffentlichten hervorragenden Interview, welches Sie mit Urs Kienberger über das Hotel Waldhaus, Sils-Maria, führten, meine herzliche Gratulation. Es ist ganz toll, spannend und gleichzeitig entspannend geschrieben – ein journalistisches Meisterwerk.

Toutes mes félicitations.

Bien amicalement

Michel M. Favre

Linkssein tut manchmal weh

von Philipp Loser

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Kolumnen von Philipp Loser anfänglich einfach übersehen habe, wegen des unscheinbaren Fotos und weil andere vielleicht scheinbar origineller und lauter daherkommen. Tempi passati zum Glück, denn Losers Blogs haben es in sich, wie auch das Beispiel «Linkssein tut manchmal weh» wieder zeigt: sachlich, aber immer mit einer Portion konstruktiven Dynamits drin. Herausragend im «Tages-Anzeiger».

Werner Messmer, 8006 Zürich

Hallo, Herr Loser

Linkssein in Ehren, wenn man die Welt mit guter Absicht zum Bessern ändern will. Wie in der Klimapolitik. Leider ist das meistens nicht der Fall bei linken Politikern. Sie blenden wichtige Zusammenhänge einfach aus, um ihr Anliegen durchzuboxen.

Auf die grösste Milchkuh, die Wirtschaft, wird herumgehauen, ohne Rücksicht und Pardon. Viele Linke foutieren sich ganz einfach über den unternehmerischen Aspekt, was zwar kurzfristig angenehmere Arbeitsbedingungen bringen mag, langfristig aber genau das Gegenteil bewirkt. Nur eine gesunde Wirtschaft kann sozial sein. Die Linken produzieren wertlose Initiativen mit einer Unverschämtheit und einem Pathos, über die sogar Primarschüler nur den Kopf schütteln, weil sie so grundfalsch für unsere Gesellschaft und unser Land sind. Eben weil die Zusammenhänge und die schädlichen Konsequenzen einfach verschwiegen und ausgeblendet werden. Trotz dieser Verführungen, bleiben die Linken eine kleine Minderheit. Das Schweizervolk hat sie durchschaut.

Beste Grüsse

Peter Gmür, 8132 Hinteregg

Mit Interesse lese ich jeweils die Kolumnen von Philipp Loser. Mit der rubrizierten Kolumne trifft er den Nagel sehr genau auf den Kopf. Einfach herrlich formuliert, meinen Respekt für diese Zeilen, Herr Loser, einfach top!

Sie betrachten jeweils alle politischen Parteien mit der nötigen Sorgfalt, Genauigkeit und der Kritik, ohne zu besserwisserisch oder politisch gefärbt zu wirken. Schade, dass ich nicht den «Tag» lese, sondern den «Bund». Ich freue mich jedoch schon auf die nächste Kolumne von Philipp Loser.

FG

Urs Rufener

«Pferdmund»

von Thomas Widmer

Sehr geehrter Herr Widmer

Ihr Beitrag in der Ausgabe des «Magazins» vom 29.08.2020 (Seite 7) hat mich amüsiert. Deutsche Namen für Ortschaften im französischen und italienischen Sprachgebiet interessieren mich seit Jahrzehnten. Vor langer Zeit gab es zum Amtlichen Kursbuch auch eine Postausgabe; darin waren die Postzüge vermerkt, und das Ortsverzeichnis enthielt alle in den drei Amtssprachen vorhandenen Ortsnamen. Ein nach Dachsfelden adressierter Brief wäre auch vor der Einführung der Postleitzahlen angekommen.

Dass viele Ortschaften im Kanton Jura und südlich davon auch deutsche Namen haben, mag damit zusammenhängen, dass diese Ländereien früher zum Fürstbistum Basel (mit Hauptstadt Pruntrut) gehörten, und dieses war bis zu seinem Ende im Zuge der Umwälzungen nach der Französischen Revolution Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

In Basel gibt es übrigens eine Dachsfelderstrasse. In den im ausgehenden 19. Jahrhundert entstandenen Quartieren im Westen der Stadt Basel sind viele Strasse nach elsässischen Ortschaften benannt, aber mit dem deutschen Namen. Nur drei Beispiele: Pfirtergasse (Ferrette), Sennheimerstrasse (Cernay), Septerstrasse (Seppois).

Vor wenigen Jahren war ich einer alten Dame bei einigen Dispositionen behilflich. Auch für eine bescheidene Liegenschaft gab es etwas zu regeln. Dass diese in Pferdmund lag, trug zu meiner Erheiterung bei.

