Kein Grund aufzuatmen

«Das Verbot der Fusion zwischen Sunrise und Orange schwächt die kleineren Anbieter und stärkt die Swisscom.»

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Die Stiftung für Konsumentenschutz jubelt. Sie feiert das Fusionsverbot für Sunrise und Orange als Sieg. Wie die Wettbewerbskommission ist sie der Meinung, dass ein Markt mit nur noch zwei Anbietern die Situation für die Kunden verschlechtert hätte. Das Geld, das Orange durch die Fusion gespart hätte, weil sie nur noch ein flächendeckendes Netz hätte betreiben müssen, wäre vor allem in die Taschen der Anbieterin geflossen. Telefonieren wäre nicht billiger geworden.

Die Angst ist nicht neu. Dass diese Gefahr besteht, war von Anfang an klar. Die Frage muss allerdings lauten: Was ist die Alternative? Bereits heute wirtschaften die Mobilfunkanbieter vor allem in den eigenen Sack und verdienen gut an den Schweizer Kunden. Schon heute herrscht kaum Wettbewerb – und die Gründe dafür sind bekannt. Neben den wechselfaulen Schweizer Kunden mangelt es dem Schweizer Telecommarkt vor allem an griffigen Gesetzen. An einer Regulierungsbehörde, die eingreifen kann, wenn der Wettbewerb nicht spielt und die Anbieter zum Ziel haben, sich die Margen nicht zu ruinieren. An einer Wettbewerbskommission, die nicht Jahre braucht, um die missbräuchlichen Preise, die die Swisscom der Konkurrenz aufzwingt, zu korrigieren. Und deren Bussen vor Gericht endlos weitergezogen werden.

Wenn statt dreier Mobilfunkanbieter – einem dominanten und zwei kleinen – plötzlich nur noch zwei auf dem Markt sind, ändert das nichts an diesen grundsätzlichen Problemen. Es macht sie nur viel deutlicher. Vielleicht verschlechtert es sogar vorübergehend die Situation für die Kunden. Aber es vergrössert auch die Chance, dass die Politik endlich etwas gegen die Mängel im System unternimmt.

Das Verbot der Fusion hingegen schwächt die kleineren Anbieter und stärkt die Swisscom. Es verunsichert Tausende von Mitarbeitenden. Es führt nicht zu tieferen Preisen oder zu einem attraktiveren Markt, der neue Anbieter anziehen würde. Es zwingt träge Firmen nicht, den Wettbewerb auf Kosten der Marge anzukurbeln. Es löst keine Probleme. Für die Kunden gibt es darum keinen Grund, jetzt aufzuatmen.

Erstellt: 22.04.2010, 23:34 Uhr

Angela Barandun

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