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Kommentar zur PostNeue Post-Strategie bleibt im Detail vage

Die neue Ausrichtung der Post ist ein Zugeständnis an den wachsenden Druck aus Öffentlichkeit und Politik – und ein weiterer Anlauf, nach der Postauto-Affäre weiter an Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Post bremst den Abbau bei ihrem Filialnetz.
Die Post bremst den Abbau bei ihrem Filialnetz.
Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Viele Postkunden werden aufatmen: Der gelbe Riese stoppt den Abbau beim Postnetz und will rund 800 Filialen betreiben. So steht es in der neuen Strategie, welche die Handschrift des neuen Post-Chefs Roberto Cirillo trägt. Es ist ein Zugeständnis an den wachsenden Druck aus Öffentlichkeit und Politik – und ein weiterer Anlauf, nach der Postauto-Affäre an Vertrauen zurückzugewinnen.

Der Verwaltungsrat um Präsident Urs Schwaller und die Konzernleitung haben die neuen Vorgaben für die Filialen im Wissen verabschiedet, dass das Stellennetz rote Zahlen schreibt. Auch ist sich die Postspitze bewusst, dass im Zeitalter der Digitalisierung immer weniger Kunden Filialen aufsuchen. Trotzdem hält der Staatsbetrieb an seiner Infrastruktur fest.

Wie die Post die Verluste zumindest ausgleichen will, darüber macht sie nur allgemeine Angaben. Eine Idee ist, dass Dienstleister und Behörden die Poststellen künftig mitnutzen können. Wer dies ist, lässt die Post offen. Denkbar ist etwa, dass Versicherer ihre Angebote in den Filialen anbieten können.

Die Postspitze ist sich bewusst, dass im Zeitalter der Digitalisierung immer weniger Kunden Filialen aufsuchen.

Ob solche Anbieter die Poststellen auslasten können, ist aber fraglich. Vor allem die jüngere Generation erledigt ihre Geschäfte im Internet. Die Digitalisierung dürfte dank der Corona-Krise noch einen weiteren Schub erhalten.

Die Digitalisierung bekommt in der neuen Post-Strategie zwar mehr Gewicht, indem das Unternehmen dafür einen eigenen Geschäftsbereich ins Leben ruft. Doch auch hier bleibt die Post eher allgemein. Die Firma wolle das Briefgeheimnis auch in der digitalen Welt sicherstellen, lautet die öffentlichkeitswirksame Devise.

Ein konkretes Angebot stellte der gelbe Riese jedoch nicht vor. Hinzu kommt: Gerade bei digitalen Dienstleistungen wird die Post auf ganz andere Konkurrenz stossen als im überschaubaren Schweizer Postmarkt.

Das Postmanagement um Roberto Cirillo hatte nun ein Jahr Zeit, um eine zukunftstaugliche Strategie auszuarbeiten. Herausgekommen ist zwar ein Konzept mit guten Ansätzen. Es bleibt aber vage und scheut sich, die Tabuthemen anzugehen.