Vielen Dank für Ihren Beitrag!

Mit freundlichen Grüssen

H. Münch, 4052 Basel

Als Ergänzung zu Thomas Widmers «Pferdmund» lege ich einen sehr alten Artikel von Fritz Herdi bei. Er hat sich einst ebenso mit den verschiedenen Namen unserer Orte an den Sprachgrenzen befasst.

«Das Magazin» zählt zu unserer bevorzugten Samstagslektüre. Bitte so weitermachen!

Mit freundlichen Grüssen

Hans Jenny, 8153 Rümlang

Zum Cover und zu anderen Fotos in Heft N° 35

Ich frage: Ist es Aufgabe des geschätzten «Magazins», die Leserschaft in Depression zu führen? Die Ausgabe vom 29. August 2020 ist von den Bildern her ein Tiefpunkt. Ich könnte depressiv werden.

Es beginnt mit dem Titelblatt: Hingeschmiertes, unscharfes, düsteres Bild, mit einem zufällig angeschnittenen Hausteil, der das Geheimnis des Hotels beinhalten soll?

  • Seite 9: Ich fühle mich nicht als «Bruder der Bäume», sondern entwickle suizidale Gefühle.

  • Seite 13: Sieht nicht gerade nach Spasshaben aus.

  • Seite 18-19 (obere Bilder): Nein, Vertrautheit von Tinguely und Saint Phalle sieht anders aus.

  • Seite 23: Nochmals das Titelblatt: Trostloser und inhaltsloser geht's nicht mehr. Dilettantismus und eine Beleidigung für jeden Fotografen.

Einigen Trost bringen dann die Texte (Sven Michaelsen). Welches Hotel beherbergte so viele berühmte Persönlichkeiten? Beeindruckend!

Nur: Wie soll ich nun das Hotel «kritiklos lieben», oder wie soll ich es «elegant hassen»? Bräuchte zu Letzterem eine Gebrauchsanleitung.

Fazit und und mein Wunsch: Keine hingeschmierten Fotos mehr, die sogar noch Anspruch auf Kunst erheben.

Mit freundlichen Lesergrüssen

Matthias Pfister, 5200 Brugg

N° 34 – 22. August 2020

Rumination

von Nina Kunz

Sehr geehrte Frau Kunz

Vielen Dank für Ihre schöne Kolumne zum Thema «Rumination»!

Nur eine kleine Anmerkung: Es wäre schön, wenn die Angaben zur Etymologie des Begriffes etwas genauer wären. Als lateinisches Wort ist ruminatio schliesslich durchaus nicht nur im Englischen anzutreffen (italienisch ruminazione, französisch rumination etc.). Wenn Sie dies kurz beispielsweise bei «Wiktionary» überprüft hätten, wäre Ihre Kolumne noch besser. (Dort wäre übrigens noch ein interessantes Schopenhauer-Zitat zum Thema zu lesen.)

In den USA wurde zwar viel erfunden und entdeckt, aber doch nicht ganz alles.

In der Hoffnung, Sie mit meiner besserwisserischen Anmerkung nicht verärgert zu haben, grüsse ich Sie freundlich,

Isabelle Sailer, 5430 Wettingen

Ich dehne, also bin ich

von Carl von Siemens | Link zum Artikel

Von einer Kollegin habe ich den Artikel zugespielt bekommen. Mit Spannung, Freude und auch leichtem Amüsement habe ich ihn gelesen. Auch ich bin Yogalehrerin und habe meinen eigenen Stil entwickelt.

Dies hat verschiedene Gründe: Ich empfand das Yoga, seit ich es erlernt hatte, als zu männlich dominiert. Zudem kenne ich als Bewegungspädagogin die Stretching-Übungen, die in den Achtzigerjahren einen Boom erlebten. Mein Fazit ist, dass der Körper per se begrenzt ist, und daraus folgert der Schluss, dass die Dehn-, Stretching- und Yogahaltungen und alle körperlichen Übungen definierbar sind.

Wie unterscheidet sich eine «Gymnastik» von einer Asana? Für mich sind beim Yoga ganz klar die Präsenz und der Fokus auf andere Inhalte ausgerichtet. In meinem eigenen Yoga unterrichte ich körpergerecht, das heisst anatomisch richtige Übungen für die Menschen, welche zu 95 Prozent keine Athleten und auch im Schnitt über 35 Jahre alt sind.

