Die Schule ist auf Kurs

Die neue Pisa-Studie zeigt klar: Der Rückfall in die Paukerschule von anno dazumal ist das falsche Rezept. Der individualisierende Unterricht führt bei Schülern zu besseren Leistungen.

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Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten? Die Leistungen der Schweizer Schülerinnen und Schüler haben sich, wie die neuste Pisa-Studie zeigt, seit 2007 auf relativ hohem Niveau eingependelt, mit leichten Fortschritten in den drei Test-Disziplinen. Sorgenkinder bleiben aber die Söhne und Töchter von Emigranten. Und die Schüler aus tiefen sozioökonomischen Schichten.

Dass immer noch jeder sechste Teenager bei der Lektüre eines einfachen Textes nur Bahnhof versteht, ist gravierend – für die Betroffenen und für die Gesellschaft. Diese jungen Menschen werden kaum eine qualifizierte Arbeit finden, und viele werden früher oder später bei den Sozialämtern anklopfen. Das verursacht Kosten zulasten der Allgemeinheit. Und vermindert die Innovationskraft des Landes.

Neu ist hingegen, dass seit 2007 das SVP-Sünneli über der Volksschule aufgegangen ist. Die Partei hat die Schule als Kampfzone entdeckt, erheischt damit viel Aufmerksamkeit und bei den nächsten Wahlen vielleicht mehr Stimmen. Dabei ist der SVP zugutezuhalten, dass sie auch wunde Punkte aufgreift: Der Reformeifer von Bildungsbürokraten hat tatsächlich überbordet und behindert das Kerngeschäft der Lehrer.

Ansonsten bringt die SVP-Sonne aber keine Wärme in die Schulstuben. Mit ihrer Forderung nach mehr Disziplin und Drill zwingt die Partei vorab schwache Schüler in einen Zustand von Angst und Schrecken – wie er in der Paukerschule von anno dazumal herrschte. Das wäre letztlich eine neue Form des Sozialdarwinismus. Die schwachen Schüler, zumeist Emigrantenkinder, würden dabei auf der Strecke bleiben.

Die neue Pisa-Studie zeigt klar: Der Rückfall in die Anker-Stube, mit einem Lehrer, der den Rohrstock schwingt, ist das falsche Rezept. Die Studie bestätigt zwei Konzepte, welche die SVP erbittert bekämpft. Erstens ist der individualisierende Unterricht keine Kuschelpädagogik, sondern führt bei Schülern der Risikogruppe zu besseren Leistungen. Zweitens lesen Kinder besser, die mehr als ein Jahr im Kindergarten waren – eine zentrale Forderung des Harmos-Projekts. Kurzum: Unsere Schule befindet sich auf dem richtigen Kurs.

Erstellt: 07.12.2010, 22:53 Uhr

Antonio Cortesi

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