Kein Grund zur Panik

Gentechlachse sind keine Bedrohung für die Gesundheit. Ein Risiko droht wenn schon dem Ökosystem, dann nämlich, wenn ein solcher Superlachs –oder aber auch ein normaler Zuchtlachs – in die freie Natur entweicht.

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Da bleibt manchem das Lachsbrötchen im Hals stecken: In den USA prüft die Zulassungsbehörde FDA die Bewilligung eines Gentechlachses als Lebensmittel. Dieser transgene Atlantiklachs wächst doppelt so schnell wie sein natürlicher Vetter, weil ihm ein Gen für ein Wachstumshormon eingepflanzt worden ist. Das Gen stammt von einem Pazifiklachs, der sich nicht so gut züchten lässt.

«Frankenstein-Fisch» nennen Gentechskeptiker das neue Tier etwas fantasielos. Sollte die FDA die Zulassung erteilen, wäre der Lachs das erste gentechnisch veränderte Tier im Lebensmittelmarkt.

Laut dem Hersteller bietet der Super-Lachs viele Vorteile – auch kommerzielle. Zudem verwertet er die Nahrung um ein Viertel besser als der natürliche Lachs. Dadurch könne er den Druck von den überfischten Wildbeständen nehmen. Denn der Hunger nach Fisch steigt stetig. Und bei einer gehobenen und sich gern umweltbewusst gebenden Bevölkerungsschicht in wohlhabenden Ländern wie der Schweiz muss es natürlich Wildlachs sein.

Aber der Gentechlachs birgt auch Risiken. Diese sind gemäss FDA nicht gesundheitlicher Art, denn ausser dass er schneller wächst, entspricht er vollständig dem natürlichen Lachs. Auch geschmacklich sticht er laut Bericht nicht heraus.

Das grösste Risiko droht jedoch dem Ökosystem, dann nämlich, wenn ein solcher Superlachs in die freie Natur entweicht. Dann hätte er womöglich gegenüber den Wildlachsen einen massiven Überlebensvorteil und könnte diese aus ihrem Lebensraum verdrängen.

Doch diese Risiken gibt es auch in der konventionellen Fischindustrie. In norwegischen Flüssen sind bereits 40 Prozent der Lachse aus Aquafarmen entwichene Zuchtlachse, die mit den Wildlachsen konkurrieren. Ein Ökodesaster – ganz ohne Gentechnik!

Die Schweizer müssen sich vor dem Gentechlachs derzeit nicht fürchten. Die Erzeugung und der Verkauf von gentechnisch veränderten Wirbeltieren ist verboten. Trotzdem sollte uns das Thema interessieren. Denn unser stetig wachsender Lachskonsum – im Speziellen von Wildlachs – ist mitschuldig am ökologischen Teufelskreis.

Erstellt: 23.09.2010, 22:55 Uhr

Matthias Meili.

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