Es ist immer die Haltung dahinter, welche nicht nur die Technik, aber auch den spirit definiert. Deshalb finde ich es gut, wenn wir anfangen, die Herkunft des Yoga zu entmystifizieren und gleichzeitig den gemeinsamen Nenner suchen, sei er noch so klein.

Freundliche Grüsse

Zoë D. Lorek

Werden wir nun alle gesichtsblind?

von Anuschka Roshani

Als Betroffener von Prosopagnosie muss ich eine wesentliche Korrektur am Artikel anbringen. Zu meiner Gesichtsblindheit: Für mich sehen alle Europäer etwa gleich aus, so wie vielleicht für viele Leute alle Afrikaner oder Chinesen.

Eine Jugenderinnerung: Als Zweit- oder Drittklässler unterwegs in Zürich werde ich plötzlich unsanft am Ohr gepackt und eine bekannte Stimme sagt: «Grüsst man seinen Lehrer nicht mehr?» Erschrocken antworte ich: «Aber ich habe Sie ja gar nicht erkannt.» – «Und lügen tust du auch noch!» Und schon klatschte die Ohrfeige (das war vor 75 Jahren). Und das Nicht-Erkennen der Leute begleitete mich mein ganzes Leben. Filme verstehe ich nicht, denn sobald der Darsteller die Kleider wechselt, erkenne ich ihn nicht mehr. Neue Bekannte mache ich sofort darauf aufmerksam, dass ich sie fünf Minuten später auf der Strasse nicht mehr erkenne. Sie sollen dann doch mir sagen, sie seien der Peter oder die Anna, dann kommt mir sofort alles in den Sinn, von der Telefonnummer über das Geburtsdatum bis zum Namen der Hauskatze.

Aber ich kann ohne Weiteres die Gefühle der Mitmenschen an den Gesichtern ablesen. Wut, Trauer, Freude, Zustimmung, Ablehnung, Langeweile, Erregung usw. erkenne ich problemlos. Da ist Gesichtsblindheit absolut kein Hindernis, im Gegensatz zu der Behauptung im Artikel. Auch für mich ist die Maske in dieser Hinsicht ein Hindernis, während sie beim Erkennen der Person keine Rolle spielt, da ich die Person ja ohnehin nicht am Gesicht erkenne.

Felix Ziegler

Sehr geehrte Damen und Herren

Im «Magazin» vom 22. August dieses Jahres beschreibt die Autorin A. Roshani die «Krankheit Gesichtsblindheit (Prosopagnosie)». Sie berichtet, Gesichtsblinde könnten Gesichter zwar sehen, sie jedoch «nicht lesen». «Nase, Augen, Mund» seien für sie «nur bedeutungslose Merkmale, ohne Sinn». Weiter: «Wut oder Trauer etwa erkennen sie nicht; alle Gesichter sehen so aus, als hätte man ihnen eine Strumpfmaske übergestülpt – für Gesichtsblinde ist da nichts als ein weisser Fleck, nichtssagende Leere.»

Ob es, vielleicht bei Hirnverletzungen, Arten der Prosopagnosie gibt, die sich in dieser extremen Form zeigen, kann ich nicht beurteilen (das Thema ist leider noch wenig erforscht). Aber dass die meisten «Gesichtsblinden» eben nicht gesichtsblind sind, sondern Gesichter sehr wohl sehen und auch den Gesichtsausdruck ganz normal deuten können, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Schwierig und manchmal unmöglich ist einzig das Zuordnen eines Gesichts zu einer bestimmten, bekannten Person. Das heisst, alle «Gesichtsblinden», die ich kenne und die wissen, dass sie diese Behinderung haben, mussten im Verlauf ihres Lebens erkennen, dass es nicht ganz normal ist, wenn sie schon als Kind ihre Klassengspänli, später einen guten Freund, die Arbeitskollegin, den Schwager oder sogar die eigene Partnerin bei einer unerwarteten Begegnung nicht erkennen.

Prosopagnosie behindert das Knüpfen und Pflegen eines privaten und beruflichen Netzwerks sehr subtil. Viele Betroffene leiden ein Leben lang darunter, ohne es benennen zu können. Obwohl laut Forschungen der Universität Münster etwa zwei Prozent der hiesigen Bevölkerung mehr oder weniger stark von Prosopagnosie persönlich betroffen sind, ist das Phänomen in der Gesellschaft wie auch bei den Ärzten weitgehend unbekannt.

