Allein das Können zählt

Jemanden wegen des Geschlechts vorzuziehen, ist falsch.

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An der Frage einer Frauenquote in der Wirtschaft reibt sich Deutschland seit Wochen. Gestritten wird über eine gesetzliche Quote, welche die Zahl der Frauen in den Führungsetagen anhebt.

Auch in der Schweiz ist die Quoten-Diskussion neu entflammt. In Basel arbeitet die Verwaltung an einer Vorlage, die Frauen 30 Prozent der Spitzenpositionen im öffentlichen Bereich zusichert. Und um den Frauenanteil im Diplomatischen Korps zu erhöhen, hat Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey kraft ihres Amtes drei Frauen aufgenommen, obwohl diese von der zuständigen Zulassungskommission nicht empfohlen worden waren.

Wie wertvoll sind Quoten für die Sache der Frau?

Kaum mehr einer versteigt sich heute noch zur Behauptung, wir hätten genügend Frauen in den Teppichetagen. Und wahrscheinlich gibt es tatsächlich zu wenig Diplomatinnen. Doch eine Quote bedeutet, dass nicht allein das Können den Aufstieg ermöglicht; entscheidend ist das Geschlecht.

Eine auf künstliche Angleichung und Glättung ausgelegte Politik setzt aber falsche Anreize. Denn Ehrgeiz und Wille zur Leistung bilden den Motor unserer westlichen Gesellschaft. Es ist die Sehnsucht nach dem Aufstieg, die uns antreibt, die uns mehr lernen und mehr arbeiten lässt, die uns unterscheidet vom bequemeren Kollegen.

Wer Ungleichheit mit Ungerechtigkeit gleichsetzt, würgt diesen Motor ab.

Wird zudem die Bewährung im Felde durch eine von der Quote gesteuerte Bevorzugung ersetzt, nimmt nicht nur das Ansehen des Aufstiegs Schaden, sondern die Allgemeinheit. Denn die Vorzugsbehandlung widerspricht dem Kernwort unseres Kulturkreises: Gerechtigkeit.Die Überzeugung, dass es «gerecht» läuft, ist unser zentraler Stabilitätsfaktor. Eine Vorzugsbehandlung fördert nicht etwa das Gute, sondern unterminiert unsere Gesellschaft. Und sie ist überdies unheilvoll für die exzellente und fähige Frau, weil sie deren erbrachte Leistungen überlagert und verdeckt.

Es braucht mehr Frauen in den Führungsetagen, kein Zweifel. Und, ja, bei gleicher Qualifikation ist die Frau zu berücksichtigen. Doch letztlich braucht sozialer Fortschritt Zeit. Und keine Quote.

Erstellt: 10.02.2011, 21:13 Uhr

Markus Eisenhut

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