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Neue Filiale in ShoppingcenterMitten in der Corona-Krise zieht Chicorée in die Mall of Switzerland

Die Günstig-Modekette hat das Krisenjahr 2020 besser gemeistert als ursprünglich erwartet. Nun eröffnet sie ausgerechnet im umstrittensten Shoppingcenter der Schweiz eine grosse Filiale.

Deutlich tiefere Umsätze, aber nicht so tief, wie erwartet: die Modekette Chicorée. Hier die Filiale in Emmenbruecke.
Deutlich tiefere Umsätze, aber nicht so tief, wie erwartet: die Modekette Chicorée. Hier die Filiale in Emmenbruecke.
Foto: Keystone

Das hässlichste Szenario lag bei minus 30 Prozent: So viel Umsatzverlust kalkulierte die Modekette Chicorée für den Worst Case im Pandemiejahr 2020. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen: Chicorée erzielte 2020 einen Umsatz von 135 Millionen Franken – das entspricht einem Minus von 15 Prozent. Das ist zweifellos unerfreulich. 2019 hatte noch ein Plus von 5 Prozent resultiert. «Dennoch sind wir mit diesem Resultat noch mit einem blauen Auge davongekommen», bilanziert Inhaber Jörg Weber. Er hat sich Ende 2020 in den Verwaltungsrat zurückgezogen und die Führung in die Hände seiner beiden Söhne und CEO Thomas Ullmann übergeben.

Netto hat Chicorée im letzten Jahr drei Filialen eröffnet und kommt nun auf insgesamt 167 Läden. 2021 sollen fünf bis zehn neue Ableger dazukommen. Erstaunlich: Das Unternehmen wird ausgerechnet in die Mall of Switzerland in Ebikon einziehen. Im März eröffnet der geplante Flagship-Store von rund 500 Quadratmetern seine Tore. Die zweitgrösste Shoppingmall der Schweiz, die 2017 an den Start ging, hat in den letzten Jahren vor allem mit leer stehender Fläche und mangelnden Frequenzen von sich reden gemacht. Chicorée verzichtete damals bewusst darauf, als Mieter in das gigantische Center einzuziehen. Man zweifelte am Erfolg.

«Attraktive Konditionen» in der Mall

Inzwischen ist das Management offenbar zu einer anderen Einschätzung gekommen. «Wir haben uns das Ganze natürlich sehr genau angeschaut. Die Zahlen der Mall zeigen inzwischen nach oben, und wir glauben an ihre Zukunft», sagt Jörg Weber. Die Medienstelle des Einkaufscenters sprach im November gegenüber Tamedia ebenfalls von «steigender Besucherfrequenz» seit dem Lockdown im Frühjahr 2020. Hat die Center-Leitung Chicorée nicht einfach mit einer sehr tiefen Miete gelockt, um das Haus zu füllen? Die Kleiderkette ist mit ihrem Bekanntheitsgrad ein sicherer Wert für Shoppingcenter. «Sicher, wir haben attraktive Bedingungen erhalten», sagt der Chef. Dennoch sei das Unterfangen für sie nicht risikolos, da man ja andere laufende Kosten habe – fürs Personal etwa.

Chicorée will 2021 nicht nur weiter expandieren, sondern endlich auch online gehen. Jörg Weber hat über Jahre bewusst auf einen Webshop verzichtet, weil er die Kosten im Verhältnis zum Ertrag als zu hoch erachtete und er seine Filialen nicht konkurrenzieren wollte. Die Söhne setzen nun aufs Online-Geschäft – allerdings in anderer Form. Im Chicorée-Webshop sollen Kollektionen erhältlich sein, die exklusiv im Netz und nicht in den Filialen erhältlich sind. Neu werden die Kundinnen und Kunden aber auch mittels Click&Collect-Konzept Kleider online bestellen und in der Filiale abholen können.

6 Kommentare
    R. W.

    Wie kann man bei einem Laden einkaufen der so produzieren lässt? Fie Chinesischen Näherinnen in Italien waren schon mehrfach in den Medien.