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FCZ demütigt St. GallenMit Catenaccio und kaltem Blut zum Kantersieg beim Leader

Der FC Zürich verteidigt bei Leader St. Gallen nach altem italienischem Muster – für seinen Einsatz und sein Glück wird er mit einem 4:0 grosszügig belohnt.

Gefeierter Doppeltorschütze: Aiyegun Tosin schiesst gegen St. Gallen zwei Tore.
Gefeierter Doppeltorschütze: Aiyegun Tosin schiesst gegen St. Gallen zwei Tore.
Keystone/Gian Ehrenzeller

Am Ende versucht es Cedric Itten nochmals. Er zieht aus 16 Metern ab, und sein Schuss kommt nur ein paar Zentimeter weit, weil er am Bein eines Zürcher Verteidigers hängen bleibt. Die Szene ist typisch für diesen Abend im Kybunpark des FC St. Gallen.

Und noch typischer ist, was in der Nachspielzeit passiert. Aiyegun Tosin steht nochmals allein vor Zigi, lupft den Ball am St. Galler Goalie vorbei und trifft erneut. Sein zweites Tor ist das 4:0 für den FCZ. Ja, 4:0 gewinnt der FCZ beim Leader der Super League. Ihn braucht nicht zu kümmern, dass er damit reichlich belohnt ist. Schliesslich hat er das kalte Blut gehabt, das dem Gegner bei seinem wilden Sturmlauf gefehlt hat.

Hüppi wundert sich

Die erste Halbzeit ist gerade erst vorbei, als Matthias Hüppi seiner Verwunderung Luft macht. Er habe gar nicht gewusst, dass der FCZ Catenaccio spiele, sagt St. Gallens Präsident. 0:1 liegt seine Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt zurück, und es ist ein höchst verwunderliches Resultat, denn eigentlich zeigen bis dahin nur die St. Galler Lust am Fussball.

Ratlos: St. Gallen macht das Spiel, kassiert aber gegen den FCZ ein 0:4.
Ratlos: St. Gallen macht das Spiel, kassiert aber gegen den FCZ ein 0:4.
Keystone/Gian Ehrenzeller

Sie beginnen mit einem Tempo, als gäbe es kein Morgen. 750 Leute, die sich im Stadion verteilen dürfen, sind begeistert und sorgen für eine Atmosphäre, die es im Letzigrund selbst mit 7500 Zuschauern kaum einmal gibt. Unter den wenigen, die Zugang finden, sind auch Vladimir Petkovic, der Nationaltrainer, und Timo Meier, der NHL-Spieler, und sie sehen nach zehn Minuten die erste Chance, die Itten vergibt. Gleich darauf scheitert Demirovic an FCZ-Goalie Brecher, den folgenden Corner lenkt derselbe Demirovic knapp übers Tor.

Görtler wechselt mit einem weiten Pass die Seite, Itten nimmt den Ball mit der Brust an und zieht aus über 20 Metern direkt ab, die Szene ist spektakulär, aber erfolglos. Itten trifft nur die Latte. Nach einer Viertelstunde führt St. Gallen 4:0, zu seinem Pech nach Cornern.

Die Doublette von Tosin

Die Zürcher sind Statisten, mehr nicht, sie verbarrikadieren sich nach alter italienischer Schule. Eine halbe Stunde dauert es, bis sie sich einmal erwähnenswert aus ihrem Reduit lösen. Das trägt ihnen gleich einen Corner ein, Kololli tritt an, Kramer steigt in der Mitte zum Kopfball hoch, und Rüflis ganze Tat besteht darin, den Ball über die Torlinie zu lenken. Die Zürcher führen, ohne zu wissen, wieso. Selbst ein Handspiel von Kololli in ihrem Sechzehner überstehen sie folgenlos.

Erst nach der Pause beginnen sie, wirklich gefährlich zu werden. Kramer vergibt nach ein paar Sekunden eine grosse Chance, Kololli verpasst das Tor, und dann, die 64. Minute läuft inzwischen, setzt Tosin zu seinem unwiderstehlichen Spurt an, er zieht an Fabiano vorbei, als wäre der nicht da, legt alle Kraft in seinen Schuss und trifft zum 0:2. Fabiano wird danach ausgewechselt, er hat nur 20 Minuten auf dem Platz gestanden.

Die St. Galler geben sich deshalb nicht geschlagen, sie belagern weiter das Tor des FCZ, sie geben an Laufbereitschaft und Leidenschaft, was sie an diesem Abend zu geben haben. Sie werden von ihren Zuschauern weiter angetrieben. Und was passiert? Sie rennen sich in ihrer Ungestümtheit Mal für Mal am kompakten Zürcher Riegel fest, und dann lassen sie sich noch zweimal auskontern. Kololli gelingt das 3:0 für den FCZ, und Tosin setzt in der Nachspielzeit den Schlusspunkt.

4:0 ist ein Resultat, das der FCZ diese Saison nur allzu gut kennt, sechsmal hat er in dieser Höhe verloren, einmal gar 0:5. Da verwundert nicht, was Kololli am Ende sagt: “Gut für uns, dass wir nun einmal 4:0 gewonnen haben.” Neben dem FCZ hat es damit noch einen Sieger in dieser Runde gegeben, das ist der FC Basel, der auf einmal wieder nur noch fünf Punkte hinter der Spitze zurückliegt.