Ein Gewinn für Zürich

Tamedia ist willens, die Landzeitungen als eigenständige Blätter weiterzuführen. Der Zürcher Zeitungsleser wird also künftig keinen politischen Einheitsbrei vorgesetzt bekommen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2007 tat sich Tamedia mit der Berner Espace Media Groupe zusammen, im März 2009 mit der welschen Edipresse. Damit wollte Tamedia die Basis schaffen, um die eigenständige Entwicklung ihrer Medien zu gewährleisten und im immer internationaler werdenden Wettbewerb zu bestehen.

Nun übernimmt Tamedia im Tausch gegen die «Thurgauer Zeitung» von der NZZ die Beteiligungen an den Zürcher Landzeitungen «Zürcher Unterländer», «Zürcher Oberländer» und «Zürichsee-Zeitung».

Dieser Entscheid ist für Tamedia weit bedeutender als die Übernahme der Espace Media oder der Bund mit Edipresse. Denn Zürich ist für Tamedia matchentscheidend. Hier hat die Unternehmung ihren Hauptsitz, hier tätigt sie das Kerngeschäft, hier operiert der «Tages-Anzeiger», das Flaggschiff.

Tamedia hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Zwar publizierte sie gestern ein – angesichts der Krise – beachtliches Jahresergebnis von 47 Millionen Franken. Doch die Regionalzeitungen schnitten schlecht ab. Auch der «Tages- Anzeiger». Mit ein Grund: der ruinöse Kampf um Reichweite, also um die Leser, die erreicht werden, der Kampf um Lesezeit und Werbebudgets.

Mit der Marktbereinigung im wichtigsten Wirtschaftsraum der Schweiz hat nun Tamedia die Chance, die Reichweite ihrer Zürcher Regionalzeitungen von 31% auf konkurrenzfähige 48% zu steigern. Nur Konkurrenzfähigkeit ermöglicht Unabhängigkeit und publizistische Qualität. Unabhängigkeit und publizistische Qualität sind aber für den Fortbestand einer Zeitung fundamental.

Ziele der Bündelung sind zweifellos auch Umsatzsteigerung und Kosteneinsparung. Doch Tamedia ist willens, die Landzeitungen als eigenständige Blätter weiterzuführen. Tatsächlich hat die Unternehmung dank dem «Bund» und der «Berner Zeitung» auch Übung im Auf- stellen von zukunftsfähigen Zeitungs-koalitionen, die unter einem Dach inhaltliche Konkurrenz und Meinungsvielfalt zulassen. Der Zürcher Zeitungsleser wird also künftig keinen politischen Einheitsbrei vorgesetzt bekommen, kein Meinungsmonopol zu gewärtigen haben, sondern weiter auswählen können.

Erstellt: 15.04.2010, 23:43 Uhr

Markus Eisenhut.

Artikel zum Thema

«Der Abbau soll für die Leser nicht spürbar sein»

Tamedia-Verleger Pietro Supino erklärt, warum er die Meinungsvielfalt in Zürich durch die Übernahme der Landzeitungen nicht gefährdet sieht. Und wo er Sparpotenzial ortet. Mehr...

Tamedia kauft Zürcher Landzeitungen

Die beiden grossen Zürcher Medienhäuser Tamedia und NZZ verkaufen sich gegenseitig Beteiligungen an Regionalzeitungen. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...