Bundesrat nimmt neuen Kampfjet-Anlauf

Der Gripen wurde vom Volk abgelehnt. Nun unternimmt Guy Parmelin den nächsten Versuch, neue Kampfjets zu kaufen.

Ueli Maurers Gripen-Kauf scheiterte an der Urne: Gripen-Jet beim Start. (Archivbild)

Ueli Maurers Gripen-Kauf scheiterte an der Urne: Gripen-Jet beim Start. (Archivbild) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bundesrat hat am Mittwoch den Startschuss gegeben für den Kauf neuer Kampfflugzeuge. Vorerst geht es um die Vorbereitungsarbeiten für das Auswahlverfahren. Dieses soll wie angekündigt 2017 beginnen. Im Einsatz stehen würden die Kampfjets nicht vor 2025.

Vor zwei Jahren ist die Beschaffung von 22 Gripen-Kampfjets an der Urne gescheitert. Damit bleiben die 54 F-5 Tiger vorerst ohne Ersatz. Die Flugzeuge sind über 30 Jahre alt und können nur auf Sicht und tagsüber fliegen. Für den geplanten 24-Stunden-Betrieb der Luftwaffe sind sie daher untauglich.

Zudem stellt sich die Frage, wie es in der nächsten Dekade mit den 31 F/A-18 weitergeht. Diese können technisch bis 2025 genutzt werden. Eine Verlängerung um fünf Jahre ist zwar möglich, kostet nach Angaben des Verteidigungsdepartements VBS aber schätzungsweise eine halbe Milliarde Franken.

Parteien einbezogen

Mit diesen Fragen befasst sich nun eine Expertengruppe mit Vertretern von Armee, Armasuisse und VBS, wie der Bundesrat mitteilte. Sie soll bis zum Frühling 2017 grundlegende Fragen zu Bedarf, Vorgehen und industriellen Aspekten einer Beschaffung beantworten. Geleitet wird die Expertengruppe von Claude Meier, Chef des Armeestabs.

Der Bundesrat will auch die Bundesratsparteien früh einbeziehen. Sie sollen in einer Begleitgruppe Einsitz nehmen, in der auch andere Departemente, die Industrie und die Offiziersgesellschaft vertreten sind.

2017 möchte der Bundesrat dem Parlament einen Kredit zur Planung, Erprobung und Beschaffungsvorbereitung (PEB-Kredit) vorlegen können. Dies wäre dann der formelle Beginn des Projekts für die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges. Nach gegenwärtiger Planung soll 2020 der Typenentscheid fallen und 2022 der Beschaffungskredit im Parlament beantragt werden. Ab 2025 sollen die neuen Flugzeuge geliefert werde.

Grosse Bedenken

Eigentlich hätten schon ab 2018 Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab am Schweizer Himmel kreisen sollen. Insgesamt sollten 22 Flugzeuge für 3,1 Milliarden Franken beschafft werden. Am 18. Mai 2014 lehnten aber 53,4 Prozent der Stimmenden den Kauf an der Urne ab.

Die Beschaffung stand von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. Aufgrund einer Indiskretion wurde bekannt, dass der Gripen in der technischen Evaluation schlechter als die Konkurrenten Eurofighter und Rafale abgeschnitten hatte. Auch die Tatsache, dass der beschaffte Typ erst auf dem Papier existierte, löste Bedenken aus. (ofi/sda)

Erstellt: 24.02.2016, 14:09 Uhr

Artikel zum Thema

Parmelin spricht über Terrorismus und Kampfjets

Bundesrat Guy Parmelin traf in München seine europäischen Amtskollegen. Er infomierte sie auch über das Nein zum Gripen-Kauf. Mehr...

Gripen – ein Jahr danach

Analyse Das Volk lehnte Kampfjets ab. Und das Parlament beschafft Drohnen. Mehr...

Bewaffnete PC-9 als Gripen-Ersatz?

Nach dem Nein zum Gripen schlug der Pilatus-Chef vor, die Schweizer Luftwaffe solle ihre PC-9 bewaffnen. Das Beispiel Slowenien zeigt, wie das funktionieren könnte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Heftiges Wortgefecht: Ein palästinensischer Mann und ein israelischer Soldat geraten aneinander wegen der israelischen Order, eine Schule bei Nablus zu schliessen. (15. Oktober 2018)
(Bild: Mohamad Torokman) Mehr...