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Selbstmordanschläge in BagdadMörderische Grüsse des IS an die USA

Auf einem belebten Kleiderbasar in der irakischen Hauptstadt sprengten sich zwei Männer in die Luft. Die traurige Bilanz: mindestens 32 Tote und über 110 Verletzte.

Schauplatz des Terrors: Der Tayaran-Platz im Herzen von Bagdad.
Schauplatz des Terrors: Der Tayaran-Platz im Herzen von Bagdad.
Foto: AFP

Am Mittwoch noch hatte eine arabische Satirezeitung einen Beitrag veröffentlicht, in dem sich die Hauptstädter des Irak über die vielen Checkpoints beschweren. «Ich fühle mich hier wie in Washington», wurde ein Bagdader zitiert. Was als Retourkutsche auf viele amerikanische Medien gedacht war, die den Belagerungszustand der US-Hauptstadt kürzlich ausgiebig mit irakischen Verhältnissen verglichen hatten, bekam nur eine Nacht später einen schrecklichen Beigeschmack.

Am Donnerstagvormittag erschütterte ein Doppelanschlag die Stadt, der erste seit langem. Drei Jahre hatten die Sicherheitskräfte des Irak eben auch mit vielen Checkpoints Attentate verhindern können. Der bis dahin letzte Selbstmordanschlag in Bagdad am 18. Januar 2018 kostete 35 Leben.

Die endgültige Bilanz der Taten von Donnerstag wird erst in einigen Tagen gezogen werden können, wenn klar ist, wie viele der 110 Verletzten überleben. Bisher gehen Rettungskräfte von mindestens 32 Toten aus. Keine der im Land aktiven extremistischen Gruppen bekannte sich zunächst. Aber Beobachter vermuten hinter der Tat einen zynischen Willkommensgruss an die neue US-Regierung durch den sogenannten Islamischen Staat.

Die Attentäter spielten Kreislaufprobleme vor. Als Passanten helfen wollten, detonierten die Sprengsätze.

Auf einem belebten Kleiderbasar am Tayaran-Platz – just jenem Ort, an dem 2018 der letzte Anschlag passierte – spielte Augenzeugen zufolge ein Mann Kreislaufprobleme vor. Als Passanten zusammenliefen, um zu helfen, brachte er einen Sprengsatz zu Detonation.

Ein zweiter Mann tat dasselbe, als Helfer wiederum die Opfer der ersten Explosion versorgen wollten, wie im Netz kursierende Videos zeigen. Die Bilder widersprechen dem, was ein Armeesprecher schilderte: Beide Attentäter hätten sich während einer Verfolgungsjagd mit Sicherheitskräften in die Luft gesprengt, sagte er.

Ende 2017 erklärte die Regierung des Irak ihren Sieg über den IS, nachdem es ihrer Armee mit Unterstützung der USA und vom Iran gelenkter Milizen gelungen war, das Territorium im Norden und im Westen des Landes zurückzuerobern, das die Jihadisten 2014 überrannt hatten. Dass die Gefahr durch den IS damit gebannt sei, glaubte auch damals niemand, Schläferzellen werden weiter im ganzen Land vermutet. Doch zuletzt schien der Irak eher mit den Folgen des Kriegs gegen die Terrormiliz beschäftigt zu sein denn mit dessen Ursache.

Iranische Schattenarmee

Denn die schiitischen Milizen blieben nach 2017 bestehen. Schon seit der US-Invasion 2003 baut der Iran seinen Einfluss im Nachbarland aus. Doch mit dem Krieg gegen den IS gelang es der Islamischen Republik, dort eine Schattenarmee zu etablieren – vergleichbar mit dem bewaffneten Arm der Hizbollah im Libanon, der ebenfalls von den Revolutionsgarden des Iran aufgebaut wurde und einen Teheran-freundlichen Staat im Staat garantiert.

Diese Entwicklung versuchten die USA aufzuhalten, deren Stützpunkte im Irak häufig von Milizen beschossen wurden. Selbst auf das Botschaftsgelände in der Grünen Zone in Bagdad regnen immer wieder Raketen. Vor einem Jahr schrammte die Region haarscharf an einem Krieg vorbei, nachdem eine US-Drohne am Bagdader Flughafen einen wichtigen irakischen Milizenführer und seinen iranischen Gast ausgeschaltet hatte – General Qassem Soleimani, den Chefplaner aller verdeckten wie offenen Operationen des Iran im Ausland.

US-freundliche und Iran-nahe Gruppen ringen ständig um die Macht im Irak.

Den Einfluss des Iran wollte aber auch eine Protestbewegung zurückdrängen, die seit Oktober 2019 in Bagdad und anderen Städten auf die Strassen geht. Ihre Forderung nach einer Neuordnung der politischen Landschaft bezahlten Hunderte mit ihrem Leben, wenn unbekannte Waffenträger in die Menge schossen – wie auch bei vielen der gezielten Hinrichtungen von Aktivisten wurden Iran-treue Milizen hinter diesen Taten vermutet.

Nach einer Corona-bedingten Pause wurden die Demonstrationen zuletzt wieder grösser, so, wie nach Ausgangssperren das Leben an Orte wie den nun angegriffenen Tayaran-Platz zurückkehrte.

Ob der Ruf nach Veränderung auch in den Institutionen ankommt, wird sich erst im Oktober zeigen. Anfang der Woche beschloss die Regierung, die für Juni angesetzte Parlamentswahl um vier Monate zu verschieben. Nach jeder Abstimmung setzte bislang in den Hinterzimmern ein Ringen zwischen den US-freundlichen und den Iran-nahen Gruppen ein – ein Dualismus, der sich auch nicht leicht durch die offenbar wieder steigende Bedrohung durch den IS überbrücken lassen wird.

9 Kommentare
    Holk oertel

    Ch selber habe Syrischen Flüchtlinge Sprachkenntnisse beizubringen.Ob Schieten oder Sonaten macht einen grossen Unterschied.Eine Schreiben von links nach rechts andere von rechts nach links.Immer das gleiche, die Religionen stiften immer wieder Hass .Sie begreifen einfach nicht das der Nachbar auch ein Mensch ist.