Freundliche Grüsse

Brigitta Guggisberg

Schau, ein Tessinerli!

von Philipp Loser

Grüezi,

toll , was die SVP-Hasser Philipp Loser, Fabian Renz und weitere Mal für Mal in Ihren Zeitungen schreiben. Vermutlich wären diese Leute arbeitslos, wenn es die SVP nicht geben würde.

Das schreiberische Talent der Erwähnten ist wohl zu nichts anderem zu gebrauchen, als schlecht über die SVP zu berichten. Erstaunt bin ich immer wieder, mit welcher Überzeugung diese Leute ihre persönliche Meinung bekannt geben. Eine neutrale Berichterstattung über und um die SVP ist für die Genannten wohl ein Fremdwort. Es ist für sie schlicht unmöglich, dass die SVP auch mal was Gutes machen könnte.

Was würde wohl passieren, wenn solche Leute definitiv das Sagen hätten. Halleluja!

Schönes Wochenende und Grüsse vom Zürichsee

Peter Hotz, Oberrieden

Tja, als Zyniker ist der gute Herr Loser kaum zu überbieten. Schon die Woche zuvor kriegte er von Herrn Bosshard aus Biel eine ganze Breitseite. Herr Bosshard, nicht alles wörtlich nehmen! Journalisten haben fast alle die Eigenschaft zu provozieren. Das ist Teil ihrer DNA, jedenfalls die der Erfolgreichen. Heute muss ich aber zum Beitrag sagen, dass die Beschreibung unserer romanischen Eidgenossen voll danebengeht. Wir Deutschschweizer haben wenig Ahnung, wenn es um Welsche oder Tessiner geht. Die gängigen Klischees sind kindisch und überholt. Auch hat Herr Loser sich mit dem BlocherZitat keinen Gefallen getan, denn dieser Schuss geht voll daneben. Herr Blocher ist durch und durch Germane, und so nicht geeignet, hier mitzureden ! Es gibt immer Gründe und Gelegenheiten, andere zu kritisieren. Man bleibt aber besser sachlich und fundiert, weil man sich sonst selbst blamiert !

Mark Gasche, 3422 Kirchberg BE

N° 33 – 15. August 2020

«Tier- und Menschenrechte gehören zusammen»

von Gaby Baldinger

Das Interview von Gaby Baldinger mit der Tierrechtsanwältin Charlotte Blattner hat meine Seele berührt.

Vor kurzem habe ich meine Hündin verloren und ihr ein dogbituary, einen Hundenachruf, geschrieben. Darin beschrieb ich die «Perronalität» meiner Hündin, ein Wort, das ich aus dem spanischen perro (Hund) und dem englischen Wort für Persönlichkeit schuf.

Das Interview informierte mich über animal agency, interspecies justice und andere Konzepte – wunderbar für jemanden, der sich wie ich schon lange fragt, woher um alles in der Welt wir die Idee haben, dass wir Menschen die überlegene Spezies sind.

Ximena Escobar de Nogales, medium.com/@ximena.escobardenogales

Frau Escobar de Nogales fragt sich schon lange, wie wir Menschen dazu gekommen sind zu meinen, die überlegene Spezies zu sein. Nun, diese «Idee» ist eine Tatsache. Wir sind überall vertreten : auf Land permanent, unter Wasser recht oft und sogar gelegentlich im All. Wir sind nicht nur überlegen, nein, wir sind einzigartig und einmalig! Leider hat sich die Menschheit seit ihrem Anfang stetig weg von der Natur und hin zur Irrationalität entwickelt. Heute zerstören wir unsere Umwelt im Schnellzugstempo. So etwas kann nur eine überlegene Spezies.

Unser einzigartiges Hirn ist fähig, immer ausgefallenere Ideen zu entwickeln und teilweise sogar umzusetzen, aber bis jetzt fehlt das dritte Element, die Nachhaltigkeit! Der Mensch denkt oft nicht zu Ende!

Es gibt zwar mehr und mehr Proteste gegen Missstände aller Art. Sogar Millionen von Menschen erreichen aber so gut wie nichts gegen die Macht von Industrie und Technologie, die mittels «goldenem Kalb» (Geld) alles unter Kontrolle haben. So werden wir heute nicht nur regiert, sondern regelrecht manipuliert. Der Egoismus von heute macht es ihnen leicht, denn wenn es wirklich hart auf hart geht, verschwindet die Solidarität blitzartig.

