Das St. Galler Lehrstück

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Und siehe da, plötzlich geht es doch: Der FC St. Gallen ist gerettet. Dies nur eine Woche nachdem sich die Politik geweigert hatte, Staatsmillionen zur Sanierung der maroden Stadiongesellschaften einzuschiessen. Wie durch ein Wunder liessen sich Donatoren aus der Ostschweiz finden, «deren Herz grün-weiss angestrichen ist», wie sich der Vertreter der Investorengruppe ausdrückt.

Das Aufatmen in der Gallusstadt ist gross, weit über den Kreis der Fussballfans hinaus. Diese können sich freuen, dass in St. Gallen weiterhin Spitzenfussball gespielt wird. Erleichtert dürften auch die Mahner aus Politik und Wirtschaft sein, die vor einem Imageverlust für die ganze Ostschweiz gewarnt hatten. Und besonders laut jubeln wird Edgar Oehler, der Namensgeber der AFG Arena. Der Unternehmer hatte noch in der tiefsten Krise daran geglaubt, dass auch St. Gallen kann, was Bern und Basel können: ein Stadion für erstklassigen Sport betreiben.

Jedoch, das Wunder hat einen schalen Nachgeschmack. Warum, fragt man sich, öffnen die privaten Geldgeber ihre Schatullen erst jetzt? Warum übernahmen die Stadionmanager nicht von Anfang an die finanzielle Verantwortung für das Desaster? War es nötig, zuerst bei Stadt und Kanton um Geld zu betteln und den Politbetrieb in Aufruhr zu versetzen?

Es war wohl nötig, denn die Politiker haben den Managern eine (hoffentlich) heilsame Lektion erteilt. Indem sie ihnen die Rote Karte zeigten, machten sie klar: Erstens ist der Spitzenfussball ein Big Business, die Stadiongesellschaften sind private Firmen. Also müssen sie selber schauen, dass die Zahlen stimmen. Zweitens hat der Staat seine Schuldigkeit längst getan: Er schenkte den Stadionbauern Land im Wert von 42 Millionen. Doch diese bauten für die eigene Klientel zu viele unrentable VIP-Logen und versackten im Schuldenloch. Das ist nicht das Problem der Steuerzahler.

Jetzt können aber auch die Fans zeigen, dass sie die Lektion verstanden haben. Wie anderswo sind in St. Gallen die Behörden zu Recht nicht mehr bereit, die Kosten für Polizeieinsätze wegen randalierender Hooligans zu übernehmen. Die Fans haben es in der Hand: Verhalten sie sich gesittet, spart die Privatfirma FC jährlich 1 Million Franken.

Erstellt: 05.11.2010, 20:40 Uhr

Antonio Cortesi

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