Die geteilte Strasse

Tagsüber wird die Langstrasse autofrei, nachts nicht. Zum Glück.

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Die Gleichung ist einfach: je weniger Autos, desto wertvoller der Zürcher Boden. Tempo 30 und gesperrte Autospuren sind ein Geschenk an die Besitzer der anliegenden Häuser. Am direktesten hat sich dieser Effekt an der Weststrasse gezeigt, deren Beruhigung viele Anwohner vertrieben hat. Bei der geplanten Untertunnelung der Rosengartenstrasse wird ein ähnlicher Verteuerungsschub befürchtet.

Aber nun ist zuerst die Langstrasse im Kreis 4 an der Reihe. Ab 2020 soll sie beinahe autofrei werden, tagsüber zumindest. Der Durchgangsverkehr wird umgeleitet. Nachts gilt das Gegenteil, da dürfen die Autos sogar beide Spuren benutzen. Profitieren werden die Velofahrerinnen. Sie können künftig über die Langstrasse Richtung Helvetiaplatz fahren, ohne eine Busse zu riskieren.

Langstrasse teurer als Weststrasse

Der vorgesehene Tag-Nacht-Rhythmus wirkt etwas umständlich. Grund dafür ist ein Kompromiss. Die Stadt will die Umfahrungsstrassen nicht ohne Unterbruch mit mehr Autolärm eindecken. Daher die Abwechslung. Leuchtet ein. Trotzdem bleiben Fragen: Hätte es keinen einfacheren Ansatz gegeben, um Velos und Busse aneinander vorbeizubringen? Werden die Velofahrer mit der nächtlichen Doppelspurigkeit nicht noch schlechter durchkommen? Gibt es während warmer Wochenendnächte genug Platz für zwei Autokolonnen, Velos und Tausende von Partyleuten?

Zumindest einen Vorteil bringt die Halb-halb-Lösung. Das Szenario Weststrasse wird sich im Kreis 4 kaum wiederholen. Tagsüber kehrt wohl auch an der Langstrasse eine Art Idylle ein. Nachts hingegen wird der Verkehr wegen der Doppelspurigkeit noch lauter rauschen als bisher. Kein gutes Verkaufsargument für teurere Wohnungen. Dazu kommt der Partylärm. Auch dieser sorgt dafür, dass sich das Quartier nicht vollständig zur gediegenen Wohnzone beruhigt.

Vielleicht macht es aber auch keinen Unterschied mehr. In kaum einem Zürcher Stadtteil sind die Bodenpreise stärker gestiegen als im Langstrassenquartier. Sie sind heute deutlich höher als an der beruhigten Weststrasse.

Erstellt: 20.02.2019, 00:03 Uhr

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