Gericht setzt ein wichtiges Zeichen

Die ungarischen Roma-Zuhälter und ihre Prostituierten werden nicht einfach aus Zürich verschwinden.

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Im schweizweit bisher grössten Zuhälter- und Menschenhändlerprozess hat das Zürcher Bezirksgericht in zwei Fällen eher harte, in zwei anderen Fällen eher milde Strafen ausgesprochen. Damit haben die Richter einerseits ein deutliches Zeichen gesetzt, dass sadistische Zuhälterei in der Schweiz nicht geduldet und entsprechend geahndet wird. Anderseits haben sie aber auch signalisiert, dass sich die Staatsanwaltschaft nicht allein auf die Aussagen von Opfern berufen kann, sondern die Anklagepunkte genügend belegen und nachweisen muss.

Die Schweizer Rechtsprechung beschreitet im Bereich Zuhälterei und Menschenhandel offensichtlich Neuland; eine Gerichtspraxis muss sich erst noch entwickeln. Dies machte ein Bundesgerichtsentscheid im letzten Frühjahr deutlich, der eine vom Zürcher Obergericht ausgesprochene Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren für einen Roma-Zuhälter aus Bulgarien für zu milde befand. Das Obergericht verurteilte den Mann in der Folge zu fünf Jahren Haft.

Dieses Bundesgerichtsurteil könnte bedeuten, dass die vier Roma-Zuhälter vor dem Obergericht mit höheren Strafen rechnen müssen. Insbesondere die beiden Hauptangeklagten haben eine Brutalität gegenüber ihren insgesamt 14 Prostituierten an den Tag gelegt, die das Mass an Gewalttätigkeit, wie es in diesen Kreisen offenbar üblich ist, weit übertraf.

In diesem Zusammenhang ist auch ein Urteil Anfang dieser Woche zu erwähnen, wo eine andere Abteilung des Zürcher Bezirksgerichts einen weiteren Zuhälter wegen Menschenhandel und Vergewaltigung zu einer siebeneinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilte.

Mit dem Weiterzug von mindestens drei der vier gestrigen Urteile durch die Staatsanwaltschaft und wohl auch durch die Verteidigung werden das Obergericht und gegebenenfalls das Bundesgericht die Planken für den Straftatbestand Menschenhandel und Förderung der Prostitution festlegen. Das ist nötig. Denn auch wenn der Stadtrat den Strassenstrich am Sihlquai im nächsten Jahr zu unterbinden gedenkt: Die ungarischen Roma-Zuhälter und ihre Prostituierten werden nicht einfach aus Zürich verschwinden.

Erstellt: 01.12.2010, 23:30 Uhr

Stefan Hohler.

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