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Bromance im KinoMännerfreundschaft – besser als eine Beziehung?

«The Climb» ist die Komödie zum Velotrend. Und wirklich komisch.

Mike (rechts) wartet einen guten Moment ab, um seinem Kumpel Kyle zu gestehen, dass er mit dessen Verlobten geschlafen hat.
Mike (rechts) wartet einen guten Moment ab, um seinem Kumpel Kyle zu gestehen, dass er mit dessen Verlobten geschlafen hat.
Foto: PD

In seinem Buch «Die Liebe zur Geometrie» über den Komiker Buster Keaton schreibt der Journalist Klaus Nüchtern, besonders beglücke ihn Keatons Humor dort, wo er nicht vom Scheitern, sondern vom Gelingen handle. «The Climb» müsste ihm also gut gefallen, denn die Komödie der Amerikaner Michael Angelo Covino und Kyle Marvin besteht aus sieben ausgeklügelten, oft ungeschnittenen Sequenzen. Sie lösen Gelächter aus, weil alles aufgeht.

Dabei handelt die Geschichte von einer schweren, man muss sagen: chronischen Störung. Mike und Kyle – die Autoren spielen die Hauptrollen selbst – sind beste Freunde, Mike ist Trauzeuge an Kyles Hochzeit, die bald stattfindet. Mitten im Aufstieg auf einer Radtour in Südfrankreich (Regisseur Covino ist ein vernarrter Velofan) gesteht Mike aber seinem Kumpel, dass er mit dessen Verlobten geschlafen hat. Was folgt, ist eine hervorragend getimte und ausserordentlich lächerliche Verfolgungsjagd.

Zwei gewitzte Autoren

Die beiden Kollegen haben «The Climb» aus einem Kurzfilm heraus entwickelt, den sie am Sundance-Festival vorgestellt hatten. Es ist nicht ganz falsch, wenn man sagt, der Kinofilm bestehe nur aus einem einzigen Witz, nämlich dass Mike die Tendenz hat, die Beziehungen seines Freundes zu zerstören. Es ist wie eine schlechte Angewohnheit; Mike mag eine unmögliche Art haben, nur stehen die Frauen eindeutig eher auf ihn als auf Kyle, der es allen recht machen will.

Angesichts des verblassten Bromance-Trends im Kino wirkt «The Climb» wie ein spätes Management Summary, dass, wer eine Männerfreundschaft hat, eine Liebesbeziehung eigentlich nicht braucht – denn jede Frau, die Kyle kennen lernt, wird bald auch Mike begegnen, und deren Verbindung scheint stärker als alles andere. Die Autoren erweisen sich dann aber als sehr gewitzt, die Prämisse des Beziehungskillers auf den Kopf zu stellen.

Was zum Beispiel, wenn die Familie von Kyle, die Mike trotz allem ins Herz geschlossen hat, ihn am Weihnachtsabend einlädt, weil er immer so einsam ist? Und die ihn bei der Gelegenheit richtiggehend dazu anstiftet, etwas zu unternehmen, damit Kyle nicht allzu lange mit seiner neuen Freundin Marissa zusammenbleibt? Und was, wenn diese Marissa, die Mikes Spiel bald einmal durchschaut, ihrerseits dazu übergeht, die Situation zu unterwandern, indem sie sich zwischen die beiden Männer schiebt, als «homewrecker» der ganz eigenen Art?

Es kommt dann anders, aber am Ende bleiben zwei Freunde verbunden durch den Verrat, der wahrscheinlich nur aus Zuneigung geschieht. Voneinander loskommen werden sie jedenfalls nie mehr. Das letzte Kapitel ist dann wieder eine kleine Velofahrerkomödie für sich. Ein Bild für die Zukunft, in der alles noch komplizierter wird, aber vielleicht doch so, dass man es zumindest ein Stück weit ein bisschen fahren lassen kann.

«The Climb»: im Kino.