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Schweizer MeisterschaftenMit stupender Leichtigkeit in neue Sphären

Jason Joseph, William Reais und Simon Ehammer brillieren an den Leichtathletik-Meisterschaften in Basel – und haben alle ihre Karriere noch vor sich.

Und wieder ein Schweizer Rekord: Jason Joseph verbessert seine eigene Bestmarke um fünf Hundertstel.
Und wieder ein Schweizer Rekord: Jason Joseph verbessert seine eigene Bestmarke um fünf Hundertstel.
Foto: Keystone
Auch William Reais kann in Basel überzeugen: Er entscheidet den 200-Meter-Lauf für sich und kann es danach selber nicht glauben.
Auch William Reais kann in Basel überzeugen: Er entscheidet den 200-Meter-Lauf für sich und kann es danach selber nicht glauben.
Foto: Keystone
Das Rennen der Frauen über 800 Meter ist an Spannung kaum zu überbieten, am Schluss setzt sich Lore Hoffmann knapp vor Selina Büchel durch.
Das Rennen der Frauen über 800 Meter ist an Spannung kaum zu überbieten, am Schluss setzt sich Lore Hoffmann knapp vor Selina Büchel durch.
Foto: Keystone
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Er ist noch voller Adrenalin, kann kaum still stehen und sagt: «Hey Bro, als ich gesehen habe, wie leicht du ins Ziel getänzelt bist, da wollte ich das auch.» Sie nennen sich «Bro», die Abkürzung für Brother. Für Hürdensprinter Jason Joseph ist Sprinter William Reais «der Bruder, den ich nie hatte». Sie ­haben sich in der Leichtathletik kennen und schätzen gelernt, sie sind jung, ticken ähnlich und ­wollen das Gleiche: schnell sein.

Und das waren sie am Samstag an den nationalen Meisterschaften auf der Schützenmatte in Basel. Der Verein Old Boys Basel hatte in No Time zusammen mit dem Verband den Anlass inklusive umfangreicher Schutzmassnahmen organisiert. Zweimal tausend Menschen in getrennten Sektoren dankten es in Masken, die Athletinnen und Athleten, für die die Wettkämpfe in dieser speziellen Saison zum Höhepunkt wurden, waren auf den Punkt zu herausragenden Leistungen fähig.

Joseph auf Rang 6 der Welt

Insbesondere Joseph, Reais und natürlich Zehnkämpfer Simon Ehammer. Die Nachmittagssession war nicht alt, als die Meisterschaften ihr Highlight schon hatten: Joseph sprintete die 110 m Hürden in 13,29 Sekunden und katapultierte sich auf Rang 6 der Jahresweltbestenliste. Der Basler ist noch immer erst 21-jährig, läuft aber unbeirrt von Rekord zu Rekord. Bei mässigen Bedingungen war er Ende Juli in Bern schon ­Landesrekord gelaufen, nun steigerte er sich nochmals um fünf Hundertstel und bestätigte im ­Final mit 13,31 seine Leistung.
«Mein Plan war, dass ich beide Läufe voll angehen will», sagte er, die Bedingungen seien ja ideal ­gewesen. Der Final war dann nicht das einsame Rennen an der ­Spitze, «ich musste wirklich sauber ­laufen, denn ich hatte Simon im Nacken», sagte Joseph.

Tatsächlich verblüffte Zehnkämpfer Ehammer. Als Führender im Weitsprung begab er sich kurz an den Start – und sprintete in 13,48 in neue Sphären. Welch Ausnahmetalent der 20-jährige Appenzeller ist, wird von Wettkampf zu Wettkampf deutlicher. Eine solche Zeit haben in der Schweiz neben Joseph nur die Spezialisten Raphael Monachon und Andreas Kundert erreicht. Dass er fünf ­Minuten später 7,59 m sprang und mit 7,99 m gewann, war die magistrale Krönung.

Und zwischendurch eben ­Tänzer Reais (21). Mit welcher Leichtigkeit der Churer über die 200 m flog, hatte etwas Spezielles. Als die Zeit bei 20,24 stehenblieb, war er Schnellster Europäer in diesem Jahr und musste sein Trainer im LCZ, Flavio Zberg, zugeben: «Das war nicht zu erwarten.» ­Reais steigerte sich um mehr als zwei Zehntel, und steigt er auf die 400 m um, wird er bald mit seinem «Bro» Rekorde feiern können. Es wurde aber auch gesprungen und gelaufen: Stabspringerin Angelica Moser feierte mit 4,66 m eine Besthöhe. Und Selina Büchel und Lore Hoffmann lieferten sich über 800 m das spannendste ­Duell dieser SM: In 2:08,73 ging es um 3 Hundertstel an die Walliserin.