Gestern Drogen, heute Sex

Einen Strassenstrich soll und wird es auch künftig geben. Er liesse sich schon aus gesetzlichen Gründen nicht verbieten.

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Der Prozess gegen die brutalen Zuhälter der ungarischen Prostituierten am Sihlquai hat auch die letzten Strichromantiker und Zweifler verstummen lassen: Am Sihlquai leiden nicht nur die Anwohner unter dem nächtlichen Treiben, sondern vor allem auch die Frauen. Hätte Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) noch Argumente für die Schliessung des Sihlquai-Strichs gebraucht, der Zuhälterprozess hätte sie ihm geliefert. Wie bereits bei der Schliessung der offenen Drogen-szene in den Neunzigerjahren ist auch bei Zürichs berüchtigtstem Strassenstrich ein radikaler Schritt notwendig.

Nach den Erfahrungen mit Platzspitz und Letten wird sich die Stadt diesmal allerdings hüten, keine Alternativen anzubieten. Einen Strassenstrich soll und wird es auch künftig geben. Er liesse sich schon aus gesetzlichen Gründen nicht verbieten. Doch er braucht keine 10,7 Kilometer lang zu sein, wie es der gültige Strichplan aus dem Jahr 1993 vorsieht. Diese Zonen sind nicht nur viel zu lang, sie liegen vor allem am falschen Ort.

Der Strichplan ist überholt, weil sich das Stadtbild in den vergangenen zwanzig Jahren stark gewandelt hat, vor allem in Zürichs Westen. Wo früher Bier produziert wurde, wird heute gewohnt. Ebenso stark ausgewirkt hat sich die vor vier Jahren eingeführte Personenfreizügigkeit. Seit Frauen aus Ungarn und neuerdings auch Bulgarien und Rumänien problemlos und legal in Zürich anschaffen können, ist die Stadt mit einer neuen Generation von Dirnen konfrontiert.

Doch wohin mit dem Strich? Kein Wohnquartier möchte – aus verständlichen Gründen – den Strassenstrich bei sich haben. Er muss deshalb zwingend in Rand-, Industriezonen und kaum bewohntes Gebiet verlegt werden. Eine solche Lösung hat die grössten Chancen auf Akzeptanz.

Will man in solchen Gegenden mit wenig sozialer Kontrolle auch die Frauen vor Gewalt schützen, braucht es ein Minimum an Infrastruktur. Sogenannte Verrichtungsboxen mit Alarmknöpfen sind in mehreren deutschen Städte schon etabliert. Polizeivorsteher Leupi will sie ernsthaft prüfen. Anfang Oktober will er sich vor Ort eine Meinung bilden. Die Boxen sind eine einfache und pragmatische Lösung.

Erstellt: 30.08.2010, 23:22 Uhr

Benno Gasser.

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