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Filmfestival Venedig in 9 PunktenMit dem Mut zur Auferstehung

In den ersten Tagen des Filmfestivals Venedig – des ersten Grossanlasses der Branche seit Corona – dreht sich alles um Sicherheit. Aber nicht nur. Wir haben Stars, verlassene Hotspots und einen merkwürdigen roten Teppich gefunden.

Manche Stars tragen Maske, andere halten einfach die Hand vor den Mund: Jurypräsidentin Cate Blanchett und Jurymitglied Ludivine Sagnier in Venedig.
Manche Stars tragen Maske, andere halten einfach die Hand vor den Mund: Jurypräsidentin Cate Blanchett und Jurymitglied Ludivine Sagnier in Venedig.
Foto: Keystone

Eröffnungsfilm

Ein Mann zwischen zwei Frauen: Linda Caridi, Luigi Lo Cascio und Alba Rohrwacher im Eröffnungsfilm «Lacci» von Daniele Luchetti.
Ein Mann zwischen zwei Frauen: Linda Caridi, Luigi Lo Cascio und Alba Rohrwacher im Eröffnungsfilm «Lacci» von Daniele Luchetti.
Foto: Gianni Fiorito

Venedig startet ja gerne mit einem Feuerwerk: Wir erinnern uns an umwerfende Opener wie «Gravity» (2013) oder «La La Land» (2016), die später zu Oscarabräumern avancierten. Da die USA dieses Jahr nur minimal vertreten sind, fiel der Auftakt auf «Lacci»: Das italienische Familiendrama spielt in den Achtzigern und kommt leider auch so daher – selbstbezogen, überdramatisiert, verstaubt.

Roter Teppich

Hinter der Abschrankung wäre hier der rote Teppich. Aber davon sieht man als Zuschauer nichts mehr.
Hinter der Abschrankung wäre hier der rote Teppich. Aber davon sieht man als Zuschauer nichts mehr.
Foto: La Biennale di Venezia

Er ist zwar da, aber von blossem Auge nicht mehr sichtbar: Vor der Sala Grande, wo sonst die Stars winken, wurde eine Balustrade vor dem Red Carpet errichtet. Dennoch hat es wie üblich Zaungäste vor Ort. Sie sehen, was sich beim Einlauf tut (wer trägt Maske?, wer nicht?), ausschliesslich via Grossleinwand, die am Ende des Teppichs steht.

Cate Blanchett

Cate Blanchett beim Photocall.
Cate Blanchett beim Photocall.
Foto: Giorgio Zucchiatti

Die Jurypräsidentin des Wettbewerbs bringt eine Prise Humor nach Venedig. Angesprochen auf die Corona-Krise meint die Australierin: «Ich habe die letzten sechs Monate damit verbracht, mit Schweinen und Hühnern zu sprechen. Jetzt freue ich mich darauf, wieder mit erwachsenen Menschen zu reden.» Und sie macht der Filmbranche Mut: «Ob Pandemie oder nicht – wir fangen immer wieder bei null an. Jetzt ist die Zeit, um zu fragen, in welche Richtung es gehen soll.»

Sicherheitsmassnahmen

Mit Abstand und mit Maske: Festivalkino Darsena in Venedig.
Mit Abstand und mit Maske: Festivalkino Darsena in Venedig.
Foto: Giorgio Zucchiatti

Auf dem gesamten Festivalareal und in den Kinos herrscht Maskenpflicht. Wer beim Fiebermessen über 37,5 Grad hat, muss wieder gehen. Und in den Kinosälen wird konsequent nur jeder zweite Platz besetzt, den man zuvor online reservieren musste. Das klappt, weil dieses Jahr viel weniger Gäste gekommen sind. Und weil niemand um Plätze kämpfen muss, sorgt das für Alteingesessene – sofern sie sich unter den Masken erkennen – für ein vergleichsweise unaufgeregtes Festivalerlebnis.

