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Der Job bei Swiss Olympic locktNeuenschwander tritt zurück, doch der Reiz des Marathons bleibt

Die Schweizer Rekordhalterin tritt sportlich kürzer. Ganz abgeschlossen mit der mythischen Strecke hat die 40-Jährige aber nicht.

Das erfolgreiche Jahr 2015: Maja Neuenschwander siegt in Wien und wird beim top besetzten Marathon in Berlin Sechste.
Das erfolgreiche Jahr 2015: Maja Neuenschwander siegt in Wien und wird beim top besetzten Marathon in Berlin Sechste.
Foto: Herbert Neubauer (Keystone)

Es war ein schöner kühler Sonntagmorgen Ende September 2015, als Maja Neuenschwander in Berlin das «fast perfekte» Rennen gelang. In 2:26:49 Stunden lief die Bernerin Schweizer Rekord im Marathon, er ist noch heute gültig. Im selben Rennen erreichte auch der Zürcher Christian Kreienbühl eine Karrierebestzeit, mit 2:13:57 qualifizierte auch er sich für die Olympischen Spiele in Rio. Kreienbühl (39) hat seine Karriere am Sonntag beendet, Neuenschwander (40) gab gestern bekannt, dass sie sportlich kürzertreten und nicht länger Mitglied des Schweizer Kaders sein werde.

Leiterin des Projekts «Frau und Spitzensport»

Nach rund 22 Jahren Spitzensport erst auf der Bahn und dann auf der Strasse bietet sich Neuenschwander die Chance, ihr Arbeitspensum bei Swiss Olympic auszubauen, wo sie im Bereich Karrieresupport und als Leiterin des Projekts «Frau und Spitzensport» tätig ist. Ganz bewusst bezeichnet sie den Rückzug als «kürzertreten», denn sie sagt: «Laufen gehört zu meinem Leben, und wie Joan Benoit Samuelson, die erste Olympiasiegerin im Marathon, gesagt hat, ist Laufen eine Lebenseinstellung.» So habe sie mit ihren Trainern Sandra Gasser und Beat Aeschbacher darüber diskutiert, in welcher Form sie das Marathonlaufen künftig betreiben könnte. «Es gibt noch immer Marathon-Geschichten, die mich reizen – und die ich in den nächsten Jahren noch erleben will.»

Nach Rio war sie erstmals Profiläuferin – mit ernüchterndem Effekt.

Karriere-Highlights neben dem Rekord und dem Sieg in Wien 2015 waren ihre Teilnahmen an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio. Beide waren wegweisend. «In London hatte ich es erstmals auf die höchste Bühne geschafft, das löste mental einen Prozess aus, dass mehr möglich ist, ich reduzierte danach das Arbeitspensum auf fünfzig Prozent», sagt sie. Nach Rio dann war sie als europäische Spitzenläuferin erstmals Profiathletin – mit ernüchterndem Effekt: Plötzlich ging nichts mehr. Der scheinbaren Optimierung aller Umstände, des Trainings, der Regeneration, des Privatlebens, folgten zwei Jahre, in denen sie keinen Marathon mehr beendete. Einziger Lichtblick: eine Bestzeit im Halbmarathon.

Ein Laufstopp und ein Neuaufbau sollten die Wende bringen. Zudem liess sich Neuenschwander wieder anstellen, «das hat mir offenbar früher gutgetan». Die wirklich befriedigenden Resultate sind trotzdem ausgeblieben. Deshalb orientiert sie sich nun neu.