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Die Schweizer in der EinzelkritikMarathonmann Embolo und Meister Xhaka

Der Stürmer und der Captain verdienen sich die besten Noten gegen Deutschland. Und was auch auffällt: Keiner ist ungenügend.

Embolo zeigte gegen Deutschland ein gutes Spiel.  Bitter für ihn, dass er verletzt ausgewechselt werden musste.
Embolo zeigte gegen Deutschland ein gutes Spiel. Bitter für ihn, dass er verletzt ausgewechselt werden musste.
Foto: Keystone

Yann Sommer – 4,5

Verhindert nach einer halben Stunde mit einer Doppelparade gegen Draxler und Sané das 0:2 und hält die Schweiz so im Spiel. Ist beim Gegentor und dem millimetergenauen Abschluss Gündogans chancenlos. Er hat die gewohnte Präsenz und hat das Selbstvertrauen, die Angriffe immer wieder schon aus dem Fünfmeterraum heraus aufzubauen.

Nico Elvedi – 4,5

Muss sich auf der rechten Seite wie erwartet oft mit dem schnellen Werner auseinandersetzen. Verhindert einen möglichen weiteren Treffer durch eine entschlossene Intervention gegen Draxler. Elvedi erledigt seine Aufgabe unaufgeregt und sehr effizient.

Manuel Akanji – 4,5

An Selbstvertrauen fehlt es dem jungen Mann nicht. Damit hat vielleicht auch zu tun, dass ihm immer wieder ein Fehler unterläuft, der ernstere Folgen hat oder zumindest haben könnte. Gegen Deutschland ist er ein zentraler Verteidiger ohne Fehl und Tadel. So sollte es eigentlich immer sein.

Ricardo Rodriguez – 4

Mit seinem Stellungsspiel kompensiert er seine läuferischen Defizite. Früh rutscht er in einem Zweikampf gegen Sané weg, gleich wird es gefährlich. Danach hält er sich wacker. Er hat seinen Anteil daran, dass es zum Unentschieden reicht.

Silvan Widmer – 4,5

In den vergangenen Wochen war er der Dauerläufer beim FC Basel. Meisterschaft, Cup, Europa League – Widmer war immer dabei. Gegen Deutschland hat er seine Stärken eindeutig gegen vorne. Der Aussenläufer schaltet sich oft in den Angriff ein und erzielt mit seinem Volleyschuss das 1:1, es ist sein erstes Tor im 10. Länderspiel.

Silvan Widmer traf am Sonntagabend zum 1:1.
Video: SRF

Djibril Sow – 4

Er spielt da, wo sonst Denis Zakaria seinen Platz hat, an der Seite von Xhaka im Zentrum des Mittelfelds. Da hat er aber nicht die Präsenz von Zakaria, um aus dem Schatten von Xhaka herauszukommen. Gerade am Anfang ist er noch verwirrt, eine Rückgabe zu Sommer wird schon fast zum Schuss, der im Seitennetz landet. Wenigstens einen guten Moment hat er in der Offensive, als er Seferovic den Ball so auflegt, dass der allein vor Leno zum Abschluss kommt.

Granit Xhaka – 5

Alle wissen: Er ist der Chef, Stratege und Wortführer, von ihm hängt viel ab. Die ersten 20 Minuten ist auch er nicht zu spüren, aber als er endlich einmal einen vertikalen Pass wagt, wirkt das wie eine Befreiung für die Schweizer. Xhaka wird immer dominanter, und als bei den Deutschen die Kräfte schwinden, drängt er erst recht in den Mittelpunkt. Er leitet mit einem Pass in die Tiefe den Ausgleich ein, spielt sonst viele gute Bälle, prüft Leno, seinen Teamkollegen bei Arsenal, mit einem Freistoss und verpasst in der Nachspielzeit mit einem Kopfball das 2:1 nur ganz knapp. Nach dem Spiel redet er wie ein Captain: «Ich bin stolz auf die Mannschaft.»

Loris Benito – 4

Er bekundet auf der offensiven Position Anpassungsschwierigkeiten, beackert aber seine linke Seite unermüdlich. Mit seiner Flanke auf Widmer leitet er die erste ernste Angriffsaktion der Schweizer ein. Nach der Pause steigert er sich.

Breel Embolo – 5

Was läuft er an diesem Abend! Kilometer um Kilometer, als wollte er für zwei arbeiten. Dass Antonio Rüdiger ihm dabei stets im Nacken ist, bremst ihn nicht. Er schüttelt ihn immer wieder mit ansatzlosen Körperdrehungen ab. Er hat eine ganz andere Ausstrahlung als noch am Donnerstag in der Ukraine, als ihm kaum etwas gelingt. Diesmal liefert er das Assist zum Ausgleich. Als er wieder einmal den Weg in die Tiefe sucht, wird er von Ginter unglücklich getroffen und muss humpelnd vom Platz. Ginter ist sein Teamkollege in Mönchengladbach.

Renato Steffen – 4

Der Linksfüsser hat in der ersten Halbzeit eine grosse Ausgleichschance, sein Abschluss ist aber zu wenig entschlossen. Bringt später Seferovic mit einem feinen Pässchen in beste Abschlussposition.

Haris Seferovic – 4

Er arbeitet wieder so, wie man das von ihm kennt. Kein Schritt ist ihm zu viel. Was ihm fehlt, das fehlt der ganzen Schweizer Mannschaft: die Effizienz im Abschluss. Allein vor Leno trifft er den Ball nicht, und bei seiner zweiten Chance landet der Schuss am Aussenpfosten.