Bezos’ entschwundene Liebes-SMS – steckt Trump dahinter?

Pikante Nachrichten des Amazon-Gründers tauchten in einer US-Zeitung auf. Der Milliardär will herausfinden, wie es dazu kam.

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Das Privatleben von Amazon-Gründer Jeff Bezos sorgte vorletzte Woche für Gesprächsstoff: Genüsslich und begleitet von einer Fotogalerie, die Bezos und seine Geliebte Lauren Sanchez beim Turteln zeigte, servierte das amerikanische Regenbogenblatt «National Enquirer» intime SMS-Texte, die der verheiratete Milliardär im April und Mai 2018 an Sanchez verschickt hatte. In den «schmierigen» Liebesbekundungen, so das Blatt, habe der reichste Mann der Welt Sanchez vorgesäuselt, er wolle «sie riechen und einatmen und eng an mich drücken».

Zum Zeitpunkt der SMS-Nachrichten waren sowohl Sanchez, eine TV-Personality und Helikopterpilotin, als auch Bezos verheiratet. Kurz vor dem Erscheinen der Geschichte im «National Enquirer» gaben der Milliardär und seine Ehefrau MacKenzie bekannt, dass sie sich scheiden lassen werden. Laut einem Bericht des Webportals «The Daily Beast» will Bezos die Angelegenheit aber nicht auf sich beruhen lassen: Sein IT-Sicherheitsteam versucht derzeit herauszufinden, wer hinter der Indiskretion steckt.

Eine forensische Überprüfung von Bezos’ Smartphone ergab keinerlei Hinweise auf ein Hacking; auch der Verdacht, Sanchez habe die Texte weitergereicht, um die Ehe von Bezos zu sprengen, erwies sich als unbegründet. Nun will das Team des Milliardärs nicht mehr ausschliessen, dass es sich bei der Veröffentlichung um einen gezielten Racheakt aus dem Umfeld von Präsident Trump gehandelt hat.

Trump freut sich über Scheidung

Bezos und Trump verbindet eine tiefsitzende Feindschaft, wiederholt hat Trump den Amazon-Gründer auf Twitter attackiert. Im März 2018 berichtete das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf mehrere Quellen, Trump sei «besessen» von dem Wunsch, Bezos zu ruinieren. Besonders erzürnt den Mann im Weissen Haus, dass sich die von Bezos 2013 für 250 Millionen Dollar gekaufte Zeitung «Washington Post» zu einem Sturmgeschütz gegen Trump entwickelt hat. Bezos profitiere zudem von künstlich niedrigen Pakettarifen, Amazon koste die US-Steuerzahler deshalb ein Vermögen, klagte der Präsident mehrmals.

Freunde Trumps vermuten, es wurme den Präsidenten, dass Bezos der reichste Mann der Welt ist, derweil Trump bei der neuesten Liste Superreicher im Wirtschaftsmagazin «Forbes» abgeschlagen auf Rang 766 dümpelte. Nicht ganz zur Theorie der Bezos-Ermittler passt freilich, dass sich die langjährige Freundschaft zwischen Trump und dem Eigentümer des «National Enquirer», David Pecker, 2018 abgekühlt hatte: Unter Druck von US-Anklägern bestätigte der Verleger, dass er während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 die Publizierung einer pikanten Story über Trump und das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal verhindert hatte.

Die Sicherheitsexperten des Milliardärs wollen die Spur gleichwohl verfolgen und herausfinden, wie die SMS-Texte ihren Weg auf die Seiten des «National Enquirer» fanden. Der Präsident freute sich unterdessen diebisch über die Enthüllung: In einem Tweet bezeichnete er den Unternehmer als «Jeff Bozo» – «Depp» auf Deutsch – und befand, Bezos’ bevorstehende Scheidung werde ein «Genuss».

Erstellt: 31.01.2019, 22:39 Uhr

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