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Gastkommentar zur AgrarpolitikNachhaltige Landwirtschaft geht auch mit Pestiziden

Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm hat in seiner Kolumne die beiden Agrarinitiativen gelobt. Deren preistreibende Effekte aber hat er unterschlagen.

Landwirtschaft und Agrochemie: Bewässerung eines Feldes mit Winterzwiebeln in Bad Ragaz.
Landwirtschaft und Agrochemie: Bewässerung eines Feldes mit Winterzwiebeln in Bad Ragaz.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

In seiner Kolumne hat sich Rudolf Strahm hier kritisch zur Landwirtschaft geäussert, wie sie aktuell in der Schweiz betrieben wird. Und er hat für die beiden Agrarinitiativen plädiert, über die wir am 13. Juni abstimmen. Dabei unterschlug er allerdings die preistreibenden Konsequenzen seiner Empfehlungen: Sowohl die Trinkwasserinitiative als auch die Pestizidverbotsinitiative senken die landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz massiv.

Das gilt sowohl für den konventionellen Anbau wie auch im Biolandbau. Beide Produktionsformen setzen Pestizide zum Schutz der Kulturen ein. Konkret senkt ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel den Ertrag im Schnitt um 40 Prozent. Bei Früchten, Gemüse, Kartoffeln und im Weinbau kann es je nach Jahr und Witterung zu Totalausfällen kommen.

Die Konsequenzen für Konsumentinnen und Konsumenten sind klar: Die Preise für regionale Produkte steigen, die Qualität sinkt. Professor Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz hat in einer Studie im Auftrag des Bauernverbands die Preissteigerungen erst kürzlich bestätigt. In der Wirkung ist der Preisschub für Regionales auch unsozial, denn nicht alle Schweizer Haushalte können sich höhere Preise für Lebensmittel ohne weiteres leisten.

Die Forderung, dass die Schweizer Landwirtschaft auf den Schutz ihrer Ernten verzichten soll, ist nicht nachvollziehbar.

Strahm und die Initiativen zeichnen die Vision einer Landwirtschaft wie zu Gotthelfs Zeiten. Die Verklärung der Vergangenheit war indes noch nie hilfreich für die Bewältigung der Zukunft. Der technologische Fortschritt in der Landwirtschaft – und dazu gehören auch Pflanzenschutzmittel – hat unserer Gesellschaft enorme Vorteile gebracht. Wir alle schätzen das qualitativ hochstehende Angebot an regionalen Lebensmitteln.

Die Forderung, dass die Schweizer Landwirtschaft auf den Schutz ihrer Ernten verzichten soll, ist nicht nachvollziehbar. Das propagierte Modell einer Anbauweise ohne moderne Hilfsmittel blendet soziale und ökonomische Aspekte völlig aus und unterstellt den Bauern ein ungenügendes ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Es wird auch dem Anspruch der Bevölkerung nach einer möglichst hohen Versorgungssicherheit mit einheimischen Lebensmitteln nicht gerecht.

Bezogen auf die Schweiz schadet das Modell «landwirtschaftliche Produktion senken» unter dem Strich der Umwelt. Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, hat dies in mehreren Studien nachgewiesen. Eine unproduktive Landwirtschaft führt zu mehr Importen und lässt weniger Flächen frei für Biodiversität. Deshalb sind die beiden Initiativen aus Sicht von Umwelt und Klima kontraproduktiv.

Ist es wirklich richtig, wenn die Schweiz auf eine weniger produktive Landwirtschaft und auf zwangsläufig steigende Importe setzt, wenn die ganze Welt in Zukunft mehr Kalorien braucht? Die Schweiz mit ihren guten Böden und ihren gut ausgebildeten Landwirten hat die besten Voraussetzungen, aber auch die gesellschaftliche Verantwortung, ihren Beitrag zur Ernährungssicherheit zu leisten.

Das Argument, Syngenta wolle letztlich einfach immer grössere Mengen an Pflanzenschutzmitteln verkaufen, stimmt nicht.

Viele Pflanzenschutzmittel sind auch im Biolandbau zugelassen. Es geht darum, für jede Bedrohung der landwirtschaftlichen Kulturen die beste Lösung zu finden. Das Argument, Syngenta wolle letztlich einfach immer grössere Mengen an Pflanzenschutzmitteln verkaufen, stimmt nicht. Gemäss Verkaufsstatistik des Bundes wurden in den letzten zehn Jahren mengenmässig rund 40 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel für die konventionelle Landwirtschaft verwendet. Auch das Risikopotenzial der eingesetzten Mittel ist nachweislich gesunken.

Anders als Rudolf Strahm behauptet, wissen die Landwirte ganz genau, was sie brauchen und wollen – und was nicht. Unsere Verkaufsberater besuchen die Bäuerinnen und Bauern auf dem Hof und erhalten ihren Lohn nicht auf Provisionsbasis. Ihre Entschädigung ist unabhängig von der Verkaufsmenge.

Als in der Schweiz verwurzeltes Forschungsunternehmen arbeiten wir für eine nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft – eine ressourcenschonende, produktive und für Bauern attraktive Schweizer Landwirtschaft.

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119 Kommentare
    Cécric von Allmen

    Es gibt kein einziges Argument, pestizidverseuchte Lebensmittel zu produzieren und Boden und Wasser zu verseuchen, kein Einziges.