Ein Glücksfall für die SP

Simonetta Sommaruga könnte der SP den dringen benötigten Zulauf bringen.

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Die SP bewegt sich. Noch vor ein paar Jahren wäre eine Bundesratskandidatin Simonetta Sommaruga unvorstellbar gewesen. Zu verhasst war die Bernerin beim linken Parteiflügel – weil sie die Staatsgläubigkeit der SP kritisiert, bei den Sozialwerken zu Abstrichen bereit ist und in der Ausländerpolitik eine gewisse Härte verlangt. Doch jetzt, wo sie Bundesrätin werden will, wird ihr die Partei keine Steine in den Weg legen: Sie kann fest mit einem Platz auf dem SP-Wahlticket rechnen – wahrscheinlich neben der Zürcherin Jacqueline Fehr.

Der Zuspruch für Sommaruga ist Zeichen eines sanften Umdenkens in der Partei. Viele Sozialdemokraten sehen inzwischen ein: Linke Politik muss heute flexibler sein als vor der Globalisierung.

Ihre starke Stellung in der Partei hat sich Sommaruga aber vor allem selber erarbeitet. Selbst Skeptiker, die in ihr eine verkappte Bürgerliche wittern, respektieren ihr politisches Talent. Ob Geld für Klimaschutz oder Invalidenversicherung: Mit viel Machtgeschick gewinnt sie die Bürgerlichen immer wieder für Deals, die ganz im Sinn der Linken sind.

So richtig warm werden viele in der SP-Bundeshausfraktion zwar nach wie vor nicht mit Sommaruga – sie wirkt unnahbar und bleibt für manche unfassbar. Doch die SP weiss, was sie an ihr hat: eine Frau mit Bundesratsqualitäten. Eine auch, die dank ihrer uneitlen Art dazu beitragen könnte, dass der Bundesrat endlich als Team funktioniert. Wenn die einst beargwöhnte Sommaruga heute akzeptiert ist, spielt auch Opportunismus mit. Die SP-Strategen wissen, wie populär die Frau ist, die fast täglich als Schutzpatronin der Konsumenten durch die Medien schwebt – als Bundesrätin könnte sie der SP den dringend benötigten Zulauf bringen. Sommaruga ist für ihre Partei ein Glücksfall. Doch gönnen die Bürgerlichen der SP so viel Glück und machen ihr mit Blick auf die Wahlen 2011 ein so prächtiges Geschenk?

Wenn das Parlament im September Moritz Leuenberger und Hans-Rudolf Merz ersetzt, sollten solche Hintergedanken keine Rolle spielen. Ebenso wenig wie die Kantonszugehörigkeit. Nach der Bundesratskrise der letzten Monate geht es jetzt zuallererst darum, eine möglichst gute Crew zusammenzustellen.

Erstellt: 10.08.2010, 21:43 Uhr

Patrick Feuz.

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