Wie unterdrückt man geheime Datentransfers?

Der TA-Experte beantwortet Fragen zu Mac, Windows, Sicherheit, E-Mail, Internet und Multimedia.

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Beim Datentransfer übers Internet blinkt die grüne Kontrollleuchte am Router. Ohne Datentransfer leuchtet sie konstant. Wie ist der Sachverhalt, wenn der Computer «nach Hause» telefoniert, also wenn er insgeheim Daten an Microsoft, Google, Apple etc. übermittelt? Weist dann ebenfalls die Leuchte auf einen Datentransfer hin oder wird das Blinken durch ein geheimes Spezialprogramm unterdrückt? Je mehr wir über die üblen Machenschaften wissen, desto besser!
Peter Bosshard, via Mail

Die Lämpchen am Modem führen immer mal wieder zu Anfragen an die Kummerbox. Die gängige Frage ist allerdings nicht, ob das Blinken womöglich unterdrückt wird. Die meisten Leute möchten wissen, warum das Modem auch in den Momenten blinkt und Aktivitäten signalisiert, wenn sie das Internet überhaupt nicht nutzen.

Dieses Phantom-Blinken lässt sich mit dem Hintergrundrauschen im Netz erklären. Es herrschen an jedem Internetanschluss Aktivitäten, selbst wenn keine Verbindungen offen sind. Dieser Datenverkehr wird zum Beispiel durch Viren verursacht. Der «Conficker»-Wurm hat 2008 beispielsweise sehr viel Hintergrundrauschen produziert. Auch Verbindungsversuche von Peer-to-Peer-Netzwerken oder die Portscans, mit denen echte oder Hobbyspione nach Lücken suchen, können sich durch Blinken manifestieren. Eine Gefahr stellt das normalerweise nicht dar. Die Firewall schützt vor ungebetenen Kommunikationsversuchen von aussen, und die System-Updates schliessen die Lücken, durch die sich Eindringlinge Zugang zu Ihrem Computer verschaffen wollen.

Was nun die Frage nach den geheimen Datenübermittlungen angeht, hätte man die vor dem NSA-Aushorchungsskandal und der Diskussion um Staatstrojaner als Verschwörungstheorie abgetan. Heute scheint alles möglich. Und in der Tat führt ein modernes Betriebssystem auch eine Art Eigenleben: Es holt sich automatisch Updates bei den Softwareherstellern, übermittelt Absturzberichte und teilweise auch Nutzungsstatistiken zu den Programmen. Via Clouddienste wie iCloud, Dropbox oder OneDrive werden automatisch Datenbestände abgeglichen, sodass es selbst für erfahrene Anwender schwierig bis unmöglich ist abzuschätzen, ob alles mit rechten Dingen zugeht – ohne dass es nötig wäre, zur Tarnung das Blinken des Modems zu unterdrücken.

Was tun? Achten Sie bei der Installation einer Software oder beim ersten Start darauf, ob das Produkt Nutzungsstatistiken erheben möchte. Viele Programme wie etwa der Windows Media Player, Firefox oder Google Chrome können solche Daten übermitteln, um den Entwicklern Einblick zu verschaffen, wie die Software genutzt wird. Man darf meines Erachtens das Versprechen glauben, dass die Daten nur anonym ausgewertet werden. Es geht den Herstellern nicht um den einzelnen User. Sie wollen die Nutzerschaft als Gesamtes verstehen. Trotzdem steht es Ihnen frei, die Zustimmung zu verweigern.

Prüfen Sie auch die Nutzungsbestimmungen und Datenschutzerklärung (Privacy Policy) des Anbieters. Hier wird ausgewiesen, welche Daten ein Unternehmen erhebt und zu welchem Zweck es das tut. Wenn Daten an Dritte weitergegeben werden dürfen, muss das erwähnt sein. Bei der Interpretation hilft der (leider bislang nur in Englisch verfügbare) Dienst Tosdr.org. Das Kürzel steht für «Terms of service didn’t read», was so viel heisst wie «die Nutzungsbestimmungen, die ich nicht gelesen habe». Er zeigt durch Daumensymbole an, welche Bestimmungen nutzerfreundlich und welche problematisch sind.

Nachdem Sie sich informiert haben, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie dem fraglichen Produkt Ihr Vertrauen schenken und Ihre Daten anvertrauen wollen. Falls nicht, verzichten Sie auf die Nutzung – Ihrem Seelenfrieden zuliebe.

Senden Sie uns Ihre Fragen an kummerbox@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 15.06.2014, 19:06 Uhr

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