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Corona-Unterhaltung Macht lieber mal ein Meisterwerk!

Wegen des Virus überschwemmen uns Künstler und Entertainer mit Spontanbeiträgen. Es ist schrecklich.

«Unterhaltung ist doch einfach unsere Verantwortung»: Michelle Hunziker in der Sendung «Quarantäne-WG».
«Unterhaltung ist doch einfach unsere Verantwortung»: Michelle Hunziker in der Sendung «Quarantäne-WG».

Es gibt ja so einige neue Phänomene, die uns die momentane Krise beschert hat. Zum Beispiel ein paar hübsche, bisher kaum in aktiven Wortschätzen sich tummelnde Wortfügungen: Die «Herdenimmunität» ist wohl eine der schönsten. «Massendurchseuchung» ist auch recht mitreissend.

Kinder führen auf einmal zu «Elternstress», von Behörden werden forsche Dinge wie «Abstand & Hygiene» und «Kontaktsperre» verordnet, und das Volk findet, dass man ruhig noch ein bisschen weiter gehen könnte. Forscherinnen empfehlen, das Virus zu häkeln, um den Kindern die Angst davor zu nehmen, und Astronauten geben Tipps, wie man sich so verhalten soll, wenn man eingesperrt ist (Astronauten-Grundtenor: Such dir ein Hobby!).

Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Musiker sich dabei filmen lässt, wie er sich am Küchentisch die Holzgitarre umschnallt und ein Liedchen anstimmt.

Ein Phänomen, das gerade besonders in der Kulturszene grassiert, ist der «Kreativstau». Und – wenn wir ganz ehrlich sind – beginnt allmählich ein klitzekleines bisschen belastend zu werden. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Musiker sich dabei filmen lässt, wie er sich am Küchentisch die Holzgitarre umschnallt und ein Liedchen zu den Themenbereichen Solidarität oder gesellschaftlicher Zusammenhalt anstimmt.

Zunächst hat man das ja noch sympathisch gefunden. Man hat sich gesagt, ja, ja, die Künstler. Wo wollen sie auch hin mit ihrer eingesperrten Kreativität? Wie allerliebst sie doch mit der Krise umgehen und den Menschen trotz aller Misslichkeiten ein Häppchen Kleinkunst auf die heimischen Fernsprech- oder elektronischen Datenverarbeitungsanlagen senden.

Gemüse kochen in der «Tagesschau»

Doch spätestens als der hundertste Musikschultrompeter auf dem Balkon einen konzertanten Lagebericht seiner Grundkursausbildung abgegeben hat, nachdem das tausendste Wohnzimmerständchen in prekärer Handymikrofon-Tonqualität über den Bildschirm gerauscht ist, ist man sich gar nicht mehr so sicher, ob man diese Spontaneitätsepidemie aus der Kreativszene wirklich weiter begrüssen mag.

Das Dumme ist nur, dass die Menschen in Sachen Ablenkung gerade sehr empfänglich sind. Und so basteln sich die Homeoffice-Fernsehredaktoren aus den Videotrümmern der Quarantänemusikanten ihre Beiträge zusammen. In diesem Klima der kulturellen Gutgläubigkeit hat es kürzlich gar der hoch geschätzte Stephan Eicher in die Hauptausgabe der «Tagesschau» gebracht – also dorthin, wo man es als Popmusiker allerhöchstens schafft, wenn einem im KKL gerade irgendein Ehrenpreis fürs Lebenswerk ausgehändigt worden ist. Man konnte in Eichers «Tagesschau»-Handyvideobeitrag mitverfolgen, wie der Barde zu einem sonderbar überproduzierten Halb-Playback singend Gemüse kochte.

Wie alleine Fasnacht feiern

Eine andere Art, mit seiner Einsamkeit umzugehen, wählte DJ Antoine. Ihm gefiel es, aus seinem Eigenheim eine Einmannparty ins Netz zu übertragen, an welcher er neben dem Auflegen überraschungsarmer Tanzbodenmusik und dem Ausstossen begeisterter Stimmungsjuchzer Champagnerflaschen entkorkte und mit seinem Handy noble Einrichtungsgegenstände abfilmte. Das Ganze erreichte etwa ähnliche Elendsdimensionen, als würde sich jemand dabei filmen, wie er allein zu Hause Fasnacht feiert.

Wie hat unsere Michelle Hunziker in einer dieser Quarantäne-Improvisationssendungen kürzlich so falsch behauptet: «Unterhaltung ist doch einfach unsere Verantwortung.» Ist sie das? Warum nicht in den Keller steigen und am Song arbeiten, der die Welt dereinst aus den Fugen katapultieren wird? Warum nicht einfach kurz schweigen und die Menschheit damit auf den Moment heiss machen, in dem wieder laute, fette Konzerte mitsamt Körperkontakt möglich sind? Was, wenn die Leute sich an diese Wegwerf-Handykultur akklimatisieren? Was, wenn auf einmal auch Pyrotechniker oder Metzger glauben, sie müssten Filme davon produzieren, wie sie – dem Shutdown zum Trotz – im heimischen Wohnzimmer ihrer Berufsleidenschaft nachgehen?

Fragen über Fragen. Und nur eine Antwort. Macht mal Pause!

10 Kommentare
    Volkmar

    Guten Tag,

    was für ein überflüssiger und nicht sonderlich guter Artikel. *Ironie on* Klingt so, als wenn Sie Daheim gezwungen werden, sich das komplette Internet von vorn bis hinten ansehen müssen. Sie tun mir wirklich leid, was für schlechte Menschen, mit denen Sie da scheinbar zusammen wohnen... *Ironie off* (Damit Sie das auch verstehen...)

    Jeder hat die freie Wahl zu entscheiden, was er oder sie mit seiner oder ihrer Zeit macht. Und wen sich jemand langweilt und er meint, dass der Öffentlichkeit zu präsentieren, dann soll er das doch tun. Und genauso hat jeder die freie Wahl, sich anzusehen, was er will, gerade im www. Oder eben auch nicht. Ich werde mir ein geschrammel oder schlecht vorgetragene Lieder sicher nicht angucken, weil ich es ja auch nicht muss. Aber was ich mir ansehe sind z. B. gestreamte Sofakonzerte von Künstlern, deren Konzerte ich in diesen Tagen vielleicht eh besucht hätte, was leider ja nicht mehr möglich ist. Und es gibt sicher genügend Menschen, die sich an solchen Darbietungen auch am zweiten Wochenende noch erfreuen.

    Sie scheinen Ihre Langeweile ja auch mit mittelmäßigen Artikeln zu füllen. Und? Gehe ich jetzt online oder erstelle ein Video, dass ich posten könnte, in dem ich Ihnen das versage?

    Das soll keine Beurteilung über die mitunter mangehafte Qualität des Dargebotenen sein, sicher nicht. Aber dass Sie sich anmaßen zu entscheiden, was Menschen in dieser Ausnahmesituation mit Ihrer Zeit machen, steht Ihnen nicht zu.