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Kolumne zum Zürcher StadtbildMan bemerkt sie kaum, aber sie sind überall

In Zürichs Strassen wimmelt es von Nischen, die manchmal aussehen wie kleine Tempel. Sie stammen aus Tagen, als dies eine Drecksstadt war.

Ein besonders schmuckvolles Scharreisen aus französischer Produktion an der Morgartenstrasse.
Ein besonders schmuckvolles Scharreisen aus französischer Produktion an der Morgartenstrasse.
Foto: Anna-Tia Buss

Stadtbild Nr. 58

Es gibt Dinge, die sieht man ein Leben lang nicht – und dann sieht man sie plötzlich überall. Eine Kollegin hat auf diese wunderlichen kleinen Nischen hingewiesen, die sich in manchen Zürcher Strassen neben fast jedem Hauseingang finden. Ein in Stein gemeisseltes Katzentürchen? Ein Torbogen für den Hausgnom? So viel animistische Poesie traut man dieser Stadt kaum zu. Tatsächlich gibt es für die Nischen eine eher prosaische Erklärung.

Ihre Funktion ist überall dort ersichtlich, wo das oft fehlende Stück noch vorhanden ist: das Scharreisen. Mit diesem schönen, leider in Vergessenheit geratenen Wort bezeichnet das Schweizerdeutsche laut Idiotikon ein «Eisen vor der Haustür zum Abkratzen der Schuhe». Worin unterscheiden sich Mensch und Tier? Die einen scharren, nachdem sie sich erleichtert haben, die Krone der Schöpfung hingegen nur, nachdem sie majestätisch in ein fremdes Häufchen getreten ist.

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