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Nach den Magglingen-ProtokollenGeschäftsführer Ruedi Hediger verlässt den Turnverband

Die gravierenden Vorwürfe mehrerer Turnerinnen veranlassten den 63-Jährigen zum Rücktritt. Zudem fordert Bundesrätin Viola Amherd eine unabhängige Meldestelle für den Sport.

Ruedi Hediger ist seit 2008 als Geschäftsführer tätig. Ende Jahr wird er den STV verlassen.
Ruedi Hediger ist seit 2008 als Geschäftsführer tätig. Ende Jahr wird er den STV verlassen.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Nun ist der Druck zu gross geworden. Am Dienstagnachmittag teilte der Schweizerische Turnverband (STV) mit, dass Ruedi Hediger per Ende Jahr abtreten werde. Der Geschäftsführer habe dem Zentralvorstand seinen Rücktritt angeboten.

Womöglich kam Hediger damit seiner Entlassung und damit dem Befreiungsschlag des Turnverbandes zuvor. Weil der Aargauer – wie der bereits aus dem Amt geschiedene Chef Spitzensport Felix Stingelin – kaum mehr tragbar gewesen wäre. Zu schwer lasten die Vorwürfe ehemaliger Athletinnen aus der Rhythmischen Gymnastik und dem Kunstturnen. Im vom STV verschickten Communiqué lässt sich Hediger wie folgt zitieren: «Als Geschäftsführer trage ich übergreifend die Verantwortung. Auch wenn die laufenden Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, möchte ich mit meinem Rücktritt den Weg für einen Neuanfang frei machen.» Überdies äussert Hediger Bedauern über die Verfehlungen, zu denen es unter seiner Führung gekommen sei und unter denen Turnerinnen gelitten hätten. «Dies tut mir ausserordentlich leid. Dies war nie unsere Absicht.»

Verband geriet immer mehr unter Druck

Hediger ist seit 2008 Geschäftsführer, davor war er jahrelang Chef Spitzensport. In seine Zeit als Verantwortlicher fallen die Entlassungen dreier Nationaltrainerinnen in der Abteilung Rhythmische Gymnastik sowie der Skandal im Frühling 2007 um Eric Demay, den Cheftrainer der Kunstturnerinnen. Im Sommer zeigten Recherchen des «Blicks», dass sich an den Missständen in der Rhythmischen Gymnastik nichts geändert hatte.

Als vor zehn Tagen im «Magazin» der Tamedia-Zeitungen die Aussagen weiterer früherer Gymnastinnen das systematische Versagen des STV in den letzten zwei Jahrzehnten aufzeigten, geriet der Verband endgültig unter Druck. Zudem belasteten zwei ehemalige Kunstturnerinnen erstmals auch Frauen-Cheftrainer Fabien Martin. Letzte Woche schuf der STV eine unabhängige Ethikkommission und lässt die Vorwürfe in beiden Abteilungen überprüfen.

Interimistisch wird nun Kurt Hunziker, stellvertretender Geschäftsführer und Chef Finanzen, die operative Führung des Turnverbandes übernehmen.

Amherd spricht ein Machtwort

Bereits am Dienstagmorgen tauschte sich Bundesrätin Viola Amherd virtuell mit Vertretern des Turnverbandes und von Swiss Olympic aus. Die Sportministerin machte klar, dass sie Fälle, wie sie betroffene Athletinnen in den Medien schilderten, nicht akzeptiere. Es müsse alles unternommen werden zum Schutz der jungen Sportlerinnen. Nicht nur im Turnen, sondern generell im Sport.

Amherd fordert nun eine unabhängige nationale Meldestelle, die allen Sportlern, Betreuern und Eltern zur Verfügung steht. Bereits 2019 hat das Bundesamt für Sport Swiss Olympic damit beauftragt, eine solche Meldestelle zu prüfen und bis Ende 2020 Ergebnisse vorzulegen. Amherd sagt: «Es führt kein Weg an einer solchen Meldestelle vorbei.»

Besonders pikant: Obwohl der STV bereits eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben hat, will Amherd die Vorfälle ebenfalls durch eine neutrale Stelle aufarbeiten lassen.

11 Kommentare
    Ruedi Basler

    Wie ist das bei anderen Sportarten? Noch schlimmer bei Schwimmer ?