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Gastkommentar zur EnergiewendeMethanol hilft uns aus der Stromlücke

Mit der Energiewende droht der Schweiz eine Winterstromlücke. Die Lösung: Solarenergie für den Winter haltbar machen.

Sonnenenergie braucht Speicher: Solar-Grossanlage EWZ am Albigna-Stausee.
Sonnenenergie braucht Speicher: Solar-Grossanlage EWZ am Albigna-Stausee.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Für das laufende Jahr hat der Bundesrat ein Gesetz für die sichere Stromversorgung mit erneuerbarer Energie angekündigt. Stellt der Bundesrat die Weichen richtig? Da interessieren natürlich die Vorschläge der Axpo, eines der wichtigsten Energiekonzerne der Schweiz.

Axpo-Chef Christoph Brand beschrieb das Problem in einem Gastkommentar richtig: Der Ausstieg aus der fossilen Energie wird zu einem erhöhten Strombedarf führen. Aber die Investitionen in Solarenergie sind völlig ungenügend, weil Sonnenstrom – zurzeit – nicht rentabel ist. Aber einen tauglichen Lösungsvorschlag können wir im Beitrag des Axpo-Chefs nicht erkennen.

Klar ist: Solange die Stromkonzerne – auch die Elektrizitätswerke von Stadt und Kanton Zürich – rein marktwirtschaftlich und gewinnorientiert unterwegs sind, investieren sie nicht in der Schweiz, sondern im Ausland in Sonne und Wind.

Ein Energiesystem, das auf Sonnenenergie beruht, braucht Energiespeicher.

Das bringt Probleme mit sich: Ob wir im Fall eines europäischen Strommangels im Winter einfach «unseren» Strom importieren können, ist nicht gesichert. Wollen wir aber Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit, müssen wir im Inland genügend Solarstrom ernten. Investitionen in Fotovoltaik müssen sich lohnen, über den Tarif für ins Netz eingespeisten Strom muss die Amortisation und eine angemessene Verzinsung garantiert sein. So lohnt sich die Investition in inländischen Sonnenstrom.

Das allein aber reicht nicht. Ein Energiesystem, das auf Sonnenenergie beruht, braucht Energiespeicher. An Energiespeichern wird intensiv geforscht, die Zukunft wird zeigen, welche Speicherarten sich durchsetzen werden.

Wir halten vor allem eine Speichart für vielversprechend: Methanol. Überschüssiger Sommerstrom kann in Wasserstoff und dann unter Zusatz von CO2 aus der Luft in das problemlos lagerbare «grüne» Methanol umgewandelt werden. Dieses klimaneutrale Methanol erzeugt im Winter in Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen Wärme und Strom und füllt so die Winterstromlücke.

Methanol hat viele Vorteile. Als einfachster Alkohol ist es bei Umgebungstemperatur ohne Druck und Kühlung flüssig und verlustfrei lagerbar. Als biologisch rasch abbaubare Substanz bringt es keine Umweltrisiken mit sich. Die bestehende fossile Infrastruktur der Tankstellen kann für Methanol mit geringen Anpassungen verwendet werden.

Da Methanol rückstandsfrei verbrennt, wird es in China bereits in Millionen von Autos als Treibstoff eingesetzt. Weltweit werden 100 Millionen Tonnen Methanol – zurzeit leider noch aus fossilen Quellen – als Chemierohstoff verwendet. Die Produktion von «grünem» Methanol aus erneuerbaren Energien ist unter anderem in Südchile geplant, wo viel Windstrom zur Verfügung steht.

Wir hoffen, dass die bestehenden Bremsen für einen raschen Ausbau der Fotovoltaik gelöst werden.

Für die Schweiz lohnt sich die Entwicklung einer Methanol-Kreislaufwirtschaft. Sie entschärft das Problem der Winterstromlücke. Grünes Methanol dient als klimaneutraler Treibstoff für die bestehende Fahrzeugflotte. Sie leistet aber auch einen Beitrag zur Lösung des globalen Klimaproblems, denn grünes Methanol kann fossile Energieträger ersetzen.

Wir hoffen sehr, dass die bestehenden Bremsen für einen raschen Ausbau der Fotovoltaik gelöst werden und sich alle, auch die Kantone, die grossen Elektrizitätsversorger und die Banken am Ausbau im Inland beteiligen. Dank ökonomischen Anreizen und verbesserten Speichermöglichkeiten können wir die nachhaltige Energiegewinnung fördern, ohne uns vom Ausland abhängig zu machen.

266 Kommentare
    Ulrich Oswald

    Methanol ist eine valable Alternative zu reinem Wasserstoff. Dieser lässt sich aber durch Cracken (Verbraten) von Erdölresten aus ausgepumpten Ölquellen gewinnen, von denen es Tausende gibt. Der dazu nötige Heizstrom dazu kann durchaus aus grüner Energie stammen, wie auch das Absaugen des H2. Der Rest bleibt als Kohle im Boden. Es gibt eine Aktienfirma in Deutschland, welche dieses Problem pflegt und deren Anteile derzeit um die 50 €-Cent liegen. Den Namen der AG darf ich hier leider nicht nennen, er heisst aber gleich wie der atomare Wasserstoffkern.