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Umweltkatastrophe in RusslandMassensterben im Naturparadies

In Kamtschatka bedecken tote Meerestiere ganze Strände. Noch ist unklar, wodurch die ökologische Katastrophe verursacht wird.

Greenpeace spricht von einer «ökologischen Katastrophe»: Ein verendeter Oktopus an der Küste Kamtschatkas.
Greenpeace spricht von einer «ökologischen Katastrophe»: Ein verendeter Oktopus an der Küste Kamtschatkas.
Foto: Anna Strelchenko (Keystone) 

Tote Fische, Seeigel, Krabben und andere Meerestiere, die zu Hunderten an Land gespült werden. Fotos und Videos zeigen, wie sie ganze Strände bedecken, als wären dort riesige Fischernetze voller Beifang ausgeschüttet worden. Auch verendete Oktopusse und Robben sind auf den Bildern zu sehen. Die Umweltorganisation Greenpeace spricht von einer «ökologischen Katastrophe» in Kamtschatka, in Russlands fernem Osten. Die Ursachen jedoch sind ungeklärt, denn es gibt bislang keine Berichte über ein Unglück, bei dem Öl oder andere Chemikalien ins Wasser gelaufen sein könnten.

Nach Angaben von Tauchern eines Naturreservats sei es in einer Tiefe von fünf bis zehn Metern zu einem «Massensterben» von Tieren gekommen. 95 Prozent der Organismen in diesem Bereich sind demnach tot. Überlebt hätten lediglich einige wenige grosse Fische, Garnelen und Krabben, sagten die Wissenschaftler des Kronozki-Naturreservats.

Brennende Augen und Halsschmerzen

Ausgerechnet der bekannte Chalaktyrskij-Strand im Süden der grossen Halbinsel scheint besonders betroffen zu sein. Er ist bei Surfern wegen der hohen Wellen und bei Touristen wegen des schwarzen Sandes beliebt. Bereits vor drei Wochen klagten die ersten Surfer dort über brennende Augen und Halsschmerzen, nachdem sie im Wasser gewesen waren. «Das klarste Wasser am Strand von Сhalaktyr ist für Menschen und höchstwahrscheinlich für Meerestiere gefährlich geworden», schrieb vor einigen Tagen Ekaterina Dyba, eine Geografin, die dort in einer Surfschule arbeitet, auf Facebook. Ausser Augen- und Halsschmerzen empfanden einige Betroffene «Übelkeit, Schwäche und hohe Temperatur», schrieb sie. Anderen Augenzeugen zufolge hatte sich die Farbe des Wassers verändert, Fotos zeigen es gelblich.

«Verbrennungen der Hornhaut»

Das Gesundheitsministerium der Region erklärte, dass bereits vor etwa zwei Wochen neun Patienten zum Arzt mussten, die über einen Schleier vor den Augen klagten, Rötungen und Brennen. Sie waren mit verschmutztem Wasser am Chalaktyrskij-Strand in Berührung gekommen. Bei ihnen wurden «chemische Verbrennungen der Hornhaut ersten Grades» festgestellt, sie konnten aber nach ambulanter Behandlung nach Hause gehen.

Bereits als die ersten Probleme bekannt geworden seien, hätten die Behörden Proben am Strand entnehmen lassen, hiess es auf der Internetseite des zuständigen Ministeriums für Naturressourcen und Ökologie der Region Kamtschatka. Der Anteil an Ölprodukten im Wasser war demzufolge beinahe um ein Vierfaches erhöht, das Vorkommen der Industriechemikalie Phenol um das 2,5-Fache. «Dies ist eine abnormale Situation, aber gleichzeitig konnten diese Überschüsse keine schwerwiegenden Umweltfolgen haben», sagte der zuständige Minister Aleksei Kumarkow.

Gouverneur tippt auf Chemikalien

Was also ist schuld am Massensterben der Meerestiere? Auf Anweisung von Staatschef Wladimir Putin wurden Untersuchungen eingeleitet. Die Experten entnahmen am Dienstag Wasserproben aus dem Ort Kozelsky, wo zu Sowjetzeiten giftige Chemikalien im Untergrund der Halbinsel gelagert wurden. Der 1979 eröffnete Standort hat heute keinen rechtmässigen Eigentümer mehr. «Die naheliegendste Antwort, woher die Verschmutzung kommt, ist der Standort Kozelsky mit den giftigen Chemikalien», sagte der Regionalgouverneur Wladimir Solodow.

Nach Angaben von Greenpeace Russland gibt es auf dem unbewachten Gelände «allein nach offiziellen Angaben etwa 108 Tonnen Pestizide und giftige Chemikalien». Laut der Regionalbehörde entdeckten die Ermittler vor Ort abgeschnittene Stacheldrähte und Schäden an einer Schutzhülle

Laut Solodow könnten auch natürliche Phänomene wie Algen, die ein Sturm an die Küste gespült haben könnte, oder seismische Aktivität, also Vulkane, schuld sein, sagte er. Inzwischen wurden 250 Kilogramm Proben mit Wasser, Sand und Mikroorganismen zur Untersuchung nach Moskau gebracht, um die Ursachen zu finden.

2 Kommentare
    Markus Bachmann

    Massensterben von Tieren gibt es momentan leider auch in Kalifornien und den Waldbrandgebieten im Westen der USA, und im Pantenal wo tausende Quadratkilometer sehr Artenreicher Regenwald abgebrannt sind. Dort sterben Millionen Tiere. Dies wird leider von der Öffentlichkeit viel zu wenig beachtet.