Die Frage von Frau Escobar de Nogales ist eher eine philosophische, denn nur als «überlegene Spezies» konnten wir es auf diesem Planeten «so weit» bringen!

Mark Gasche, 3422 Kirchberg BE

Bianca und Brigitte

von Thomas Schifferle | Link zum Artikel

Sehr geehrter Herr Schifferle

Ich habe soeben Ihren Bericht im «Magazin» gelesen und finde ihn einfach wunderbar feinfühlig, authentisch, liebevoll und ehrlich. So etwas mal von Männern zu lesen ist sehr aussergewöhnlich! Es hat mich sehr berührt und zu einem Echo bewegt.

Ich danke euch beiden, für eure Liebe zu euern Frauen, danke, dass Sie Ihr Herz geöffnet haben, für den Einblick in Ihren Schmerz des Verlustes und für den Mut, dies noch öffentlich zu schreiben. Was Sie und Ihr Freund durchgemacht haben, kann ich nur ein bisschen nachvollziehen. Das Leben bereitet uns auf verschiedene Art Verluste, mit denen niemand einfach so gut umgehen kann. Sie verfallen weder in Bitterkeit noch Auflehnung, auch nicht in unnütze Hinterfragerei, weshalb und wieso und überhaupt! (Ausser vielleicht im stillen Kämmerlein, was durchaus verständlich wäre! ) Das finde ich so stark, trotz der grossen Trauer. Und dass Sie im Leid zu einer verbundenen Freundschaft finden, ist einmalig.

J. P.

Lieber Herr Schifferle

Das ist die schönste Liebesgeschichte, die ich je gelesen habe. Sie hat mich zu Tränen gerührt.

Es ist das Kostbarste, was Sie auf dieser Erde haben erleben dürfen, eine wahre Liebe. Es gibt wohl nur wenige, die dies von sich sagen/schreiben dürfen.

Wir sind all nur zu Gast für kurze Zeit auf dieser Erde – irgendwann und irgendwo werden Sie Ihre Seelenverwandte wieder treffen im Jenseits. Bis dahin werden Sie Ihren Weg weitergehen, und Sie dürfen sich glücklich schätzen, eine so grosse Liebe haben erleben zu dürfen.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft

P. Holenstein

Sehr geehrter Herr Schifferle

Ihr persönlicher Bericht sowie jener von Herrn Clalüna über den Tod Ihrer geliebten Frau berührt mich tief.

Es ist der sorgfältige Umgang in den letzten Tagen und vor allem die tiefe Liebe und Wertschätzung gegenüber Ihrer Lebenspartnerin, die nahegehen und bei aller Trauer das Herz warm werden lassen. Auch die geschilderte Verdichtung Ihrer Freundschaft ist berührend!

Ich wünsche Ihnen viel Kraft, Trost, Wärme, Geborgenheit, Lichtblicke, Zuversicht!

In grosser Hochachtung und Dankbarkeit dafür, dass Sie uns Leser einbezogen und uns damit viel gelehrt haben über letzte Stunden, Abschied, Freundschaft, Liebe, Wertschätzung, Treue und Solidarität.

Maïté Kreienbühl

Land der Verwöhnten

von Philipp Loser

Liebes «Magazin»-Team

Hat Philipp Loser sich über die Wirksamkeit von Masken aus verschiedenen Quellen informiert? Weiss der Autor, wie die angepeilte Impfung gegen Sars-CoV2 funktionieren soll und wie lange eine seriöse Entwicklung eines Impfstoffs dauert?

Ist es o.k. zu fordern, dass von einem bedeutenden Teil der Bevölkerung nicht erwünschte Einschränkungen und Unfreiheiten klaglos in Kauf genommen werden, mit dem Argument, dass die Freiheit andernorts noch mehr beschränkt wird?

Möchte das «Magazin», welches zu vielen Themen kritische Beiträge publiziert, ein Volk und eine Leserschaft von Hörigen, die alles hinnehmen, weil das Leben in anderen Ländern viel schlimmer ist?

Ich wünsche mir einen Artikel über die Konsequenzen dieses Denkens, wenn wir es auf andere Bereiche wie Wirtschaft, Ökologie und Politik anwenden würden. Aus meiner Sicht ein enttäuschender, profilloser Kommentar zu einem ausgelutschten Thema, von einem Autor, der mehr draufhätte.

Daniel Bosshard, 2503 Biel

N°32 – 15. August 2020

Der Zerstörer

von George Packer | Link zum Artikel

Ich war begeistert von der letzten Nummer («Die Versehrten Staaten von Amerika»). Schon für diese einzige Nummer lohnt sich das Jahresabonnement (an den Bund).

