Die Hamas reibt sich die Hände

Die Enthüllungen zu den Nahost-Verhandlungen zeigen, wie die Amerikaner den unterlegenen Palästinensern die Daumenschrauben anlegten.

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Das Dementi der Palästinenser folgte auf dem Fuss: Die Papiere, die al-Jazeera und der britische «Guardian» über die israelisch-palästinensischen Verhandlungen publiziert haben, seien teils gefälscht und teils verdreht. Die palästinensische Führung, vorweg Präsident Abbas und sein Verhandlungsführer Saeb Erakat, hat allen Grund, sich zu distanzieren.

Wenn stimmt, was die Dokumente preisgeben, hat diese ohnehin nicht demokratisch legitimierte Führung jede Glaubwürdigkeit verloren, vor dem eigenen Volk wie vor der Weltöffentlichkeit. Was die palästinensische Seite Mal um Mal als ihren Standpunkt, ihre Forderung in die Mikrofone diktiert, das hätte sie demgemäss zu einem grossen Teil längst aufgegeben.

Zu begreifen ist das Doppelspiel nicht. Denn die beispiellose Nachgiebigkeit wäre irgendwann auch offiziell publik geworden. Spätestens dann, wenn Israel auf die «Offerten» eingegangen wäre.

Das Problem der Glaubwürdigkeit plagt die israelische Seite weniger. Dass sie zu keinen Konzessionen bereit ist, braucht nicht «enthüllt» zu werden, das ergibt sich aus nunmehr zwanzig Jahren fruchtloser Verhandlungen, die 1991 in Madrid begannen. Zusammengefasst in einem Satz der Verhandlungsführerin Tzipi Livni: «Um euren Staat zu schaffen, müsst ihr zuvor mit Israel übereinstimmen.» Ein Diktat nennt man das.

Was die Dokumente ausserdem noch einmal verdeutlichen, ist die trostlose Rolle der Amerikaner, die sich stets als ehrliche Makler gaben und doch nur den unterlegenen Palästinensern die Daumenschrauben anlegten.

Wer immer die Protokolle weitergegeben hat und aus welchem Grund, der palästinensischen Sache hat auch er einen miserablen Dienst erwiesen. Diese Art von «Friedensprozess» ist tot. Die Palästinenser erwarten neue Machtkämpfe, die Hamas reibt sich die Hände. Vordergründig kann das den Israeli nur recht sein.

Manche Kommentatoren hoffen gerade deswegen, die Amerikaner würden jetzt endlich realisieren, dass sie eine neue Rolle finden müssten. Diese Hoffnung hat eine schwache Basis. Eher ist eine neue Welle von Gewalt zu befürchten. Von den längerfristigen Folgen nicht zu reden.

Erstellt: 24.01.2011, 22:15 Uhr

Claudia Kühner

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