Im Ausland ein Held

Elmer muss wohl nicht mehr lange warten, bis er zum Helden in einem Kinofilm wird.

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Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich gegen Rudolf Elmer macht klar: Banker können nicht ungestraft Kundendaten ins Internet stellen, um zweifelhafte Praktiken der Banken in Steuerparadiesen an den Pranger zu stellen. Solches Tun sei und bleibe ein Bruch des Bankgeheimnisses, hielt das Gericht unmissverständlich fest. Elmer wurde nach altem Recht milder bestraft, das maximal sechs Monate als Strafe vorsieht – obwohl er unzählige Datensätze veröffentlichte und an Steuerämter verschickte.

Solcher Verrat am Bankkunden könne nach dem jüngst verschärften Bankgeheimnis-Paragrafen in Zukunft mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden, so das Gericht. Das mag zwar einige mit den Steuerpraktiken ihrer Arbeitgeber unzufriedene Banker davon abhalten, zu Whistleblowern zu werden. Erleichtert aufatmen kann die Schweizer Bankenwelt dennoch nicht. Die Bank Julius Bär, die ihren Ex-Manager Elmer angezeigt hatte, errang gestern bloss einen Pyrrhussieg.

Wie ein Zürcher Gericht die Veröffentlichung von Daten reicher Privatbankkunden beurteilt, das mag in der Schweiz von Wichtigkeit sein. Wenn Zürcher Richter feststellen, Elmer habe auch eine dunkle Seite – er habe einem Julius-Bär-Mann mit der Exekution durch einen Auftragskiller gedroht –, dann ist er hier entzaubert.

Die Schweizer Banken sind jedoch weltweit tätig im einträglichen Geschäft mit reichen Privatleuten und Firmen. Und im Ausland gilt Elmer nach diesem Urteil weiterhin als Held, der es mit den bösen Schweizer Banken aufnimmt. Ausserhalb der Schweiz wird seine dunkle Seite einfach ausgeblendet. Dort bleibt Elmer der David im Kampf gegen den Goliath Bank Bär; dort ist er der Whistleblower, dem in der Heimat zu Unrecht der Prozess gemacht wird.

Wegen der Übergabe neuer Daten-CDs in London am letzten Montag hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich gestern bereits ein neues Verfahren gegen Elmer eröffnet und ihn erneut verhaftet. Das wird die Weltöffentlichkeit nur noch mehr gegen Schweizer Banken und ihr Bankgeheimnis aufbringen. Und Elmer muss wohl nicht mehr lange warten, bis er zum Helden in einem Kinofilm wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.01.2011, 23:51 Uhr

Andreas Flütsch.

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