Ich glaube an Spitzenjournalismus und hoffe, dass er uns ein Stück weit von allen Trumps der Welt schützen kann.

Jean-Eric Bertholet, Biel

Statt laufend auf den USA hysterisch herumzutrampeln, würde man besser die «Schweinereien» im Staate Schweiz anklagen. Da wäre wohl die bekannte Redensart gegeben.

Roland Grüter, 6006 Luzern

Frei nach Jack London: Als Gott die Welt erschuf, blieb ihm am Schluss noch ein Häufchen Dreck. Daraus machte er Donald Trump.

Water Fischer, 5632 Buttwil

Der Publizist George Packer beschreibt anschaulich die Situation, in die Donald Trumps Präsidentschaft die USA gebracht hat. Charakteristisch für diese Entwicklung ist dabei das Prinzip «The winner takes it all». Das gilt zunächst für das spezielle Wahlmänner-System, bei welchem gilt: Alle Stimmen gehen an nur einen Kandidaten, auch wenn dieser – im Extremfall – nur einen Wähler mehr auf seiner Seite hat. Ein gerechteres System hätte Trumps Wahl verhindert.

Typisch für Trump ist, dass ihm jedes Mittel recht ist, um zu den Gewinnern zu zählen. Im Gespräch mit McCabe nutzte er besagtes Prinzip als Drohung und Ratschlag: «Ja, das muss wirklich hart gewesen zu sein …eine Verliererin zu sein.» So die Worte Trumps in Bezug auf die Wahlniederlage der Frau von McCabe. Umgekehrt gilt «The loser loses all». Wem gekündigt wird, der verliert auch die Krankenversicherung, und wem der Job bei der Regierung gekündigt wird, der hat kaum mehr Chancen auf eine entsprechende neue Stelle.

Ein Gegengewicht gegen die Ungleichheit bieten die Kirchen, denn vor Gott sind alle gleich. Auch die Unterstützung der Evangelikalen hat Trump genützt. Wo dieses Mittel nicht funktioniert, wird zu Drogen gegriffen. Dies mit der Folge, dass die Macht der Drogengangs und Drogenbosse in Südamerika das Leben unerträglich macht: eine Ursache der zunehmenden Migration in die USA.

Das genannte Prinzip wird auch durch den Fortschritt gefördert. Die erfolgreichsten Firmen verstärken das Wohlstandsgefälle, machen Milliardäre und bieten im Vergleich zu den Gewinnen nur wenig gute Arbeitsplätze(besonders gut sichtbar im Silicon Valley). Der amerikanische Traum vom Tellerwäscher zum Millionär ist nicht mehr realisierbar . Das Tellerwaschen erledigen Maschinen, aber es gibt auch nur für immer wenigere die Möglichkeiten, dadurch Millionär zu werden, dass man solche Maschinen erfindet.

Die Reaktion auf diese Situation besteht darin, mehr Respekt für die Verlierer (etwa am Arbeitsmarkt) zu fordern. Ein Überschiessen dieser gerechtfertigten Reaktion könnte ebenfalls Trump nützen. Das genannte Prinzip hat auch für «loser» einen attraktiven Aspekt. Ein Bauer wurde mal gefragt, warum er immer noch Monarchist sei. Er meinte, er habe die Erfahrung gemacht, dass ein fettes Schwein weniger frisst als zwölf magere.

Im Interview sagt George Packer, der Autor des Artikels, Trump «könnte aber auch als der Präsident gesehen werden, der die Zerstörung von Institutionen und einer Kultur vorantrieb, die schon marode und nicht mehr wiederherzustellen waren. Alles hängt davon ab, was nach ihm kommt.» (Hoffentlich nicht z.B. die Kultur Afghanistans, Angolas oder Venezuelas.) Damit es aber einen guten Weg in die Zukunft gibt, genügt es nicht, die Fehler eines Präsidenten zu beschreiben, der alles tat, um „winner“ zu bleiben, und daneben zu wenig tat, um die aktuellen Probleme zu lösen. «Um die USA wieder ein klein wenig <greater> zu machen», reicht es wohl nicht, die Präsidentschaft Trumps zu beenden. Notwendig ist vor allem, auch die Zielkonflikte (demografische und ökonomische) zu benennen und ein gemeinsames (Gräben überwindendes) höheres Ziels anzupeilen.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach