Brillen von Julian Zigerli & Lunettes

Mit anderen Augen

Das bringt eine Sonnenbrille, die zwar vor der Sonne, aber nicht vor Blicken schützt.

Foto: Thomas Egli

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Sonnenbrillen sind entgegen der verbreiteten Ansicht, dass sie Sommer­accessoires seien, in Wahrheit ja saisonunabhängig. Man vergisst es manchmal. Und merkt erst, dass sie einem fehlen, wenn morgens an einem Dezember-Wochenende auf einmal die Wintersonne scheint und beim ersten Schritt aus der Haustür schmerzhaft klar wird, dass ein einziges Glas Hauswein letzte Nacht auch gereicht hätte.

Mit zusammengekniffenen Augen gibt man sich also dem Tag hin und träumt bei jedem starken Kaffee von zwei Möglichkeiten: einerseits, dass in der Tasche der geliebte schwarze Brillenklassiker läge, denn hinter ihm, dem unauffälligen Begleiter, liesse es sich wunderbar verstecken.

Oder man denkt andererseits daran, dass solche weiss gefluteten Morgen besser auszuhalten sind, wenn man sie beim Kragen packt und feiert. Hierzu setzt man am besten Modelle auf, die zwar vor der Sonne, aber nicht vor Blicken schützen.

Wie jene Gestelle, die der Schweizer Designer Julian Zigerli gerade zusammen mit dem Brillenlabel Lunettes entworfen hat: Es sind übergrosse, herrlich mädchenhafte Gestelle in Herzform in Lila, Rot, Gold oder Hellblau.

Vor allem die bunten Gläser sind es, die ausserordentlich verführerisch sind, weil sie – wie es nur wenigen Accessoires über die Jahre so konstant gelungen ist – immer von reichlich Abenteuern erzählen: Elton John im Backstage in den Siebzigerjahren. Brad Pitt in seiner «Thelma & Louise»-Phase oder auf einer Architekturmesse. Johnny Depp und Hunter S. Thompson nachts im Auto. Linda Rodin auf Mexikoreise. Justin Timberlake bei N’Sync. Flavio Briatore mit Headset an der Rennbahn. John Lennon.

Julian Zigerlis Brille ist in ihrer glamourösen Entspannheit aber auch eine Hommage an das letzte Modejahr. Ein Modejahr, in dem Leute wie der neue Gucci-Designer Alessandro Michele beschlossen, dass es an der Zeit sei, weniger modische Zurückhaltung zu üben, mehr Magie walten zu lassen und sich wieder mit Schmackes zu schmücken. Und das auch im Winter, wenn man morgens aus der Haustür stolpert, während der billige Wein noch immer die Sicht trübt.

Erstellt: 13.12.2015, 16:51 Uhr

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