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Die Wurzeln des UnternehmensLonza will Chemiegeschäft verkaufen

Der Schweizer Pharmazulieferer konnte trotz Corona-Krise den Gewinn steigern und damit die Schätzungen der Analysten übertreffen. Nun will sich Lonza von der Spezialchemie trennen.

Das Gebäude der Firma Lonza in Basel.
Das Gebäude der Firma Lonza in Basel.
Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Lonza ist mitten in der Corona-Krise weiter gewachsen und hat im ersten Semester 2020 auch mehr Gewinn gemacht. Zugpferd war einmal mehr die Pharmasparte. Das in der Sparte Lonza Specialty Ingredients (LSI) gebündelte Chemiegeschäft – die Wurzeln des Unternehmens sozusagen – wird zum Verkauf ausgeschrieben.

Am Ende ist es schnell gegangen. Dass Lonza Optionen für das LSI-Geschäft evaluiert, ist zwar schon seit einem Jahr bekannt. Der Entscheid sollte aber irgendwann im zweiten Halbjahr 2020 gefällt werden.

Zur Debatte standen vier Varianten: Lonza behält das Geschäft, verkauft es, spaltet es ab oder bringt es an die Börse. Nun wird also ein Käufer gesucht. Und Lonza kann sich auf seine Rolle als Produktionspartner der Pharma- und Biotechindustrie konzentrieren.

Der Zeitpunkt für einen Verkauf ist nach Ansicht von Lonza «optimal». Die lange Jahre schwächelnde SLI-Sparte habe während der Covid-19-Pandemie gut abgeschnitten. Zum Portfolio gehören unter anderem Desinfektionsmittel sowie Hygiene- und Körperpflegeprodukte.

Glanzstück Pharma

Doch das Glanzstück bei Lonza ist und bleibt das zweite Segment Pharma Biotech & Nutrition (LPBN), das Dienstleistungen für die Pharmabranche erbringt. Dessen zweistelliges Umsatzwachstum und die «robusten» Margen hätten auch zuletzt die Performance bei LSI mehr als wettgemacht.

In Zahlen ausgedrückt stagnierte bei LSI der Umsatz im ersten Semester bei 819 Millionen Franken und der operative Gewinn «Kern-EBITDA» ging um 1,2 Prozent auf 161 Millionen zurück. Die Marge stieg aber leicht auf 19,7 Prozent – aus Sicht von Lonza ein gutes Verkaufsargument.

Ganz anders die Zahlen beim Segment LPBN, das unter anderem Pharmakonzerne mit Wirkstoffen für Medikamente beliefert. Hier kletterten die Verkäufe um 10,8 Prozent auf 2,22 Milliarden Franken und der Kern-EBITDA um 9,7 Prozent auf 760 Millionen.

Beide Teile zusammengenommen, steigerten die Basler ihren Umsatz von Januar bis Juni in Lokalwährungen um 7,7 Prozent auf 3,07 Milliarden Franken. Der starke Franken forderte allerdings seinen Tribut. Das in Franken ausgewiesene Umsatzplus beträgt nur 3,3 Prozent.

Davon blieben 706 Millionen Franken als Betriebsgewinn «Kern-EBITDA», 9,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die entsprechende Marge erhöhte sich um 1,3 Prozentpunkte auf 29,1 Prozent.

Unter dem Strich stand ein Reingewinn von 478 Millionen Franken zu Buche. Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Lonza die Schätzungen der Analysten übertroffen.

«Pandemietempo»

Viel geredet wurde in den letzten Wochen über die Zusammenarbeit mit der US-Firma Moderna. Lonza soll den Wirkstoff für die begehrte Impfung herstellen, sobald sie auf den Markt kommt. Modernas Impfstoffkandidat gehört zu den am weitesten fortgeschrittenen in den klinischen Entwicklung.

Lonza und Moderna hatten ihre zehnjährige strategische Zusammenarbeit im Mai bekanntgegeben. Die Zusammenarbeit wurde seither im «Pandemietempo» vorangetrieben, erklärte Lonza nun.

Man habe den Technologietransfer bereits abgeschlossen und Lonza werde die erste Charge voraussichtlich bis Ende Juli 2020 in seiner US-Anlage in Portsmouth herstellen.

Prognose ist zurück

Die Zuversicht über den Geschäftsgang bei Lonza ist den letzten Monaten offenbar gestiegen. Das Unternehmen bekräftigt jedenfalls seine zu Jahresbeginn abgegebene Prognose für 2020. Im April noch hatte Lonza darauf verzichtet, die Guidance zu bekräftigen.

Demnach gilt wieder: Lonza will 2020 ein Umsatzwachstum über dem mittleren einstelligen Bereich erzielen sowie eine stabile Kern-EBITDA-Marge. 2019 lag die genannte operative Gewinnmarge bei 27,4 Prozent.

Allerdings gibt es noch einen Disclaimer: Alle Prognosen seien vor dem Hintergrund der weltweit unsicheren Lage «mit besonderer Vorsicht» zu geniessen, schreib Lonza.

SDA

14 Kommentare
    Sacha Meier

    Der Verkauf der Chemiesparte der Lonza ist ein völlig richtiger Entscheid. Hat ja auch die Chemie Uetikon 2017 so gemacht. Ideal wäre ein chinesischer Käufer - wie schon bei der Syngenta. In unserem Land mit seiner modernen, postindustriellen Konsumwirtschaftsgesellschaft, die ihre Erträge aus der unantastbaren Hochpreisinsel des zuwandernden Konsums schöpft, hat die Old Economy mit ihrer niedrig rentablen Basisindustrie (Rohstoffe, Halbwaren, Basischemikalien, Komponenten und Werkzeuge/Produktionsmittel) schlicht keine Zukunft mehr. Der Aktionär will ordentliche Renditen und Dividenden sehen. Und das geht heute fast nur noch mit zwangsprämienfinanzierten Geschäften - wie eben etwa mit pharmazeutischen Spezialitäten, sowie massgeschneiderten, teueren Individualtherapien. Spätestens in fünf Jahren, nach Fertigstellung der Programme «Made in China 2025», OBOR, BRI & Co. wird China sein Weltreich hochziehen. Das ist mindestens der Plan von Xi Jin-Ping gemäss seinem Buch mit dem gleichnamigen Denken. Wer bis dann nicht verkauft hat, geht leer aus - und sitzt auf einer wertlosen Industriebrache ohne chinesische Rohstoffe. Darum muss alles an Technologie und Industrie noch weg nach Asien. So können wir uns - bis zum Niedergang des Westens nach dem Vorbild des alten Roms - auf die wirklich ertragreiche Dienstleistung, den Chinahandel, sowie die virtuelle Finanzwirtschaft konzentrieren. Dazu natürlich Werbung.