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Bäumle gesteht aufgeblähte Bilanz bei Green Cross Schweiz ein

Der Präsident der Umweltorganisation gibt zu, dass Spender ein halbes Jahr lang nicht offen informiert worden sind. Nur so habe man die Organisation retten können.

Er hatte entschieden, die Öffentlichkeit vorerst nicht über das Finanzloch zu informieren: Green-Cross-Präsident Martin Bäumle. (Video: SDA)

An einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz in einer Anwaltskanzlei beim Zürcher Hauptbahnhof gab Martin Bäumle am Donnerstag zu, dass die Bilanz von Green Cross Schweiz geschönt war. «Jawohl, es sind Fehler passiert», sagte der Stiftungsratspräsident, der damit eine Enthüllung dieser Zeitung und des «Beobachters» bestätigte.

Konkret war die Bilanz 2017 der Umweltorganisation um rund fünf Millionen Franken aufgebläht. Die Ursache laut Bäumle: Green Cross hatte viel mehr Geld ausgegeben, als man sich leisten konnte – und dann die Ausgaben in der Bilanz versteckt: «Das war sehr gut getarnt, wir haben das erst mit viel Detailarbeit herausgefunden.»

Die Verantwortung sah der GLP-Politiker bei der Geschäftsführerin von Green Cross, die für diese Zeitung nicht erreichbar war. Schon Ende Juni 2018 habe man ihr einen Ad-Interim-Manager zur Seite gestellt, nachdem der Informationsfluss zwischen Stiftungsrat und Geschäftsleitung nicht richtig funktioniert habe. «Wir gingen damals von Überforderung aus und merkten nicht, dass da noch mehr dahintersteckte», so Bäumle. Es sei dann aber nicht besser, sondern schlimmer geworden. So seien immer mehr Fragen zur Verbuchung von Einnahmen aufgetaucht. Ende August schliesslich habe man sich per sofort von der Geschäftsführerin getrennt.

«Bei einem Konkurs verlieren alle»

Das Finanzloch blieb allerdings über Monate ein Geheimnis. Der Stiftungsrat habe im Herbst 2018 einstimmig entschieden, die Öffentlichkeit nicht darüber zu informieren, so Bäumle weiter. Dies hätte womöglich zum Konkurs von Green Cross Schweiz geführt – und hätte auch in den ausländischen Ablegern des Netzwerks zu Zusammenbrüchen führen können. «Das war eine extrem schwierige Güterabwägung», sagte Bäumle. So glaubten Spender während rund sechs Monaten, einer gesunden Organisation Geld zu überweisen, während Green Cross Schweiz in Wahrheit wohl überschuldet war. «Wir waren der Meinung: Das Schlimmste wäre ein Konkurs. Dann verlieren alle.» Am 23. Dezember 2018 reichte der Stiftungsrat Strafanzeige gegen die Ex-Geschäftsführerin ein.

Der Politiker legte am Donnerstag zugleich die neue Bilanz 2018 vor. Diese weist ein knapp positives Organisationskapital aus. Bäumle sagte, Green Cross Schweiz habe die Kosten stark reduziert: Das Personal betrage ab Mai 2019 nur noch 400 statt wie früher 1000 Stellenprozente, man habe Projekte eingestellt und bei IT und Mietkosten gespart. «Wir sind nun an einem Punkt, an dem wir wieder optimistisch in die Zukunft blicken.»

«Kleinere Brötchen backen»

Green Cross Schweiz will nun «kleinere Brötchen backen» und sich auf Sozialmedizin-Programme in Russland, Weissrussland, Ukraine und Vietnam konzentrieren. Auch beim Dachverband Green Cross International mit Sitz in Genf gab es einen Kostenschnitt, da die Organisation stark vom Schweizer Ableger als Finanzgeber abhängig ist. Die Genfer Büros von Green Cross International wurden geschlossen, die Verwaltung läuft heute von Zürich aus.

Ob er im Rückblick etwas anders machen würde, wollte ein Journalist am Ende der Medienkonferenz von Martin Bäumle wissen. Er frage sich, ob er vielleicht die Alarmsignale schon früher hätte sehen müssen, antwortete der Politiker. Und: Er wisse nicht, ob er das Green-Cross-Mandat nochmals annehmen würde. «Aber wie man es auch dreht: Am Ende musste jemand die Verantwortung übernehmen.»

Die Zewo-Stiftung, die ein Gütesiegel für wohltätige Organisationen verleiht, hat inzwischen eine formelle Sonderprüfung von Green Cross Schweiz eingeleitet, wie Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer auf Anfrage bestätigt. Man werde Dokumente von der Organisation anfordern. Die Zewo kann Green Cross Auflagen machen – oder im Extremfall das Gütesiegel entziehen.

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