«Keiner hat auch nur ein Fünferli auf uns gesetzt»

Das Finale einer Achterbahnfahrt: Für Martina Hingis und Timea Bacsinszky endet das Abenteuer Olympia mit Silber im Doppel und einer Feier im Schweizer Haus.

«Wir haben uns einen Traum erfüllt»: Hingis und Bacsinszky sind stolz auf ihre Silbermedaille. (Video: Sebastian Rieder)

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Mit Kuhglockengeläut und unter grossem Gejohle wurden die Schweizer Silbergewinner am Sonntagabend im Swiss House an der Lagoa Rodrigo de Freitas empfangen. Schnell war erkennbar, dass Martina Hingis und Timea Bascinszky noch immer auf ihrer Wolke schwebten. «Der Final war zwar der Match zu viel, aber wir können megastolz sein», sagte Hingis. «Ich kenne meine Tenniskünste und weiss, wofür es reicht und wofür nicht.»

Jedes mal, wenn sie auf den Platz gegangen seien, habe es etwas anderes gebraucht, blickte sie zurück. In Runde 1 habe sie gewusst, dass sie gegen Stosur/Gavrilova das Spiel ziehen musste, weil Bacsinszky zuvor ihr Einzel verloren hatte. «Das überlebten wir. Und als wir danach auch die Amerikanerinnen Vandeweghe/Mattek-Sands schlugen, wussten wir: Jetzt liegt viel drin.»

Was sie an Bacsinszky besonders geschätzt habe: «Sie gibt nie auf, hat einen grossen Kampfgeist und ein grosses Kämpferherz. Das ist enorm wichtig im Doppel, das erwartet man dort auch, und das schätze ich bei ihr enorm.»

SMS von allen Seiten

Der Olympiarummel war für die beiden neu: «Man kann das nur aufsaugen und für die nächsten Turniere mitnehmen», sagte Hingis und sprach vom Stolz und der Genugtuung, die diese Medaille mit sich bringe. «Wir erhielten so viel Unterstützung, SMS von allen Seiten. Genau dafür kam ich auch zurück, dafür kam ich nach Rio. Ich hatte immer die Hoffnung, so etwas zu schaffen. Aber man muss auch daran glauben. Am Anfang hat keiner auch nur ein Fünferli auf uns gesetzt. Wir haben bewiesen, dass es funktioniert.»

Auch Bacsinszky schien noch immer zu schweben. Sie entdeckte in Rio Parallelen zwischen sich und Hingis: «Wir sind beide authentisch, sagen, was wir fühlen. Die Leute haben uns gern oder nicht, aber uns ist das egal. Sie können denken, was sie wollen, aber unser Leben gehört uns.» Und auch dies verbinde sie: «Auf dem Platz haben wir die gleiche Professionalität, wir geben immer alles. Wir haben den gleichen Geist, und der hat uns viel geholfen, auf dem Court und daneben.»

«Ein kleines Mädchen aus Lausanne»

Olympia lasse sich mit nichts vergleichen, sagte Bacsinszky im Swiss House. Sie habe sich selber überlegt, warum die Spiele in ihr so starke Gefühle weckten. Und sie habe eine mögliche Antwort gefunden: «Ich bin eben ein kleines Mädchen aus Lausanne. Das olympische Museum allein war eine grosse Inspiration für mich, ich war mindestens sieben Mal dort. Und auch all die sportlichen Organisationen, die dort angesiedelt sind.» Das alles habe in ihr olympische Gefühle geweckt, den Wunsch, das Beste zu geben, «für sich, sein Land, den gegenseitigen Respekt und die Schönheit des Sports.»

Eine spezielle Magie bergen für Bacsinszky zudem die Pins, die unter Sportlern so rege getauscht werden: «Das schafft Kontakte unter Leuten, die sich nicht kennen. Ich habe so viele andere Athleten getroffen, und jeder weiss, wie sich der andere fühlt, wenn er gewinnt, wenn er verliert. Sie wissen zwar nicht, wer ich bin, und ich weiss nicht, wer sie sind, aber trotzdem spricht man miteinander.» Es gebe nichts Fabelhafteres, als sein Land an Olympischen Spielen zu vertreten: «Ich hätte Lust, dass Olympia das ganze Jahr dauert.» Und nun habe sie nun auch noch das Glück, dieses hier mitzunehmen, fügte sie an – wobei sie natürlich ihre Medaille hochhielt, die immer noch um ihren Hals baumelte.

Erstellt: 15.08.2016, 02:43 Uhr

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