Hintergrund

Wie Banker Investoren um Milliarden brachten

Händler sollen Vermögenswerte über Billionen von Franken in ihrem Sinn beeinflusst haben. Den Schaden haben nun die Anleger.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn die Aussicht lockt, den Gewinn der Bank nach oben zu drücken und so für sich selber noch mehr Bonus herauszuschlagen, schrecken manche Händler offenbar vor nichts zurück. Dieser Eindruck verdichtet sich, da sich nach den Vorgängen um die globalen Zinssätze Libor und Isdafix ein neuer Skandal anbahnt – diesmal geht es um systematische Manipulationen von Währungen.

Einmal mehr sind Händler einer kleinen Gruppe global tätiger Grossbanken im Fokus. Sie sollen sich auf Kosten von Kunden und grossen Anlegern wie Fonds, Pensionskassen und Versicherungen bereichert haben, indem sie Kurse von Währungen über zehn Jahre verfälschten, um auf den eigenen Handelspositionen Gewinn zu machen.

Erneut stecken Schweizer Banken mittendrin. Die UBS hat zwei Manager im Devisenhandel entlassen, den Leiter Kassageschäfte in Zürich und den Chefhändler in den USA, wie das Portal «Inside Paradeplatz» gestern früh berichtete. Die Grossbank sagt dazu bloss: «Kein Kommentar.»

Finma überraschend offensiv

Aufsichtsbehörden grosser Finanzplätze ermitteln seit Monaten diskret gegen eine Vielzahl von Banken. Einzig der britische Regulator FCA bestätigte bisher eher vage, man «analysiere» die Machenschaften. Die Reaktion der Finma auf die Vorgänge bei der UBS ist in diesem Kontext aussergewöhnlich. Die Bankenaufseherin des Bundes kommunizierte in den Fällen Libor und Isdafix äusserst zurückhaltend. Dass sie nun in die Offensive geht und «Untersuchungen gegen mehrere Schweizer Finanzinstitute» wegen Devisenschiebereien publik macht, ist Indiz dafür, wie tief UBS und CS darin verwickelt sind. Die Wettbewerbskommission vermutet gar «Kartellabreden».

Vier Banken dominieren im weltweiten Devisengeschäft. Die UBS ist mit 10 Prozent Marktanteil die Nummer vier, knapp hinter der britischen Barclays; die Deutsche Bank ist mit 15 Prozent Marktleader, dicht gefolgt von Citibank aus den USA. Die CS liegt deutlich zurück, ist indes ebenfalls ein bedeutender Player.Täglich werden Devisen für rund 4,7 Billionen Dollar gehandelt. Der Währungsmarkt ist der grösste im globalen Finanzsystem, aber nur schwach reguliert und daher anfällig für Betrügereien. Manipuliert haben die Banker laut der Anzeige eines grossen geschädigten Vermögensverwalters vorab bei grossen Deals, weil die mehr einbringen.

Ähnlich wie bei Libor und Isdafix setzten die Trickser bei den Referenzwerten an. Für die 21 wichtigsten Währungen wird von WM Reuters halbstündlich ein Richtwert festgelegt, um 16 Uhr in London dann ein Schlusswert, den Vermögensverwalter benützen, um den Wert ihrer Anlagen in diversen Währungen zu berechnen.

Tricksen über Chatnachrichten

Über Chatnachrichten tauschten sich die Händler von Banken über ihre Kauf- und Verkaufsaufträge aus, stimmten ihre Strategien aufeinander ab. Sie sammelten auch Informationen über demnächst anstehende Deals, um ihre Chancen zu erhöhen, den Kurs vereint in die für sie gewinnbringende Richtung zu bewegen. Dabei machten sie sich zunutze, dass Kunden grosse Devisendeals erst kurz vor 16 Uhr machten, um die Versuchung der Banker, gegen sie zu handeln, zu minimieren. Die Händler konterkarierten dies, indem sie just zu dieser Zeit so viele Orders in den Markt brachten, dass sie die Kurse nach oben oder unten drücken konnten – um so den Schlusskurs in die richtige Richtung zu «hämmern».

Indexfonds, die Hunderte von Milliarden Dollar verwalten, waren besonders verwundbar. Sie müssen täglich eine Vielzahl grosser Devisenkäufe und -verkäufe in Auftrag geben, um das Auf und Ab der Anlagen, die in den einzelnen Indizes enthalten sind, nachzuvollziehen. Andere Vermögensverwalter, vor allem Anlagefonds, aber auch Versicherungen und Pensionskassen nutzen die Richtwerte von WM Reuters, um den Wert ihrer Aktiven zu einem bestimmten Zeitpunkt zu bestimmen.

Für die Händler war viel Geld zu gewinnen. Bei einem Devisendeal über eine Milliarde Dollar fielen für jedes Fünfzigstelprozent, das der Kurs in die gewünschte Richtung manipuliert wird, 200'000 Franken Gewinn an.

Grosse Ausschläge um 16 Uhr

Den Schaden haben die Anleger. Denn die Manipulationen beeinträchtigen Anlagen über Billionen von Dollar. Kurz vor dem Schlusskurs um 16 Uhr waren die Ausschläge jeweils besonders gross. Trading in der am stärksten manipulierten Schlussphase könne grosse Indexfonds wie MSCI World übers Jahr gerechnet bis zu fünf Prozentpunkte an Performance kosten, sagte ein renommierter Wallstreet-Analyst von Bloomberg. Auf 10 Milliarden Dollar verkaufte Devisen würden die Händler und die Bank demnach 500 Millionen Dollar einstreichen, die eigentlich den Anlegern gehörten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2013, 08:04 Uhr

Artikel zum Thema

Wie man Währungen manipuliert

Devisenkurse gezielt zu beeinflussen ist angesichts der Grösse dieses Marktes nicht einfach. Ist aber eine Richtgrösse wie der Libor im Spiel, wird es möglich. Die Betrogenen sind die Grosskunden der Banken. Mehr...

Weko beteiligt sich an Devisen-Ermittlung

Banken Zusammen mit der Finma will die Wettbewerbskommission mehrere Schweizer Finanzinstitute auf Devisenmanipulationen hin untersuchen. Die UBS hat aus dem Verdacht offenbar bereits Konsequenzen gezogen. Mehr...

Weko beteiligt sich an Devisen-Ermittlung

Banken Zusammen mit der Finma will die Wettbewerbskommission mehrere Schweizer Finanzinstitute auf Devisenmanipulationen hin untersuchen. Die UBS hat aus dem Verdacht offenbar bereits Konsequenzen gezogen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Blogs

Tingler Alles auf Zeit
History Reloaded Der Zwingli des Islam

Die Welt in Bildern

Wiederspiegelt die Gesellschaft: Ein Fahrradfahrer fährt im Lodhi Art District von Neu Dehli an einem Wandbild vorbei. (24. März 2019)
(Bild: Sajjad HUSSAIN) Mehr...