Hotel Excelsior

Gründungsort des Filmfestivals Venedig: Die Terrasse des Hotels Excelsior.
Gründungsort des Filmfestivals Venedig: Die Terrasse des Hotels Excelsior.
Foto: PD

Venedig ist das älteste Filmfestival der Welt. 1932 gings los, aber nicht etwa am Markusplatz, sondern auf der Insel Lido – genauer: Auf der Terrasse des Hotels Excelsior. Hier stiegen Stars wie Marlene Dietrich oder Kirk Douglas ab. In den letzten Jahren wurden fast alle grösseren Interviewtermine im oder ums Excelsior abgehalten. Ein Augenschein dieses Jahr auf der Terrasse zeigt jedoch: Da sind keine wirbelnden PR-Agenten, keine nervösen Journalisten, und es hat mehr Aufsichtspersonal als Gäste.

Lazzaretto Vecchio

Die ehemalige Pestinsel Lazzaretto Vecchio in Venedig.
Die ehemalige Pestinsel Lazzaretto Vecchio in Venedig.
Foto: Getty Images

Diese nah beim Festival gelegene Miniinsel – von fern sieht sie aus wie eine Festung – wurde im 14. und 15. Jahrhundert als Isolationsspital für Pestkranke genutzt. Insofern wäre Lazzaretto Vecchio die perfekte Corona-Location. Venedig nutzt den renovierten Mega-Ziegelbau seit einigen Jahren für sein gut kuratiertes Virtual-Reality-Programm. Doch dieses Jahr bleibt die Insel leer – die Virtual Reality gibt es nur virtuell, also online, zu erleben.

Tilda Swinton

Tilda Swinton erhält den Goldenen Ehrenlöwen in Venedig.
Tilda Swinton erhält den Goldenen Ehrenlöwen in Venedig.
Foto: Keystone

«Wakanda Forever!» Mit dieser Verneigung vor dem kürzlich verstorbenen Chadwick Boseman nimmt Tilda Swinton ihren Ehrenlöwen in Venedig entgegen. Und sie bringt ein passendes Präsent mit: Der 30-minütige Kurzfilm «The Human Voice» von Pedro Almodóvar (eine Reminiszenz an das gleichnamige Stück von Jean Cocteau) wurde im Juli 2020 gedreht und ist ein farbenprächtiges Werk über eine Trennung.

Hotel Des Bains

Innenansicht des heute geschlossenen Hotels Des Bains.
Innenansicht des heute geschlossenen Hotels Des Bains.
Foto: PD

Hier wurde Thomas Mann zu seiner Novelle «Der Tod in Venedig» inspiriert, der gleichnamige Film von Luchino Visconti wurde am selben Ort gedreht. Bis 2010 diente das Des Bains als Interview-Location des Festivals, dann wurde das Hotel geschlossen. Kürzlich sah man hier anlässlich einer temporären Wiedereröffnung eine Ausstellung über die Geschichte des Festivals. Dieses Jahr bleiben die Tore jedoch zu. Jeder Raum mehr, scheint sich Direktor Barbera zu sagen, ist ein Risiko mehr.

Und die Frauen?

Regisseurin Chloe Zhao zeigt im Venedig-Wettbewerb «Nomadland» (mit Frances McDormand). Der Film gilt bereits jetzt als heisser Oscaranwärter für 2021.
Regisseurin Chloe Zhao zeigt im Venedig-Wettbewerb «Nomadland» (mit Frances McDormand). Der Film gilt bereits jetzt als heisser Oscaranwärter für 2021.
Foto: Keystone

Venedig wurde in den letzten Jahren immer wieder dafür kritisiert, dass kaum Regisseurinnen in den Wettbewerb eingeladen wurden. In den letzten fünf Jahren waren es nur gerade acht Frauen. Jetzt, 2020, hat man gleich acht Regisseurinnen aufs Mal im 18 Filme umfassenden Wettbewerb. Festivaldirektor Barbera meint: «Es ist der Beweis, dass wir nichts gegen Frauen haben. Es geht bei unserer Auswahl nur um Qualität.»

Filmfestival Venedig: bis 12. September.